FR-Verkaufsgerüchte: ddvg sieht rot

Publishing Unter den Gesellschaftern der Frankfurter Rundschau ist offener Streit entbrannt. Nachdem DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld in der FTD einen möglichen Verkauf der Kölner Anteile in den Raum gestellt hatte, reagierte die Geschäftsführung der SPD-Medienholding ddvg auf ihrer Jahrespressekonferenz entsetzt. „Dass ausgerechnet der Manager eines Medienhauses und ein früherer Chefredakteur so unverantwortlich herumschwadroniert, erstaunt mich“, kochte SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks.

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„Wenn Herr Sommerfeld schon nicht mit Zahlen umgehen kann, sollte er wenigsten mit Worten umgehen können“, so Hendricks weiter. Auch ddvg-Geschäftsführer Jens Berendsen gab sich erschüttert: „Ich finde es überhaupt nicht gut, wenn man öffentlich über einen möglichen Verkauf spekuliert. Darüber werde ich mit Herrn Sommerfeld zu reden haben.“ Sogar rechtliche Schritte gegen DuMont und eine mögliche Schadensersatzforderung wegen der zu erwartenden Vermögensminderung schloss die ddvg nicht aus. „Dies bleibt abzuwarten, wir werden das prüfen“, sagte Barbara Hendricks.

Berendsen hält es für möglich, dass die Äusserung Sommerfelds in der FTD ein Alleingang war: „Wenn man sich so verhält wie er, redet man sein eigenes Vermögen runter. Ich weiß nicht, ob das im Sinne des Professors ist (gemeint ist Alt-Verleger Alfred Neven DuMont, Anm.d.Red.).“ Berendsen fürchtet, dass vor allem die bereits schwierige Vermarktung der Frankfurter Rundschau unter den Verkaufsspekulationen weiter leiden könnte. Seit 2008 sind dem Titel bis heute pro Jahr 14 Mio. Euro Anzeigenerlöse weggebrochen. Berendsen: „Wenn jemand in seinemLeben einmal eine Anzeige verkauft hat, weiß er, wie schwierig das künftig sein wird.“

Die überaus deutlichen Kommentare in Richtung des Kölner Topmanagers Sommerfeld waren nicht die einzige Überraschung bei der Pressekonferenz. Als ein taz-Redakteur die Geschäftsführung fragte, seit wann sie von den angeblichen Sondierungsgesprächen DuMonts mit einem österreichischen Konsortium wüssten, entgegnete Hendricks: „Das höre höre ich als Gesellschafterin der Frankfurter Rundschau zum ersten Mal von ihnen.“

Bei all dem Ärger über den Mehrheitsgesellschafter DuMont (50% plus eine Stimme) ging die recht ordentliche Bilanz der ddvg, die u.a. auch bei Madsack und der Sächsischen Zeitung investiert ist, beinahe unter. Mit einem Betriebsergebnis von 15,9 Mio. Euro lag die Holding bereinigt um Sondereffekte in etwa auf Vorjahresniveau. So konnte sie an die Gesellschafterin SPD 7,1 Mio. Euro Gewinnvortrag ausschütten (Vorjahr: 7,7 Mio. Euro).

Mit Blick in die Zukunft gab die ddvg-Führung – aus gegebenem Anlass – ein Treue-Bekenntnis zur Frankfurter Rundschau. „Das dortige Management macht einen exzellenten Job.“, so Berendsen, „Um das Blatt wieder in die Gewinnzone zu bringen heißt es, hart zu arbeiten, Kostendisziplin zu üben und Erlösmöglichkeiten jenseits des Kerngeschäfts zu entwickeln.“ Einsparungen bei den derzeit noch 385 Vollzeitstellen im Frankfurter Druck- und Verlagshaus seien nicht geplant, so ddvg-Co-Geschäftsführer Matthias Linnekugel: „Stand jetzt ist beabsichtigt, mit dieser Mannschaft das Verlagsgeschäft in den nächsten Jahren zu betreiben.“ Allerdings verhandle man mit der Gewerkschaft Verdi über weitere Kürzungen bei Weihnachts- und Urlaubsgeld.

Noch während der Pressekonferenz verbreitete die dpa ein Dementi Franz Sommerfelds, der nunmehr einen Verkauf der DuMont-Anteile an der FR kategorisch ausschloss. Dass er gegenüber der Financial Times Deutschland erklärt hatte, man werde ein entsprechendes Angebot eines „hoch interessierten“ Kaufwilligen prüfen, begründete Sommerfeld damit, dass es „die Pflicht eines Managers“ sei, ernsthafte Angebote stets zu prüfen, egal ob man sie annehmen wolle oder nicht. Eine Einlassung, die bei den ddvg-Bossen nur Kopfschütteln erntete.

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