„Wundgelegen“: Scholls Anti-Gomez-Spruch

Fernsehen Jedes Fußball-Turnier hat seine Ausrutscher gegen die Political Correctness. Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine wurden bereits mehrere Mini-Skandale produziert. Für Aufregung sorgt gerade ARD-Experte Mehmet Scholl, der über den deutschen Torschützen gegen Portugal, Mario Gomez, sagte, er habe “zwischendrin Angst gehabt, dass er sich wundgelegen hat, dass man ihn wenden muss”. Mit dem Fauxpas ist Scholl nicht alleine. TV-Fußball und Verbal-Entgleisungen gehören zusammen.

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Bereits vor dem ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der aktuellen EM begab sich Deutschlands Co-Trainer Hansi Flick auf extrem dünnes Eis des Nazi-Vergleichs. Vor dem Portugal-Spiel gab Flick bei einer Pressekonferenz die Devise für die Mannschaft aus, bei Freistößen müssten sie den “Stahlhelm aufsetzen und sich groß machen”. Stahlhelm? Bei der deutschen Mannschaft? Ei, ei, ei. Die Sache verlief nochmal glimpflich mit ein paar Schlagzeilen und einer schnell nachgeschobenen Entschuldigung Flicks.

Rutscht so eine Aussage bei der Live-Übertragung eines Spiels heraus, bei der Millionen zuschauen, gibt es deutlich mehr Wirbel. Noch gut in Erinnerung ist der hochgejazzte “Skandal” um ZDF-Kommentatorin Katrin Müller-Hohenstein bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika. Als der lange Zeit glücklose Miroslav Klose endlich ein Tor für Deutschland erzielte, kommentierte sie im Zwiegespräch mit Oliver Kahn, das sei für Klose ein “innerer Reichsparteitag” gewesen. Ein tagelanger Proteststurm und eine öffentliche Ermahnung von ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz waren die Folge.

Unbedachte Nazi-Vergleiche finden im Regelfall das größte Medien-Echo. Aber auch Sprüche, die Behinderte oder Homosexuelle diskriminieren, fallen im Fußball-Zirkus regelmäßig. Scholls Spruch vom “wundgelegenen” Stürmer Gomez ist nur das aktuellste Beispiel. Bei der WM 2010 kommentierte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp bei RTL:"Das sieht aus wie ein notorisches Tourette-Syndrom – ein Zucken und weg war der Ball." Gemeint war ein Abwehrfehler des Mexikaners Ricardo Osorio. Der Spruch fand jedoch kein allzu großes Medienecho. Wahrscheinlich weil es um ein Spiel ohne deutsche Beteiligung ging.

Aber nicht nur die Kommentatoren bekommen oft Probleme wegen ihrer Wortwahl, auch die Trainer. Ebenfalls bei der WM 2010 bezeichnete der slowakische Trainer Vladimir Weiß Journalisten während einer Pressekonferenz als “verf… Schwuchteln”. Der slowakische Fußballverband musste sich entschuldigen. Und José Mourinho, der Trainer von Real Madrid, sagte vor dem Champions-League-Spiel gegen ZSKA Moskau vor laufenden Kameras: „Sagen uns die Schwuchteln nicht, mit welchem Ball wir spielen?“, was für einigen Pressewirbel sorgte.

Mehmet Scholl muss sich also keine Sorgen um seine Wortwahl machen. Solche verbale Entgleisungen gehören zum FußballZirkus im TV offenbar dazu. Und der Spruch mit dem “wundgelegenen” Gomez wird garantiert nicht der letzte sprachliche Ausrutscher dieser EM gewesen sein. Wetten?

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