„Lukrativ, skalierbar und kräftig wachsend“

Publishing Gute Geschäfte mit dem guten Namen: In Zeiten branchenweit bröckelnder Auflagen werden für viele Print-Marken die Zusatzeinnahmen, die sie mit ihren starken Marken erzielen, können immer wichtiger. Nachdem viele Verlage schon eigene Buch- oder DVD-Reihen auf den Markt gebracht hatte, schielt mancher Manager nun auf Zusatzgeschäfte durch Konferenzen. Jüngste Beispiele hierfür sind die FAZ und der Focus. Vorreiter in diesem Bereich aber ist Holtzbrinck mit Zeit und Handelsblatt.

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Am heutigen Mittwoch gab der FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan, bekannt, dass man "neben den Zeitungen und den digitalen Produkten" künftig auch "in das Weiterbildungsgeschäft einzusteigen" wolle. Das passe zur Marke FAZ und verspreche Wachstum in den nächsten Jahren. 

Allerdings gilt auch in diesem Business: Aller Anfang ist schwer. Holtzbrinck startete mit der Zeit das lukrative Zusatzgeschäft bereits vor fast zwölf Jahren auf der Frankfurter Buchmesse, wie sich Zeit-Geschäftsführer Rainer Esser im Gespräch mit MEEDIA erinnert: "Ich hatte für die Buchmesse im Jahr 2000 zum ersten Mal einen großen Stand mit einer großen Bühne gebucht. Davor hatten wir immer nur ein paar Tische gehabt." Seine Intention: „Wir wollten kleine Gesprächsrunden mit bekannten Buchautoren organisieren. Ich dachte mir: Unsere Ressortleiter und Redakteure müssen als Moderatoren auf die Bühne. So können wir zeigen, welch großes Wissen sie haben".

Esser ging also zu dem damaligen Literaturchef Ulrich Greiner und sagte: "Lassen Sie uns bekannte Autoren wie Günter Grass und Martin Walser zu Podiumsgesprächen einladen. Und es wäre wunderbar, wenn Sie diese Gespräche moderieren könnten." Die Begeisterung seines Geschäftsführers teilte Greiner allerdings nicht. Seine Antwort: Esser habe etwas verwechselt. Die Redaktion gucke zu, wie andere auf der Bühne agierten und analysiere dies dann.  

Esser ließ allerdings nicht locker. Am Ende gelang es ihm mit Hilfe des damaligen Chefredakteurs Roger de Weck dann doch noch, ein kleines Programm zusammenstellen. Das Ende der Diskussion aus Essers Sicht: "Ulrich Greiner zählte schnell zu den beliebtesten Moderatoren. Und heute drängen sich die Autoren und Redakteure darum, auf unseren Stand auf der Frankfurter und inzwischen auch der Leipziger Buchmesse dabei zu sein."

Diese Anekdote war der Beginn einer echten Erfolgsgeschichte. "Mittlerweile machen wir über 100 Veranstaltungen pro Jahr“, sagt Esser. Der Themen- und Event-Mix, der unter dem Markendach der Zeit stattfindet ist dabei durchaus beträchtlich. So organisieren der Verlag Martineen mit bekannten Persönlichkeiten,  gesponserte Konferenzen zu Themen wie Sport, Hochschule & Bildung oder Familie & Wirtschaft sowie spezielle Zeit Campus-Events. Bei allen Veranstaltungen ist – nach Möglichkeit – immer mindestens ein Redakteur der Wochenzeitung dabei.

Ein besonderer Magnet sind die Uni-Events, bei denen sich der Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit bekannten Persönlichkeiten in deren ehemaligen Universitäten unterhält. "Bei Günther Jauch oder auch bei Harald Schmidt waren jeweils über 2.000 Studenten da“, erzählt Esser.

Die Hamburger waren allerdings nicht die Ersten, die Events als weiteres wirtschaftliches Standbein für sich entdeckten. Das Handelsblatt macht dies schon seit Jahrzehnten, und auch bei vielen Fachverlagen sind Konferenzen und Seminare ein wichtiger Teil der Kalkulation.

Die Leuchtturm-Veranstaltung der Hamburger ist das Zeit Wirtschaftsforum. Im Hamburger Michel bringt die Zeit seit Jahren Top-Manager mit Journalisten auf ein Podium zusammen und verkauft die Karten für viel Geld. Neben den Einnahmen bringt der Event der Wochenzeitung auch höchste Publizität. So gehörte die letztjährige Rede vom damaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in vielen Medien zu den Top-Storys des Tages.

Bislang organisierte die Zeit diesen Event zusammen mit dem Spezialisten Convent noch unter dem Namen Deutsches Wirtschaftsform. Ab diesen Jahr kümmern sich die Hanseaten zusammen mit dem Agentur-Dienstleiste Lukowski & Heitmann um die Veranstaltungsreihe, für die am 8. November diesmal u. a. der Co-Vorstandsvorsitzender Deutsche Bank, Jürgen Fitschen, Nestlé-Chef Peter Brabeck-Letmathe oder auch Klaus Regling CEO der European Financial Stability Facility zugesagt haben.

Convent koopiert stattdessen nun mit dem Focus. So will die Burda-Marke ab Herbst branchenspezifische Wirtschaftskonferenzen mit "konkretem Nutzwert für Entscheider aus Unternehmen, Verbänden und der Wissenschaft" starten. Zudem ist das Nachrichtenmagazin jetzt Medienpartner des Deutschen Wirtschaftsforums, das Convent jetzt am 7. Dezember in Frankfurt am Main veranstaltet. Die Münchner hoffen mittelfristig auf lukrative Zusatzeinnahmen. Das dies möglich ist, beweist die Zeit.

"Es ist ein schönes Geschäft", erklärt Esser vielsagend. Besonders freut es den Verlagsmanager, dass es "lukrativ und skalierbar ist und zudem auch noch kräftig wächst. "Hier schaffen wir eine zusätzliche Ertragssäule, die das Stammgeschäft unterstützt". Zudem haben die Events noch einen weiteren positiven Effekt. "Wir warten nicht, dass die Leser zu uns kommen, sondern wir gehen zu den Lesern. Wir machen die Inhalte der Zeit und der Magazine erlebbar und stellen einen direkten Kontakt her zu unseren tollen Redakteuren und ihrem großen Wissen."
Das Beispiel Focus zeigt: Es ist nur eine Frage Zeit, bis noch mehr Verlage anfangen, die Zusatzgeschäfte mit Veranstaltungen auszubauen.

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