Wut-Welle: „Schufa wird zum Big Brother“

Publishing Spätestens seit dem heutigen Donnerstag dürfte die Schufa ähnlich unbeliebt sein wie die GEZ. Denn durch Recherchen des NDR kam heraus, dass die Schufa mit dem Hasso Plattner Institut (HPI) auslotet, wie man Verbraucherdaten aus dem Internet sammeln und verwerten kann. Ob Datenschützer, Minister, Twitterer: Die Empörung über die Pläne der Kreditprüfer ist das beherrschende Thema. So sagte die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner: "Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“.

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Weiter sagte die CSU-Politikerin über den Schufa-Vorstoß: "Es kann nicht sein, dass soziale Netzwerke systematisch nach sensiblen Daten abgegrast werden, die dann in Bonitätsbewertungen von Kunden einfließen." Dies würde das Recht auf informationelle Selbstbestimmung massiv verletzen. Für die Ministerin besteht die Aufgabe der Schufa einzig in der Prüfung der Kreditwürdigkeit. Dazu müssten die Finanzdaten reichen. "Inhalte und Äußerungen in sozialen Netzwerken dürfen nicht von Auskunfteien missbraucht werden."

Laut Schufa geht es bei dem HPI-Projekt erst einmal um "erste technologische ‚Denkrichtungen‘ in einem rein wissenschaftlichen ‚Ideenraum’". Das alles würde dem legalen Rahmen in Deutschland entsprechen. Trotz solcher Beschwichtigungen macht das Vorhaben vielen Webnutzern Angst. Neben Facebook würden laut den NDR Info vorliegenden Dokumenten auch Daten aus Personensuchmaschinen wie Yasni, Google Street View, Mitarbeiterverzeichnissen von Firmen und Autorenkatalogen gescannt. Auf diese Weise bestünde auch die Möglichkeit, so genannte Multiplikatoren, also etwa Journalisten, gezielt zu identifizieren. Auch für die Adressrecherche könnte die Technik genutzt werden.

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger kritisierte die Schufa. Nach Meinung der FDP-Politikerin dürften Facebook-Freunde nicht entscheiden, ob man einen Handy-Vertrag bekomme oder nicht. Nicht nur die Regierungsparteien sprachen sich gegen die Schnüffelpläne aus. Auch die Oppositionsparteien sind dagegen.

Bereits bei NDR Info hatte sich der schleswig-holsteinische Landesdatenschutzbeauftragte Thilo Weichert zu Wort gemeldet. "Sollte die Schufa die gewonnenen Daten tatsächlich einsetzen, wäre das eine völlig neue Dimension."

Eine weitere Dimension entdeckte der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in den Schufa-Plänen. Via Twitter kommentierte er: "Für das Schufa-Orwell gilt: der Beobachter verändert das Beobachtete. Bald werden Konkurrenten Reputation-Deoptimierer beschäftigen."

Überhaupt sind bei Twitter sind die Schufa-Pläne natürlich das ganz große Thema. So zwitschert Rob Vegas: "Bei der Schufa kann man sich jetzt auch mit Facebook anmelden. Praktisch." Law-Blogger Udo Vetter setzte einen "Schufa-Schleimtweet" ab: "Ich habe soeben meine Einkommenssteuervorauszahlung zum 10.6. pünktlich überwiesen." Böse kommentierte eine Userin namens Paulinepauline: "Das kommt davon, wenn Millionen von Social-Media-Experten predigen, Unternehmen sollten bei Twitter und Facebook zuhören."

Sheng-Fui.de mit einem zehn Statusmeldungen für ein Schufa-optimiertes Facebook-Profil

Die zwei wohl lustigsten Blog-Perlen zum Thema kommen von Lorenz Meyer vom Postilion. Meyer baute sogar ein Schaubild mit "zehn Statusmeldungen für ein Schufa-Optimiertes Facebook-Profil" und der Postilion verfasste die wunderbare Ratgeber-Satire "So wirkt sich Ihr Verhalten bei Facebook & Co. auf Ihren SCHUFA-Score aus. Unter anderen verrät er: „Babyfoto posten: Basisscore -10% je Kind. Yachtfoto posten: Basisscore +10% je Yacht."

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