Zeitungen: Ein Hoch für die Konzentration

Publishing Die Konzentration im Zeitungsmarkt befindet sich auf einem Rekordhoch: 58,8 Prozent aller Zeitungsexemplare, also mehr als die Hälfte der täglich ausgelieferten gedruckten Zeitungen, stammen aus den zehn größten Verlagsgruppen der Republik. 2004 lag dieser Wert noch bei 56,1 Prozent. Mehrere große Regionalblätter wechselten zuletzt ihre Besitzer. Horst Röper, Chef des Formatt-Instituts, konstatiert: "Die Beziehungen zwischen den großen Marktteilnehmern werden immer enger."

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Röpers Institut analysiert alle zwei Jahre, wie sich die Konzentration im Zeitungsmarkt verändert. Der Zeitungswissenschaftler ist einer der größten Kenner der Branche und ein Verfechter der Medienvielfalt. Unübersehbar steht die schleichende Konzentrationszunahme im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation von Verlagen – zumindest in den vergangenen zehn Jahren. Röper in seinem Bericht (der hier bei Media Perspektiven abrufbar ist): "Die wirtschaftliche Basis zur Finanzierung des Zeitungsjournalismus ist in Teilen weggebrochen." Eine Besserung auf dem Werbemarkt scheine ausgeschlossen.

Im Ranking der zehn größten Zeitungsverlage des Landes ist Bewegung: Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, im Jahr 2006 nach verkaufter Auflage noch sechstgrößter Anbieter von Zeitungen, hat sich weitgehend aus dem Zeitungsgeschäft verabschiedet. Verleger Stefan von Holtzbrinck verkaufte die Main-Post und den Südkurier nebst Beteiligungen an den Verlag der Augsburger Allgemeinen. Erst vor wenigen Wochen stieß er auch den Verlag der Saarbrücker Zeitung (nebst Trierischer Volksfreund und Lausitzer Rundschau) ab. Im Gegenzug stieg der familiengeführte Augsburger Verlag auf – und liegt nun auf Rang acht.

Nur noch auf Platz neun liegt der Verlag der Frankfurter Allgemeinen. Der sich nach dem Verkauf der Märkischen Allgemeinen in Potsdam nun wieder völlig auf sein Heimatgebiet im Hessischen konzentriert. Das Brandenburger Blatt ging an die Verlagsgruppe Madsack in Hannover, die ihrerseits um einen Platz kletterte und nun der fünftgrößte deutsche Zeitungsverlag ist. Vor einigen Jahren hatten die Hannoveraner bereits der Axel Springer AG ein Großpaket an Zeitungsbeteiligungen abgekauft.

Springer wiederum verteidigt mit einem Marktanteil von 18,8 Prozent (leicht sinkend) den ersten Rang unter den größten Zeitungsverlagen in Deutschland. Was natürlich vor allem an den Kaufzeitungen Bild und Co. liegt. Der Springer´sche Marktanteil unter den Anbietern von Kaufzeitungen liegt bei 78,6 Prozent. Auf Platz zwei im Gesamtranking liegt wie vor zwei Jahren das Verlagsgruppen-Konglomerat Stuttgarter Zeitung/Rheinpfalz/Südwest Presse, ein Verbund von Südwestdeutscher Medien-Holding (SWMH) und Medien-Union Ludwigshafen. Die WAZ-Gruppe in Essen (Röper: "scheint überwiegend mit sich sebst beschäftigt") verteidigt ihren dritten Platz knapp vor M. DuMont Schauberg – die Kölner müssen ihre Großkäufe Berliner Verlag und Frankfurter Rundschau noch verdauen. Nach dem Verkauf des Oranienburger Generalanzeigers liegt die kleinteilige Verlagsgruppe Ippen nur noch auf Rang sechs.

Wie eng die Bande zwischen Zeitungsverlagen mittlerweile sind, belegt Röper an einem Beispiel, das die Ausgsburger Allgemeine betrifft. Der Verlag teilt sich den Besitz der Allgäuer Zeitung mit dem Verleger Georg Fürst von Waldburg-Zeil. Allgäuer Zeitung wie Ausgburger Allgemeine grenzen an das Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung. An dieser ist der Fürst Waldburg-Zeil beteiligt. Die Schwäbische wiederum konkurriert mit dem Südkurier – der nun zu den Ausgburgern gehört. Ob sich der harte Wettbewerb nun unter den neuen Gesellschaftern fortsetzt, erscheint Röper zumindest "zweifelhaft".

Zugenommen habe die Kooperation zwischen Verlagen beim Austausch von lokaljournalistischen Texten und Fotos – auch über Verlagsgrenzen hinweg. Die originäre Berichterstattung sinke – und damit auch die Angebotsvielfalt. Zudem wüchsen die Akzeptanzprobleme, wenn Abo-Zeitungen nicht mehr viel dicker als Anzeigenblätter daherkämen.

Die Regionalverlage arbeiten daran, dass Fusionen leichter werden. So soll im neuen kartellrecht die Aufgreifschwelle für Zeitungsübernahmen steigen – auf 62,5 Millionen Euro Jahresumsatz. Kleinere Verlage könnten so leichter fusionieren. Großverlage, die kleine Zeitungen übernehmen wollen, müssten trotzdem weiter den Weg über das Kartellamt gehen.

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