Facebook-Flop: Start-ups im Schockzustand

Das katastrophale Börsendebüt von Facebook hat Anleger mit Kopfschütteln zurückgelassen: Nach drei Wochen an der Technologiebörse fragen sich Aktionäre angesichts von Verlust von fast 30 Prozent weiter, wie es zu diesem Debakel kommen konnte. Doch Facebook-Aktionäre sind damit längst nicht allein: Die Schockwellen haben nicht nur Besitzer von anderen Social Media-Aktien erreicht, sondern längst den Sekundärmarkt, an dem Bewertung reflexartig purzeln. Was wird nun aus Twitter, Pinterest und Path?

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Das katastrophale Börsendebüt von Facebook hat Anleger mit Kopfschütteln zurückgelassen: Nach drei Wochen an der Technologiebörse fragen sich Aktionäre angesichts von Verlust von fast 30 Prozent weiter, wie es zu diesem Debakel kommen konnte. Doch Anteilseigner von Facebook sind damit nicht allein: Die Schockwellen haben nicht nur Besitzer von anderen Social Media-Aktien erreicht, sondern längst den Sekundärmarkt, an dem Bewertung reflexartig purzeln. Was wird nun aus Twitter, Pinterest und Path?
Darf man es einen Hoffnungsstreif am Horizont nennen? Tatsächlich: Die Facebook-Aktie ist am vergangenen Freitag um exakt drei Prozent gestiegen. Das war erst der dritte positive Handelstag, denen 13 verlustreiche gegenüberstehen. 
In den drei Wochen an der Technologiebörse hat die Facebook-Aktie tatsächlich schon einen weiten Weg zurückgelegt – allerdings den nach unten. Auch nach den Aufschlägen von ganzen 79 Cents auf nunmehr 27,10 Dollar notieren Anteilsscheine von Facebook fast 11 Dollar 29 Prozent unter dem Ausgabekurs, der doch eigentlich üppige Kursgewinne zu versprechen schien. 
Schockwelle erreicht Sekundärmarkt
Am Ende betrifft die Bauchlandung  auf dem rutschigen Börsenparkett aber nicht nur das Social Network selbst. Social Media-Aktien wie Zynga und Groupon gingen synchron ebenfalls in den Sinkflug über – die Börsenneulinge rutschten vergangene Woche im Gleichschritt auf Allzeittiefs ab. 
Doch auch abseits der Technologiebörse Nasdaq sind die Schockwellen zu spüren: Am Sekundärmarkt, an dem Anteilsscheine privat geführter Internet- und Technologieunternehmen gehandelt werden, geht nach dem Facebook-Schock spürbar die Angst um. 
Nach Social Media-Börsenflops: Alternative Übernahme?
So brachen die Papiere von Twitter, die von Marktexperten frühestens 2014 an der Börse gesehen werden, in der vergangenen Woche über 15 Prozent ein. Die Logik, die dahinter steckt, ist so einfach wie nachvollziehbar: Wenn es dem Platzhirsch nicht gut geht, sehen auch die nächstengrößeren Rivalen, die über ein vergleichbares Geschäftsmodell verfügen, nicht gerade attraktiver aus. 
Doch das muss Investoren zunächst einmal nicht berühren – keines des hochgewetteten Start-ups hat schließlich aktuell akuten Kapitalbedarf, der nur an der Börse zu decken wäre. Ergo: Vielleicht muss es am Ende gar nicht das Listing an Nasdaq oder Nyse sein, wie es Facebook jahrelang mit seiner Verweigerungshaltung vorgemacht hat. Die Debakel des weltgrößten Social Networks, von Zyanga oder Groupon, die alle weit unter den Ausgabekursen notieren, dürften zumindest für Start-ups im Silicon Valley alles andere als Vorbildfunktion haben.
Verkauft Twitter nun am Google?
Gerade erst vergangene Woche musste Groupon-Gründer Andrew Mason mitansehen, wie die Anteilsscheine seines Rabattportals unter das Übernahmeangebot von Google von Ende 2010 sanken. Das abschreckende Beispiel könnte Signalwirkung haben: Warum sollten die nächsten Social Media-Kandidaten nicht einfach verkaufen als sich die Launen der Aktienmärkte anzutun?
Dieses Szenario sieht das Blogkonglomerat Business Insider etwa für den Facebook-Rivalen Twitter. Der 140-Zeichen-Dienst wird plötzlich wieder als heißer Übernahmekandidat von Google gehandelt: "Google könnte in den nächsten Monaten zuschlagen", glaubt dass Techportal von Henry Blodget. Google hatte die Chance 2009 schließlich schon einmal verpasst.
Star-Inkubator Paul Graham warnt Start-ups: "Schwerer, an Geld zu kommen"
Und die anderen hochgewetteten Stars der neuen Internet-Generation? Der renommierte Silicon Valley-Inkubator Paul Graham verschickte vergangene Woche an den CEOs mehrerer Start-ups die Warnung, dass wegen des Facebook-Fiaskos "schlechte Zeiten" bevorstünden.  
"Mich beunruhigen zwei Dinge", schrieb Graham (Y Combinator) in seiner Email: "Erstens dürfte es schwerer werden, Geld zur Finanzierung aufzutreiben. Und zweitens stehen Unternehmen, die zuvor zu höher Bewertung finanziert haben, neue Runden zu niedriger Bewertung bevor, was geschäftsschädigend sein kann", so Graham.
Pinterest und Path mit rechtzeitigen Finanzierungsrunden
Das könnte gerade jene jungen Internet-Hoffnungsträger betreffen, die just vor Facebooks Börsengang Finanzierungsrunden durchgeführt haben – wie Pinterest mit 100 Millionen Dollar zu einer 1,5 Milliarden Dollar-Bewertung. Path, das vom früheren Facebook-Manager David Morin gegründet wurde, sicherte sich erst vor einem Monat mit 30 Millionen Dollar ebenfalls einem üppigen Mittelzufluss. 
Dasselbe gilt für Airtime, dem vermeintlich neuen Wunderkind der Napster-Gründer Sean Parker Shawn Fanning, das mit 33 Millionen im Rücken vergangene Woche an den Start ging. 
Sehr selbstbewusst wollte Parker dann auch gar nichts von einer Facebook-Krise wissen: "Ich glaube nicht, dass Facebooks Börsengang kurzfristig irgendwas an der Finanzierungs von Start-ups ändert – dafür gibt es einfach zuviel Wagniskapital im Silicon Valley." Eine Prämisse der Geldanlage lässt Parker dabei allerdings außer Acht: Geld strebt stets nach Vermehrung.

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