Facebook-Aktie: Die Stunde der Antizykliker

Der erste Börsenmonat neigt sich für die Facebook-Aktie dem Ende entgegen – und die Bilanz des meisterwarteten Debütanten des Jahres fällt weiter desaströs aus. Mehr als 28 Prozent liegt das Social Network unter Ausgabekurs – selten hat ein hoch bewerteter Neuling schlechter abgeschnitten. Doch gerade deshalb weckt die FB-Aktie bei erfahrenen Investoren nun Interesse. Ihr Argument: Wenn sich alle Welt einer Sache zu sicher ist, passiert meist das Gegenteil – Antizykliker wittern ihre Chance.

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Der erste Börsenmonat neigt sich für die Facebook-Aktie dem Ende entgegen – und die Bilanz des meisterwarteten Debütanten des Jahres fällt weiter desaströs aus. Mehr als 28 Prozent liegt das Social Network unter Ausgabekurs – selten hat ein hoch bewerteter Neuling schlechter abgeschnitten. Doch gerade deshalb weckt die FB-Aktie bei erfahrenen Investoren nun Interesse. Ihr Argument: Wenn sich alle Welt einer Sache zu sicher ist, passiert meist das Gegenteil – Antizykliker wittern ihre Chance. 
Wenn Facebook-Aktionäre nach drei Wochen der Demütigungen mit horrenden Kursverlusten von in der Spitze 33 Prozent zum Ausgabekurs einen Silberstreif am Horizont  gesucht haben, so wurde er in dieser Handelswoche sichtbar. Nicht strahlend leuchtend, eher sehr bedeckt hinter vielen Wolken am Börsenhimmel.  
In nackten Zahlen sieht das so aus: Am schwachen gestrigen Handelstag, an dem die Technologiebörse Nasdaq 0,86 Prozent verlor, büßten die Anteilsscheine von Facebook nur 0,47 Prozent ein. Oder tags zuvor: Facebook legt 1,47 Prozent zu, die Nasdaq aber nur 1,19 Prozent. Oder vergangenen Freitag: Die FB-Aktie gewinnt satte drei Prozent an einem Handelstag. 
Zusammenaddiert lässt sich daraus sogar eine kleine Erfolgsgeschichte konstruieren: Seit den bisherigen Allzeittiefs in der vergangenen Woche haben die Papiere des weltgrößten Social Networks immerhin um sieben Prozent an Wert gewonnen. Ist das nun die Trendwende?
"Niemand will die Facebook-Aktie aktuell kaufen"
Darauf setzen gleich mehrere renommierte Vermögensverwalter, die die Facebook-Aktie in den vergangenen Tagen neu ins Depot aufgenommen haben. Ihr Kaufargument ist ein Börsenklassiker, den die Investorenlegende Warren Buffet einst so formulierte: "Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind."
Dieser Moment scheint in der öffentlichen Wahrnehmung zumindest gekommen zu sein: Selten wurde an der Börse über ein Unternehmen so viel Häme ausgeschüttet und Abgesänge angestimmt wie über den furios verpatzten Börsenstart des extrem ambitioniert bewerteten Social Networks. 
"Ich kenne niemanden, der Facebook aktuell kaufen will", erklärt der Hedgefondsmanager Cody Willard, der deshalb das tut – und dafür nach eigenen Angaben 90 Prozent negatives bis beleidigendes Feedback in seiner Mailbox vorfindet. "Keiner hat aktuell Vertrauen in die Aktie. Ich würde aber darauf wetten, dass das Vertrauen wiederkommt, wenn der Kurs steigt. Dann wäre es aber eher Zeit zu verkaufen: Günstig kaufen, teuer verkaufen", rezitiert Willards Buffetts Credo.
"Eines der besten Chance-Risiko-Verhältnisse seit langer Zeit"
Tatsächlich findet Willard Facebook aktuell "günstig" bewertet: "Facebook ist aktuell eines der besten Chance-Risiko-Verhältnisse seit langer Zeit", legt sich der Hedgefondsmanager fest, der schon Apple 2003 bei Kursen von 7 Dollar einsammelte. "Die Aktie ist ein klarer Kauf".
Das findet auch Kriss Tuttle, Portfolio-Manager des Soundview TechFunds: "Wir haben uns Facebook vor dem Börsengang sehr genau angeschaut und gehofft, die Aktie würde fallen. Das ist sie, und wir haben unsere erste Position eröffnet", erklärt Tuttle. "In der Nähe des gegenwärtigen Kursniveaus wollen wir weiter zukaufen."
 
Warum? Der Soundview-Manager hält das Social Network weiter für bestens positioniert: "Facebook stellt den Filter für 90 Prozent der Internet-Nutzer dar", sieht Tuttle erhebliches Potenzial.
"Die Stimmung hat komplett gedreht"
Keine Frage: Wer Facebook zum Börsengang unbedingt kaufen wollte, hat nun zu Kursen die Möglichkeit, von denen noch vor einem Monat kaum einer zu träumen wagte. Aber ist Facebook damit wirklich attraktiv bewertet wie Tuttle und Willard mutmaßen? Die Frage wird mit den ersten veröffentlichten Quartalszahlen seit dem Börsenlisting im Juli beantwortet. 
Bis dahin bleibt die Psychologie ein maßgeblicher Faktor. "Die Stimmung hat vom manischen Optimismus zu allgegenwärtigem Pessimismus komplett gedreht. Jeder ist von einem Boot aufs andere gesprungen", resümiert der Fondsmanager Erick Jackson. "Der Zeitpunkt für eine kurzfristige Rallye ist nicht schlecht." Die Stunde der Antizykliker – sie scheint gerade zu schlagen. 

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