Trittin über Bild: „Überschuss an Populismus“

Publishing Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat die Bild-Zeitung zum 60. Geburtstag scharf kritisiert. Der Politiker nennt die Boulevardzeitung in einem Beitrag für das Debattenportal European das "selbst ernannte Sprachrohr eines vermeintlichen Mainstreams, das seiner daraus folgenden Verantwortung aber nicht nachkommt". Die Ablehnung des Nannen-Preises durch SZ-Rechercheure gehe in Ordnung. Und: Bild isoliere Deutschland in der EU.

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Trittin scheint nicht nur ein, sondern gleich mehrere Hühnchen mit Bild zu rupfen zu haben. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass Trittin auf seine eigene, ganz persönliche Bild-Story zurückblicken kann. Die er in dem Beitrag für den European auch noch einmal nacherzählt. 2001 veröffentlichte das Blatt ein Foto von 1994, das Trittin bei einer Demo in Göttingen zeigt. Das Bild war so angeschnitten, dass der Betrachter des Bildes den Eindruck bekommen konnte, die Demonstranten seien mit Schlagstöcken und Bolzenschneidern unterwegs gewesen. Später stellte sich heraus, dass es sich nur um ein Seil und den Teil eines Dachgepäckträgers handelte. Trittin selber spricht von einer "unverfrorenen Bildmanipulation".

Die Berichterstattung der Zeitung über Griechenland empört den Politiker ebenso, er spricht von einem "chauvinistischen Imponiergehabe", das den "Zerfall der europäischen Solidarität" fördere und Deutschland in der EU isoliere. Das Blatt versuche sich "als Verstärker eines rechten Populismus". Trittins Fazit: "Das Blatt lebt von dem bewussten Verzicht auf Seriosität und von einem Überschuss an Populismus. Bild operiert im Grenzbereich zwischen Journalismus, manifestem politischem Eigeninteresse und selbstreferenzieller PR."  

Das gepflegte Bild-Bashing hat in den Tagen vor dem 60. Geburtstag der Zeitung Hochkonjunktur. Ebenfalls im European schreibt Gregor Gysi: "Deutschland könnte gut ohne diese Zeitung leben. Ich selbst kann es auf jeden Fall." Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz haben einen Text verfasst, in dem sie schlussfolgern, der Markenkern von Bild sei Manipulation.
Die Bild-Macher selber werden es vermutlich mit dem alten Sprichwort halten: "Viel Feind, viel Ehr."

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