Nokia droht der totale Zusammenbruch

Das Debakel ist perfekt: Nokia, einstiger Weltmarktführer der Handybranche, muss erneut eine Gewinnwarnung aussprechen und sogar ein Fünftel seiner Arbeitsplätze streichen. Die Aktie stürzt auf ein 16-Jahrestief. Die vermeintlich letzte Hoffnung, die mit viel Aufwand in Kooperation mit Microsoft entwickelte Smartphone-Reihe Lumia, zündet bisher nicht. Wie Blackberry-Hersteller RIM hat Nokia kein Mittel gegen die Dominanz von Apple, Google und Samsung gefunden – und steht nun vor der Existenzfrage.

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Das Debakel ist perfekt: Nokia, einstiger Weltmarktführer der Handybranche, muss erneut eine Gewinnwarnung aussprechen und sogar ein Fünftel seiner Arbeitsplätze streichen. Die Aktie stürzt auf ein 16-Jahrestief. Die vermeintlich letzte Hoffnung, die mit viel Aufwand in Kooperation mit Microsoft entwickelte Smartphone-Reihe Lumia, zündet bisher nicht. Wie Blackberry-Hersteller RIM hat Nokia kein Mittel gegen die Dominanz von Apple, Google und Samsung gefunden – und steht nun vor der Existenzfrage.
Es gibt aktuelle viele Gründe, um nach Europa zu blicken: Die Fußball-Europameisterschaft ist der erfreulichere, die Euro-Krise der fraglos unerfreulichere Anlass. Das Endspiel der EM findet Sonntag in zwei Wochen in Kiew statt, das Endspiel um die Zukunft der Eurozone läuft dagegen schon am Sonntag bei den Neuwahlen in Athen. 
Wer indes in der Wirtschaftswelt nach einem Sinnbild für den ultimativen Niedergang des europäischen Traums sucht, wird im hohen Norden fündig. Nokia, so heißt eine finnische Kleinstadt wirklich, die namensgebend für den zweitweise mit Abstand wertvollsten Konzern Europas war. Das war Ende 90er Jahre.
Nokia-Aktie: um 16 Prozent auf ein 16-Jahrestief gefallen
Mehr als ein Jahrzehnt später steht der zahlenmäßig noch immer größte Handyhersteller Europas nicht nur mit dem Rücken zur Wand – es geht nunmehr ums nackte Überleben, das ist allerspätestens seit gestern klar, als Nokia erneut eine happige Gewinnwarnung und den Wegfall jedes fünften Arbeitsplatzes bekanntgab.  Die Aktie fiel um 16 Prozent auf ein 16-Jahrestief. 
Noch Mitte des vergangenen Jahrzehnts schien ein solches Schicksal undenkbar: Nokia war mit Abstand größter Handyhersteller der Welt, dem allenfalls von dem aufstrebenden Smartphone-Rivalen Research in Motion mit seinem Blackberry Konkurrenz zu drohen schien. 
Lumia bleibt bisher hinter den Erwartungen zurück
Dann kamen das iPhone und Googles mobiles Betriebssystem Android auf den Markt und krempelten Nutzungsgewohnheiten und dann die ganze Branche um. Fünf Jahre später scheint die Frage, wer am Ende schlechter dran ist, schwer zu beantworten: Nokia oder RIM?
Die Kanadier verfügen mit dem Blackberry zumindest noch über ein Smartphone, mit dem Anwender eine gewisse Nostalgie verbinden. Nokia dagegen hat mit seiner Allianz mit Microsoft alles auf eine Karte gesetzt – und musste gestern doch eingestehen, dass das Lumia, das seit dieser Woche auch in Deutschland erhältlich ist, bisher alles andere als ein Erfolg ist. 
"Nokia ist wie RIM im totalen Zusammenbruch begriffen"
Eine Milliarde Euro hat Nokia im ersten Quartal verbrannt – eine weitere Milliarde verschlingen nun die immensen Stellenstreichungen von 10.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2013. Verbrennt Nokia in dem Tempo weiter Geld, sind die Barmittel bis dahin ebenfalls erschöpft.  
Noch sieben Quartale bleiben Nokia angesichts der jüngsten Verluste. "Nokias nächstes Problem: Es könnte pleite gehen", startet der Business Insider bereits einen Abgesang. Analysten sind entsprechend bereits alarmiert: "Nokia ist wie RIM im totalen Zusammenbruch begriffen und wird sich nie wieder erholen", glaubt der Hedgefondsmanger Whitney Tilson.
Der Niedergang Nokias unterstreicht einmal mehr die These der kreativen Zerstörung in der Wirtschaftswelt. Den heutigen Platzhirschen Apple, Google und Samsung sollte das eine Lehre sein  – wohl kaum ein Sektor in der Technologiebranche ändert sich schneller als die schnelllebige Mobilfunktmarkt.

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