Rolf Westermann wird dapd-Vizechef

Publishing Der fleißige Personalienlieferant dapd hat wieder zugeschlagen: Rolf Westermann, 51, seit 23 Jahren für die dpa tätig, wird stellvertretender Chefredakteur beim Konkurrenten. Dafür verlässt Dirk Lübke, der bisherige Vize von Cord Dreyer, das Unternehmen. Olaf Jahn, bisher Chef des Investigativressorts bei dapd, wird derweil Co-Geschäftsführer der Berliner Journalisten-Schule. Ein Coup gelingt dapd dann noch in Frankreich: Dort läuft AFP-Chefredakteur Jean-Luc Testault zur Konkurrenz über.

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Aber der Reihe nach: Im Inland ist die Personalie von Rolf Westermann von größter Relevanz. Der Agenturprofi war zuletzt Landesbüroleiter Ost. Der dapd gelingt mit der Abwerbung ein kleiner Coup, denn immerhin hat Westermann schon fast ein Vierteljahrhundert für den Marktführer gearbeitet. Sein neuer Chef Cord Dreyer lobt Westermann als "Agenturjournalist aus Leidenschaft, der das Nachrichtengeschäft beherrscht wie nur wenige Journalisten in Deutschland".

Westermann selber sagt: "Ich freue mich darauf, für ein Unternehmen zu arbeiten, das sich den Herausforderungen im sich dramatisch wandelnden Mediengeschäft so konsequent stellt.“ Das klingt im Umkehrschluss ein wenig so, als ob sein langjähriger Arbeitgeber etwas weniger konsequent sei. Dirk Lübke, der vor zwei Jahren als ausgewiesener Regionalzeitungsexperte zur dapd stieß, verlässt die Agentur im Gegenzug."Planmäßig", wie es heißt, Lübke wolle sich "neuen Aufgaben in der Medienwelt widmen".  

Olaf Jahn, der bei dapd das vor einiger Zeit gegründete Investigativressort leitete, geht ebenfalls auf eigenen Wunsch. Er übernimmt als Geschäftsführer die Berliner Journalisten-Schule – gemeinsam mit Joachim Widmann, der ebenfalls für die dapd-Vorgängeragentur ddp als Chefredakteur gearbeitet hat. Jahn und Widmann übernehmen nicht nur die Geschäftsführung von Manfred Volkmar, sondern auch dessen Gesellschafteranteile an der Journalisten-Schule. Das Duo will das Kursangebot ausbauen – u.a. mit einem Angebot, das Journalistinnen helfen soll, sich besser "in Redaktionen zu behaupten".

Zuletzt zum Auslands-Coup von dapd: Offiziell wird zwar nichts bestätigt, doch Jean-Luc Testault, der Chefredakteur von AFP in Frankreich, wechselt an die Spitze der Konkurrenzagentur, die dapd gerade in Paris aufbaut. Testault leitet den französischen Dienst seit 2008 und war u.a. elf Jahre Deutschland-Korrespondent der Nachrichtenagentur. Testault soll die von dapd angekündigte Vollagentur für Frankreich aufbauen.

Kurios: In einem eigenen Bericht verweist dapd auf Berichte in französischen Medien über den Wechsel. AFP-Präsident Emmanuel Hoog, kolportiert der Agenturbericht der dapd, soll "vor Wut gekocht" haben über den Wechsel seines Topjournalisten zur Konkurrenz. Ganz wertfrei fällt der Artikel entsprechend nicht aus, Zitat: "Ohnehin läuft es für Hoog, seit April 2010 im Amt, alles andere als rund."

Und weiter: "Zu einem für AFP völlig unpassenden Zeitpunkt droht nun auch noch die seit Jahren üppig fließende Alimentierung durch den französischen Staat wegzubrechen." Auch dies ist ein Hinweis in eigener Sache: Denn dapd kämpft seit einiger Zeit in Brüssel dafür, dass AFP nicht weiter im bisherigen Maße vom französischen Staat finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe erhält. Dies verzerre den Wettbewerb. Ein kleiner Hinweis, das die Agentur hier nicht neutral berichtet, wäre angemessen gewesen. 

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