Fußball-Blog: Titel, Tore und Tabletten

Publishing Eine saubere Fußball-Europameisterschaft? Die Chancen dafür stehen nicht allzu gut. Daniel Drepper, Pauschalist im Recherche-Ressort der WAZ , hat sich zum Thema Doping im Fußball kundig gemacht und kommt zu dem Schluss: „Ich gehe davon aus, dass mehr gedopt wird, als man denkt.“ Über seine Entdeckungen berichtet er in dem Blog Fussballdoping.de. Und die Recherchen gehen weiter: Wer von Dopingfällen weiß, kann sich melden und Dokumente schicken – auch anonym. Erste Mitteilungen hat Drepper bereits bekommen.

Werbeanzeige

Auch im deutschen Fußball hat es bereits Dopingfälle gegeben – 19 davon sind laut fussballdoping.de bekannt geworden. Darunter sind auch der ehemalige deutsche Nationalspieler Marko Rehmer und der einstige Dortmund-Profi Ibrahim Tanko. Wie viele Spieler wirklich gedopt haben, lässt sich aber wohl nie mehr herausfinden.
Dreppers Blog veranschaulicht die Ergebnisse seiner Recherche mit multimedialem Einsatz. Mithilfe von Infografiken, Audio- und Videodateien wird dem interessierten Nutzer das Thema nähergebracht. Vor knapp einem Jahr hat Drepper angefangen, Informationen zum Thema zu sammeln, ab dem Herbst gab es Twitter- und Facebook-Accounts. Die Seite bearbeitet Drepper für das WAZ-Rechercheblog.
Wer die Informationen auf der Seite liest, kommt zwangsläufig zu dem Schluss, dass im Fußball häufig gedopt wird – nicht nur im Profisport. So kommt u. a. der Buchautor Mischa Kläber zu Wort, der zu berichten weiß, dass sogar schon Spieler von Kreisligisten Aufputschmittel nehmen.
Auch die deutsche Nationalmannschaft steht unter Verdacht. Im Interview kommt der freie Journalist und Historiker Erik Eggers zu dem Schluss, dass ein Großteil des Teams, das 1954 den WM-Titel gewann, sehr wahrscheinlich gedopt war.
In Summe kommen viele Puzzlestücke zusammen, die ein doch ziemlich eindeutiges Gesamtbild ergeben: Doping hat im Fußball eine lange Tradition. Dazu passt, dass nur wenige Sportler über das Thema reden. Drepper zitiert auf seiner Seite den Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello: „ Es ist einfacher, einen geständigen Mafioso zu finden, als einen geständigen Fußballer.“ Eine Omertà wie bei der Mafia? Vielleicht.
Für die EM prognostiziert Drepper „bessere Kontrollen als in der Bundesliga. Doch man muss auch sagen: Im Fußball sind die Kontrollen noch schlechter als im Radsport“.  Also keine guten Aussichten für ein sauberes Turnier.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige