Der Economist sucht schlaue Hamburger

Marketing Der britische Economist hat es auf schlaue Hamburger abgesehen. Im Juni läuft in der Hansestadt eine großangelegte Marketingkampagne. Claim: "The Economist takes you places". In Deutschland verkauft das Nachrichtenmagazin derzeit 51.463 Exemplare in der Woche. Klassische und digitale Werbeformen sollen diese Zahl möglichst in die Höhe treiben. Denn in Deutschland und Nordeuropa generell leben laut Marktforschung besonders kreative, mehrsprachige und welterfahrene Menschen.

Werbeanzeige

Eine groß angelegte Marktforschung des Magazins soll ergeben haben: Die Menschen in Hamburg, Deutschland und weiteren Ländern wie Schweden, Dänemark, Norwegen und den Niederlanden sind ideale Economist-Leser. Nicht nur schlau, sondern auch "digitally savvy". Was so viel bedeutet wie: in digitalen Dingen ausgebufft. Diese Eigenschaft ist den Briten wichtig. Denn der Economist, eine der ganz wenigen wirklich globalen Medienmarken, ist schon lange keine Printmarke mehr. Mehr als 100.000 digitale Ausgaben werden pro Woche verkauft, vor allem an Besitzer von Tablets. "Die Leser suchen nach digitalen Leseerlebnissen", glaubt Andrew Rashbass, der CEO der Economist Group.

Die neue Markenkampagne mit Fokus auf Hamburg setzt darum neben klassischen Elementen auf digitale Aktionen. Der Verlag spricht von einem "integrated hyper-local approach". Der Economist ruft seit einiger Zeit seine Leser dazu auf, ihre Denkräume ("Thinking Spaces") über eine Website oder App zu markieren. In Hamburg haben Leser beispielsweise den Elbstrand, die Katze Bar im Schanzenviertel und den Park Planten und Blomen als Rückzugsräume angegeben. Ein "Thinking Spaces" E-Book gibt es bereits. Diese Aktion wird nun verstärkt durch verschiedene on- und offline-Werbeformate: City Light-Poster, ein großes Banner im Hauptbahnhof, Werbung auf Treppenstufen, kleine Hängekarten in der U-Bahn, Kioskwerbung. Ein spezielles Paket bietet zwölf Ausgaben und vollen Digitalzugang für zwölf Euro.

Das Budget für die Kampagne liege bei etwa 40 Prozent des jährlichen Marketingbudgets – eine absolute Zahl mag die Economist Group auf Nachfrage nicht nennen. Deutschland ist neben Großbritannien und den USA einer der größten Märkte für die Wochenzeitung, die auf eine Gesamtauflage von ca. 1,5 Millionen gedruckte Exemplare kommt, von denen in Kontinentaleuropa (ohne Großbritannien) etwa 240.000 Ausgaben abgesetzt werden. Da der Economist seine Leser bis in die hintersten Winkel der Erde beliefert, forciert er den Ausbau seiner digitalen Kanäle – um schneller bei den Lesern zu sein und Vertriebs- wie Druckkosten zu sparen. Für wenige andere Medienmarken ergibt der schrittweise Verzicht auf Print so viel Sinn wie für den Economist.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige