Revoluzzerbrief bei Thüringer Allgemeinen

Publishing Bei der Thüringer Allgemeinen, die zum WAZ Konzern gehört, gibt es mal wieder Ärger. Die taz hat einen Brandbrief der Redaktion veröffentlicht, in dem diese sich offen gegen Chefredakteur Paul-Josef Raue stellt. Raues Blattreform sei gescheitert, er sorge für Demotivation, das Betriebsklima sei vergiftet, heißt es in dem von zwei Dritteln der Redaktion unterzeichneten Schreiben. Raue war 2010 von Braunschweig nach Thüringen gekommen als die WAZ den damaligen Chefredakteur Sergej Lochthofen gefeuert hatte.

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Schon damals gärte es in der Redaktion der Thüringer Allgemeinen. Die Demission von Lochthofen sorgte für Ärger in der Redaktion. Lochthofen wurde vielerorts als eine “Stimme des Ostens” wahrgenommen, er galt als streitbarer und meinungsstarker Chef. Innerhalb der WAZ hieß es aber auch, er habe sich einer koordinierten Verlagsstrategie entzogen, was ihn letztlich den Job gekostet haben soll. Weil auch seine Frau, Antje-Maria Lochthofen, als stellvertretende Chefredakteurin gefeuert wurde, sprach Lochthofen gegenüber Spiegel Online von “Sippenhaft wie bei den Nazis” – eine Äußerung, die er später zurücknahm.

Im Zuge des Wirbels um Lochthofens Ablösung schickte die WAZ 2010 Paul-Josef Raue, den bisherigen Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung und ein treuer Konzernmann, nach Thüringen um aufzuräumen. Raue zog eine Blattreform mit neuem Layout durch und veränderte die Arbeitsabläufe der Redaktion. U.a. schaffte er laut Aussagen der Redaktion die tägliche Konferenz ab, was in dem aktuellen Schreiben deutlich kritisiert wird. Die taz zitiert aus dem Schreiben: “Ein organisierter, vertrauensvoller Kontakt zwischen den Redakteuren findet nicht mehr statt. Redaktionskonferenzen, wie sie in allen relevanten Zeitungen zur bewährten Praxis gehören, wurden formlos abgeschafft.“

Die Redakteure sprechen in dem Brief die sinkende Auflage und Abbestellungen auf “dramatischen Niveau” an. Die Unterzeichner werfen Raue außerdem vor, die Redaktion in der Öffentlichkeit schlecht gemacht zu haben. Zitat: “Damit führen Sie allerdings selber Ihre redaktionelle Verantwortung als Chefredakteur ad absurdum.“ Mittlerweile wurde mit Raue offenbar auch über den Brief und die Vorwürfe geredet. Nun sei ein “konstruktiver Gesprächsprozess” in Gang gesetzt worden, heißt es. Das klingt nicht so, als ob das letzte Woche über Krise bei der Thüringer Allgemeinen schon gesprochen wäre.

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