Verschlossene Auster 2012 geht an FIFA

Publishing Passend zur EM drehte sich auch beim Jahrestreffen des Netzwerk Recherche diesmal scheinbar alles um Fußball. Anstatt mit dem Minus des vergangenen Geschäftsjahres beschäftigen sich die Medien am heutigen Montag überwiegend mit den Aussagen des Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß, der auf der Journalisten-Konferenz über den Ex-DFB-Boss Theo Zwanziger herzog. Dabei geriet zudem fast in Vergessenheit, dass der Weltfußball-Verband FIFA die Verschlossene Auster, den Negativ-Preis Netzwerkes, erhielt.

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"Die FIFA hat in den vergangenen Jahren alle Versuche kritischer Journalisten, über Korruption und Ungereimtheiten bei der Postenvergabe zu recherchieren abgeblockt", begründet der Vorsitzende des Netzwerk Recherche, Oliver Schröm, die Preisvergabe. Gerichtsverfahren würden gegen Millionenzahlungen der FIFA eingestellt, gegen eine Offenlegung der entsprechenden Gerichtsbeschlüsse würde sich Blatter weiter mit allen Mitteln wehren. Die jetzt beim FIFA-Kongress in Budapest verkündeten Maßnahmen in Sachen Ethik und Compliance seien nur Kosmetik.

Vom Weltfußball-Verband erschien kein Abgesandter, um die Negativ-Auszeichnung entgegen zu nehmen. Stattdessen schickte der FIFA-Kommunikationsdirektor Walter De Gregorio einen launigen Text. "Ich wäre gerne zur Veranstaltung gekommen, da ich Austern mag, aber ich bin zurzeit in Brasilien. Der Präsident selber verträgt keine Meeresfrüchte, zudem ist seine Agenda proppenvoll. Grundsätzlich glaube ich, dass Sie zu spät sind mit der Auszeichnung. Die Auster hat sich inzwischen geöffnet. Es geht in der Regel eine Weile, bis auch Recherchierjournalisten das merken. Die Austern im Kopf bleiben oft über das Verfalldatum hinaus geschlossen."

Es wäre sicherlich interessant gewesen, wenn sich Uli Hoeneß und De Gregorio in Hamburg getroffen hätten. Denn an FIFA-Boss Blatter und seiner Organisation ließ der Bayern-Präsident kaum ein gutes Haar. Erst sagte der Münchner, dass viele Entscheidungen der FIFA in den vergangenen zehn, fünfzehn Jahren nicht mit "rechten Dingen zugegangen" seien. Zudem sieht er den ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der Mitglied im FIFA-Exekutivkomitee ist, nicht mehr in der Lage, grundlegendes zu ändern. "Er hat nicht mehr den DFB hinter sich, deshalb fehlt ihm die Macht. Ich habe gehört, dass wir von ihm nicht allzu viel erwarten müssen".

Auf die Frage, ob Zwanziger deshalb eine "lame duck" sei, antwortete er: "Für ihn ist es schon ein Problem, lame duck zu übersetzen, weil er kein Englisch kann."

Damit hatte er Zwanziger gehörig eine mitgegeben. Am Sonntag reagierte der ehemalige DFB-Chef gleich via Bild. Er bezeichnete die Aussagen als "primitiv und verletzend". Zudem sagte er: "Uli Hoeneß, den ich bisher sehr geschätzt habe, muss aufpassen, dass er sich mit seinen vielen Sprüchen nicht zu einem Clown entwickelt."

Mit dieser Kontroverse sorgen die Fußball-Funktionäre immerhin dafür, dass die Auszeichnung des Netzwerkes mal wieder in aller Munde ist. Bei so viel PR wird es auch sicherlich einfacher werden, wieder mehr Sponsoren zu finden und somit auch das Finanz-Minus wieder in den Griff zu bekommen.

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