MPS-Verleger Paul Pietsch ist tot

Publishing Paul Pietsch, der Mitgründer und langjährige Verleger der Motor-Presse Stuttgart (MPS), ist tot. Wie der Verlag mitteilte, verstarb Pietsch bereits am 31. Mai in seinem Haus in Karlsruhe. Er wurde 100 Jahre alt. MPS-Chef Volker Breid sagte, der Verlag verliere "eine tatkräftige Unternehmerpersönlichkeit und einen warmherzigen Menschen". Pietsch wurde vor dem Zweiten Weltkrieg als Rennfahrer bekannt und gründete 1946 mit zwei Freunden die Zeitschrift Das Auto, den Vorläufer von auto motor und sport.

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Pietsch, geboren am 20. Juni 1911 in Freiburg im Breisgau, gehört zur Generation der Verleger, die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Chance nutzte, die Medienbranche in Deutschland wieder aufzubauen. Pietsch und seine Kollegen Ernst Troeltsch und Siegfried Hummel erhielten nach "monatelangen, zähen Verhandlungen" eine Zeitschriftenlizenz zur Herausgabe einer Autozeitschrift.
Das Trio, so ist es in der MPS-Zeitschrift Motorrad zum 100. Geburtstag von Pietsch nachzulesen, habe die Nazizeit "politisch unbelastet" überstanden – und bekam schließlich die Lizenz. Das Auto erschien erstmals im Dezember 1946 mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren und einem Umfang von 36 Seiten.
Die Motorpresse gründete Pietsch 1951 gemeinsam mit Karl-Theodor Vogel gegründet, der den damals bereits etablierten Titel Motor und Sport (gegründet 1924) miteinbrachte. Die automobile Leidenschaft der Familien Vogel begann schon sehr früh, unter anderem manifestiert in dem Titel kfz-betrieb, der im vergangenen Jahr sein 100stes Jubiläum feierte. So wurde aus Das Auto der Motorpresse-Klassiker auto motor und sport (hier geht´s zur Unternehmenschronik der MPS).

Aus dem Kleinverlag wuchs in den 70er Jahren die Motor Presse Stuttgart, die heute zu den größten Special-Interest-Verlagen Europas gehört – mit 120 Zeitschriften, die in 21 Ländern publiziert werden. Pietsch, so heißt es in einem Nachruf des Verlags, sei treibende Kraft hinter der Internationalisierung gewesen. Hummel verließ den Verlag bald nach Gründung, Troeltsch verstarb bereits 1956 – Pietsch führte das Verlagshaus also früh alleine weiter. Inzwischen bestand die Motor Presse aus den beiden Verlagsteilen Motor-Presse-Verlag und Vereinigte Motor-Verlage.

1971 war ein wichtiges Jahr für die MPS, denn Gruner + Jahr beteiligte sich mit 15 Prozent an den Vereinigten Motor-Verlagen. 2004 übernahm G+J weitere Anteile der Würzburger Vogel Medien Gruppe (die bereits 1951 eingestiegen war) und hält seither mit 54,9 Prozent die Mehrheit an der gesamten MPS. Pietsch hatte sich bereits 1976 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Sein Verlag erschloss in der Zwischenzeit weitere Segmente und startete Zeitschriften wie Audio, Connect, Kanu, Outdoor und Men´s Health (als Joint Venture mit der Rodale Press).      

Pietsch wird im Nachruf für seinen Weitblick gerühmt, kurzfristige Erfolge sollen seine Sache nicht gewesen sein. Den Grundstein für seinen Erfolg legte Pietsch nicht als Verleger, sondern im Rennsport. In den dreißiger Jahren gehörte der junge Pietsch zu den besten Rennfahrern des Landes. 1939 beendete der Ausbruch des Krieges seine Karriere, ein Unfall in den frühen 50er Jahren zwang Pietsch bei seinem zweiten Anlauf als Rennfahrer zum Aufhören. "Sein Einfluß und sein Vermächtnis wirken nach und prägen bis heute die Motor Presse Stuttgart", sagte Verlagschef Breid in seinem Nachruf.

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