Napster-Gründer starten Videochat Airtime

Publishing Napster-Reunion im Facebook-Zeitalter: Sean Parker und Shawn Fanning, die die Musiktauschbörse 1998 gründeten, haben 14 Jahren später wieder als Geschäftspartner zusammengefunden. Unter viel medialem Getöse wurde gestern in New York ihr neues Startup präsentiert – Airtime. Und das nicht ohne Breitseite gegen Facebook: Sean Parker, der 2004 zum ersten Präsident des Social Networks wurde, erklärte die Notwendigkeit seines neuen Videochat-Services, der an Chatroulette erinnert, damit, dass Facebook schlicht zu langweilig sei.

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Es ist eine Hassliebe zwischen Mark Zuckerberg und Sean Parker: Der Napster-Gründer wurde vom Harvard-Abbrecher verehrt, dann als Facebook-Präsident nach Kokainbesitz gefeuert – der Blockbuster "The Social Network" dokumentiert das Auf und Ab der schwierigen Männerfreundschaft Zuckberg/Parker entsprechend hollywoodreif. 
Obwohl Parker als langjähriger Besitzer von sieben Prozent an Facebook vom Börsengang kräftig profitiert hat, scheint der Stachel des unrühmlichen Abgangs tief zu sitzen – das bewies nicht zuletzt eine morgendliche Fehde vor einem Nachtclub und Parkers pompöser PR-Feldzug Ende vergangenen Jahres. 
Chatroulette im Facebook-Zeitalter wiederbelebt
Nun lässt der Mitbegründer von Napster und Plaxo Taten folgen: Airtime heißt sein neues Start-up, das der 31-Jährige mit Weggefährte Shawn Fanning gestern mit viel medialem Bohei aus der Taufe hob. 
Parkers neues Projekt ist ein Videochat-Service, der am Ende doch wieder auf Facebook basiert: Nutzer, die sich kennen, können miteinander chatten. Vor allem aber Nutzer, die sich noch nicht kennen, aber ähnliche Interesse haben, können sich via Airtime kennen lernen. Das Prinzip erinnert damit an einen Webhype von 2010 – Chatroulette.
PR-Getöse: "Airtime ist so toll, das zieht Euch die Hose aus"
"Facebook ermöglicht es nicht, neue Verbindungen herzustellen", erneuert Sean Parker einen alten Vorwurf gegen das Social Network, dem er selbst über ein Jahr angehörte: "Es stellt keine neuen Beziehungen her, es ist nur das präziseste Abbild des Social Graphs. Zum Teil langweilt mich das – es fehlt der Überraschungsmoment." Fanning und Parker, so die Legende, hätten sich als Teenager schließlich auch über das Internet kennengelernt.
Keine Frage: Angesichts des katastrophalen Börsendebüts von Facebooks, das sich gestern mit weiteren Kursverlusten von vier Prozent fortsetzte, ist der Zeitpunkt für eine kleine Revanche Parkers ist günstig. Der "Tech-Playboy" (Gawker) versammelte auf der aufwendigen inszenierten Präsentation u.a. Hollywood-Größen und Popstars Jim Carrey, Ed Helms, Snoop Dogg oder Alicia Keys. 
"Airtime ist so toll, das zieht Euch die Hose aus", ließ Parker den Comedian Jimmy Fallon verkünden. Es scheint, als sei Sean Parkers Facebook-Trauma noch nicht ganz überwunden. Ob der Aktienkurs, der gestern bei unter 26 Dollar auf ein erneutes Allzeittief krachte, dabei eine Rolle spielt, ist nicht überliefert.

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