DuMont würde Rundschau verkaufen

Publishing Es ist nur ein Satz mit Konjunktiv, den DuMont-Vorstand Franz Sommerfeld der FTD über die Frankfurter Rundschau gesagt hat, aber er ist dennoch aussagekräftig: "Wenn wir einen hochinteressierten Käufer finden, der uns viel Geld zahlen würde, würden wir das natürlich prüfen." Solch ein Käufer wird sich vermutlich nicht finden, weil die FR auf absehbare Zeit defizitär ist. Aber: Das Nicht-Bekenntnis ist ein Fanal für die Mitarbeiter und die Branche. Auch 2013 wird die FR keine schwarzen Zahlen schreiben.

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Vor wenigen Wochen hatte DuMont seine Zeitungen in Berlin und Frankfurt an der Spitze neu geordnet. Uwe Vorkötter, der Chefredakteur von FR und Berliner Zeitung war, musste abtreten. Dafür sollen nun zwei Chefredakteure – Brigitte Fehrle in Berlin und voraussichtlich Arnd Festerling in Frankfurt, die beiden Blätter deutlich regionaler und lokaler ausrichten als bisher. Bei seiner Abschiedsrede für Vorkötter ließ Sommerfeld erkennen, dass es DuMont bei beiden Zeitungen noch einmal wissen will. Doch das gilt vor allem für den Berliner Verlag.

Die stärkere Ausrichtung der FR als Regionalblatt mit etwa 30 Prozent überregionaler Verbreitung lässt erkennen, dass DuMont zweigleisig fährt – einerseits wird das Blatt so überlebensfähig wie möglich gemacht, andererseits wäre man auch bereit, es abzustoßen. Beides schließt sich schließlich nicht aus, sondern ersteres ermöglicht einen möglichen Verkauf überhaupt erst. Aber, sagte Sommerfeld der FTD: Derzeit bestehe kein Anlass für einen Ausstieg. Auch, wenn ein Rückgang im Stellenmarkt offenbar schon jetzt erkennen lässt, dass es auch 2013 nichts mit schwarzen Zahlen wird. Da lässt sich schon fragen: Wenn es jetzt, trotz vieler jahre harten Sparens, nicht mit einem kleinen Geewinn hinhaut, wann dann? Nicht nur in Frankfurt und Köln könnte die bange Gegenfrage lauten: Vielleicht nie?

Der Niedergang der FR ist beispiellos für eine überregionale Zeitung in Deutschland. Das Engagement der SPD-Medienholding ddvg, die heute noch 40 Prozent hält, und der spätere Einstieg von DuMont haben das Überleben der linksliberalen Traditionszeitung überhaupt erst ermöglicht. Doch, trotz einiger Anstrengungen – Sparen, Sparen, Einführung Kompaktformat, Zusammenarbeit mit Berliner Zeitung verstärkt, wieder Sparen, Investition in iPad-App, nochmal Sparen – hat sich das Engagement nicht ausgezahlt. Außer, dass es die FR eben überhaupt noch gibt.

Am heutigen Mittwoch präsentiert die SPD-Medienholding ddvg ihre Bilanz – und wird sich sicher auch zu Sommerfelds Aussage positionieren müssen. Bisher wurde eine verkaufsabsicht immer bestritten – die ddvg sieht die Millionen, die sie jährlich in das Blatt steckt, offensichtlich auch als Beitrag zur Meinungsvielfalt. Ähnlich argumentiert auch Sommerfeld gegenüber der FTD: "Dieses Haus hat noch diesen starken publizistischen Anspruch. Daher erhalten wir ja die Frankfurter Rundschau. Ein Haus, was nur nach Gewinnmaßstäben agieren würde, wäre schon länger ungeduldig geworden." Klar ist: Die Einstellung einer ehemals großen Zeitungsmarke würde sich Verleger Alfred Neven DuMont womöglich nie verzeihen.    

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