Facebook feiert Berliner Start-ups

Wenn Start-ups sich treffen, gilt das Prinzip: Alle reden miteinander und alle zugleich. Facebook hatte am Mittwoch abend zu "Apps & Drinks" in das Berliner Soho House eingeladen. Eine "Feier des Ökosystems" Facebook solle das Event sein, sagte Christian Hernandez Gallardo, verantwortlich für den Ausbau internationaler Partnerschaften mit Medienunternehmen, Tech-Companies und Marken. Mit in Berlin dabei waren u.a. Moviepilot, Soundcloud und EyeEm. Facebooks App Center steht vermutlich kurz vor dem Start.

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Wenn Start-ups sich treffen, gilt das Prinzip: Alle reden miteinander und alle zugleich. Facebook hatte am Mittwoch abend zu "Apps & Drinks" in das Berliner Soho House eingeladen. Eine "Feier des Ökosystems" Facebook solle das Event sein, sagte Christian Hernandez Gallardo, verantwortlich für den Ausbau internationaler Partnerschaften mit Medienunternehmen, Tech-Companies und Marken. Mit in Berlin dabei waren u.a. Moviepilot, Soundcloud und EyeEm. Facebooks App Center steht vermutlich kurz vor dem Start.

Eingeladen hatte Facebook neun erfolgreiche Start-ups, vor allem aus Berlin, die den Open Graph von Facebook nutzen. Über die Anwendungen sind die Nutzer mit ihrer Facebook-Chronik verbunden – Aktivitäten innerhalb der Anwendung (Video schauen, Foto posten, Song anhören) werden auf dem Facebook-Profil des Nutzers und darüber wiederum dessen Freunden angezeigt. Facebook verfolgt damit vor allem das Ziel, die zentrale Anlaufstation für Anwendungen zu werden. Nutzer sollen möglichst bei jeder digitalen Tätigkeit mit Facebook – und damit mit ihren virtuellen Freunden – in Verbindung stehen. Das Prinzip "frictionless sharing" verspricht mehr soziale Interaktion und erhöht den Einflussbereich des Social Networks in der digitalen Welt weiter.

Die Inhalteanbieter und –verbreiter, die eine solch tiefe Integration mit Facebook eingehen, versprechen sich vor allem mehr Traffic auf ihren Angeboten, mehr Interaktion der Nutzer und mehr Nutzer überhaupt. Neun Start-ups, vor allem aus Berlin, hatte das US-Unternehmen ins Soho House geladen, um ihre Anwendungen vorzustellen. Darunter bereits sehr erfolgreiche Start-ups wie Soundcloud (über 4,4 Millionen aktive Nutzer derzeit) und Moviepilot, die Facebook bereits sehr intensiv nutzen. Und solche wie Gidsy (ein Event-Planer für Touristen) und Zattoo (Internet-TV-Streaming), die in diesen Tagen ihre Facebook-Integration starten. 

Für Aufsehen hatten vor einigen Monaten Social Reader innerhalb von Facebook gesorgt – Anwendungen u.a. vom Guardian oder dem Wall Street Journal, mittels derer Nutzer innerhalb der Facebook-Plattform Artikel aus dem redaktionellen Angebot lesen können. Freunden eines Nutzers wird unmittelbar angezeigt, wenn ein Nutzer einen Beitrag gelesen hat. Nach anfänglich deutlichem Traffic-Anstieg sanken die Nutzerzahlen offenbar wieder – unklar ist, ob wegen nachlassenden Interesses der Nutzer oder wegen Änderungen durch Facebook selber. In Deutschland hat zunächst von den großen Nachrichtenportalen im Netz nur Stern.de einen Social Reader entwickelt und gestartet.

Auch bei "Facebook Apps & Drinks" bezeichnet niemand eine tiefere Integration von den Start-ups in das Social Network als "Killer-Kooperation". Aber, kaum verwunderlich – alle sind interessiert an einer stärkeren viralen Verbreitung ihrer Inhalte. Während die Macher von Readmill ("Leseerlebnisse teilen") zurückhaltend von einem "interessanten und übersichtlichen Format" sprechen, das ihnen Facebook zur Verfügung stellt, geben sich die Chefs von Moviepilot, die international mehr als vier Millionen Fans auf Facebook vorweisen können, konkreter.

Die Film-Community, die in diesem Sommer ein Büro in Los Angeles eröffnet, will "erste Anlaufstelle im Internet für jedes neue Filmprojekt" werden. Heißt: Nicht nur die Nutzer werden mit Informationen über neue Filme versorgt, auch die Filmindustrie soll etwas von dem Angebot haben. Über das Verhalten von Moviepilot-Fans und App-Nutzer können Rückschlüsse gezogen werden, wie beispielsweise harte Actionstreifen so beworben werden können, dass mehr Frauen solche Filme anschauen. Von den sonstigen Facebook-bekannten Interessen der Frauen, die etwa gelegentlich Actionfilm-Trailer anschauen, lassen sich so Anhaltspunkte finden, wie diese Zielgruppe für einen neuen Film bei Kinostart begeistert werden kann.

Womit das Thema Datenschutz im Raum steht. Nutzer von Facebook-Apps geben mit der Nutzung verschiedenste Informationen über sich preis, nach Zustimmung, aber meist ohne Wahlmöglichkeit. Während der Nutzung müssen sie (wie Nutzer von Anwendungen anderer Plattformen) allerdings möglichst viele Wahlmöglichkeiten bekommen, welche Nutzungsinformationen in der Chronik gepostet werden. Die reine Verbreitung des Konsums eines Videos, Artikels oder Songs kann im Grunde nicht im Sinne der Nutzer sein. Interessant wird es, wenn sie bestimmte Filme, Artikel oder Songs vielleicht mehrfach aufrufen oder starke Emotionen erkennen lassen. Das automatische Posting einer reinen Nutzung wird vermutlich eher dazu führen, dass die offene Anzeige eines "Inhaltekonsums" wieder vom Nutzer ausgeschaltet wird.

In kurzer Zeit wird vermutlich das bereits angekündigte App Center von Facebook an den Start gehen, das Start-ups und Nutzer beiderseits stärker an das Social Network binden soll. Hier könnte via Bezahl-Apps auch ein möglicher Erlösstrom für das nach dem Börsengang wieder in Frage gestellte Geschäftsmodell von Facebook liegen. Eine Aussage über den Start des App Centers gab es am Mittwoch nicht. Die eingeladenen Start-ups – neben den bereits genannten auch Amen, Simfy, Tape.tv – bezeichnete Facebook-Mann Hernandez Gallardo jedenfalls als "Erfolgsgeschichten". Und mit denen schmückt sich ja jeder gern. Berliner Start-ups, lobte der Manager, seien außergewöhnlich gut, das technische Verständnis der Entwickler auf Augenhöhe mit US-Start-ups.    

Im Soho House auch gesichtet: Heiko Hebig, Partnership-Manager für Nordeuropa von Facebook, vormals Burda und Spiegel. Auch er dürfte den Partnern wie sein Chef Hernandez gesagt haben: "Keep on building, keep on hacking." Abgerechnet wird später, die Drinks gingen an diesem Abend aber auf die Facebook-Kreditkarte.

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