Spiegel will eigene Domain von ICANN

Publishing Das Gerangel um neue Internet-Endungen geht in die nächste Runde. Die ICANN, die die Vergabe der Top-Level-Domains regelt, hat eine Liste von 1.409 Bewerbern veröffentlicht, die sich um Hunderte Endungen bemühen. 70 Bewerbungen wurden von deutschen Unternehmen und Organisationen eingereicht, darunter ist als einziges Medienunternehmen die Spiegel-Gruppe. Um einige Endungen wie .app, .book oder .mail kämpfen mehrere Bewerber. Amazon will sich 76 Endungen sichern, Google gleich 101.

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Allein eine Bewerbung um eine Top-Level-Domain (TLD) kostet 185.000 Dollar. Jährlich fließen 25.000 Dollar an die ICANN. Auf diesem Weg hat die Organisation (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) laut Berichten schon mal ca. 350 Millionen Dollar eingesammelt. Ein ganzer Batzen wurde allerdings für mögliche Rechtsstreitigkeiten zurückgelegt. Denn die Vergabe wird vermutlich nicht in allen Fällen schiedlich-friedlich vonstatten gehen. In 230 Fällen gibt es mehr als nur einen Bewerber um eine neue Endung (hier zur kompletten Liste).

Besonders begehrt sind etwa die Endungen .app, .art, .auto, .book, .cloud, .mail, .music und .news. Gibt es mehrere Bewerber, sollen die sich möglichst untereinander einigen. Doch besonders um solche allgemeinen Endungen dürfte das Gerangel am größten sein. So wollen sowohl Google wie Amazon die Endung .cloud haben, um als Marke mit Cloud-Computing untrennbar verbunden zu werden. Wer da den Zuschlag erhält – unklar. Der Besitzer einer generischen TLD darf künftig die Vergabe einer Web-Adresse mit der jeweiligen Endung regeln.

Die Mehrzahl der deutschen Bewerber sind Unternehmen, u.a. Audi, BMW, Boehringer, Bosch, Edeka, MAN, SAP, Linde, Volkswagen. Die Deutsche Post ist gleich mit vier Bewerbungen dabei: .deutschepost, .epost, . dhl und .trust. Mit Bauhaus und OBI wollen sich zwei Baumärkte eine eigene Endung sichern. Bei den begehrten Städte-TLDs bewerben sich Unternehmen für Berlin, Hamburg und Köln. Im Fall von Berlin bewirbt sich die dotBerlin GmbH, ein von Berliner Unternehmen finanziertes Gemeinschaftsunternehmen, das einzig dem Zweck dient, die TLD für Berlin zu ergattern. Der Verband Bitkom begrüßt die Bewerbungen: "Die regionalen Endungen bieten neue Möglichkeiten für Kommunen, sich als Wirtschaftsstandort im Internet zu präsentieren", sagt Bitkom-Chef Bernhard Rohleder.

Als einziges deutsches Medienunternehmen hat auch die Spiegel-Gruppe in die Tasche gegriffen, um sich die Endung .spiegel zu sichern. Die Gesamtkosten bis zur Einrichtung einer TLD werden auf zwei bis fünf Millionen Euro geschätzt. Mit auf der Liste ist auch der deutsch-französische Sender Arte, nicht aber ARD oder ZDF. Die britischen Kollegen der BBC haben dagegen eine eigene Domain beantragt. Unter den internationalen Medienkonzernen, die eine eigene TLD wünschen, sind auch: Guardian (die mit einer Versicherung konkurrieren), CanalPlus sowie Internet-Firmen wie AOL, Baidu, Yahoo und Yandex. Keine Frage, dass Google, Amazon und Apple ebenfalls dabei sind.

Im Economist war Anfang Juni die Einschätzung zu lesen, dass etwa 90 Prozent aller Bewerber von Markenunternehmen nicht aus Überzeugung heraus eine TLD beantragen. Sondern aus Angst, ihre Marke im Netz zu verlieren bzw. die Kontrolle über sie. Es gehe um den Schutz der Online-Identität. Die Web-Vordenkerin Esther Dyson, die selber einmal den Vorsitz bei der ICANN innehatte, habe die Erweiterung der Endungen mit Finanzderivaten verglichen – sie erhöhten die Komplexität, schüfen aber keine neuen Werte. 

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