„Schi“ & Giovanni: Denker im Schwafelstorm

Publishing In einem Zeit-Dossier haben FAZ-Mann Frank Schirrmacher, Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo und Katrin Göring-Eckardt über Medien debattiert. Und, ja, es ist sehr, sehr, sehr lang geworden. Die Kachelmann-Anwälte von der Kanzlei Höcker haben gerichtlich durchgesetzt, dass die Bunte eine “intellektuelle Verbreiterin” ist. Cicero-Chef Christoph Schwennicke bewundert Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister und bei Apple weiß man, wie man eine richtig gute Pizza backt.

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Die Anwaltskanzlei Höcker hat erneut einen juristischen Erfolg für ihren Mandanten Jörg Kachelmann vermeldet. Die besonders griffige Überschrift lautet diesmal: “BUNTE wegen emotionalisierender Darstellung, redaktionellem Einfluss auf Interview, Befriedigung bloßen Unterhaltungsinteresses und fehlender Distanzierung als ‘intellektuelle Verbreiterin’ von Verbrechensvorwürfen gegen Kachelmann verurteilt.” Aha. Bzw.: Ui. Es geht um ein Interview, dass die Nebenklägerin im Kachelmann-Prozess nach dem Freispruch Bunte gegeben hat. Nun wurde die People-Zeitschrift also verurteilt, eine “intellektuelle Verbreiterin” gewesen zu sein. Das hört man dort wahrscheinlich auch nicht alle Tage.

Apple-Fans aufgepasst! Um dem verstorben Steve Jobs und seinen Produkten zu huldigen, müsst Ihr nicht programmieren können und auch keine Designer mit britischem Akzent sein. Nein, um einen heißen Job bei Apple zu bekommen, reichen Kenntnisse als Pizzabäcker vollkommen aus. Die müssen aber natürlich (Qualitätsanspruch!) absolut spitzenmäßiger Natur sein, wie wir aus dieser Stellenausschreibung lernen. Gesucht wird ein Apple-Pizzabäcker, der mindestens zwei bis vier Jahre Erfahrung an einem “High Volume”-Ofen vorweisen kann. Ganz, ganz wichtig: Apple-Leute essen nur dünne Pizza im neapolitanischen Stil! Und der Pizzateig muss natürlich geworfen werden und mit der Hand bearbeitet können. Auch nach dem Tod vom iGod, kümmert man sich bei Apple offenbar gerne um die Details.

Christoph Schwennicke, der neue Chefredakteur des Salonlöwen-Zentralorgans Cicero ist ein Rock’n’Roller im Herzen. Jedenfalls hat er einen alten Artikel von sich samt Autogramm von Motörhead-”Sänger” Lemmy Kilmister gerahmt und bei Cicero postiert. Dies erfahren wir aus dem Schwennicke-Porträt in der Frankfurter Rundschau. Was Lemmy mit Cicero zu tun hat? Schwennicke in der FR: „Was für mich aus Berliner Politiksicht journalistisch reizvoll wäre: ein Streitgespräch zwischen Joschka Fischer und Lemmy Kilmister. Fischer, der selbsternannte letzte Rock’n Roller der deutschen Politik, und Kilmister, der Gottvater des Rock’n’Roll.“ Da freuen wir uns aber drauf!

Das wäre auch gewiss kurzweiliger als das ebenso lang wie langatmig geratene Zeit-Dossier von vergangener Woche, das seit dieser Woche auch online zu finden ist (hier klicken, aber bitte nach dem Lesen keine gefährlichen Maschinen bedienen!. “Am Medienpranger” heißt das Bollwerk in Textform und ist ein Gespräch zwischen den Groß-Denkern Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, moderiert von der Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Sie reden und reden vor sich hin. Da wird räsoniert, was die FAZ denn wohl gemacht hätte, wenn man ihr das erste grässliche Grass-Gedicht angeboten hätte. Es geht um Hyperbolen, die wegen diesem Echtzeitjournalismus entstehen, gegen den man sich gefälligst imprägnieren müsse (Schirrmacher) und: “Im schlimmsten Fall sind Blog und Zeitung nichts anderes als die Galeerensklaven gigantischer Aggregatoren.” Hilfe! Eine einzige Stelle in diesem endlosen Schwafelstorm war dann aber doch ganz amüsant. Da wird Giovanni di Lorenzo von Frau Göring-Eckardt aufgefordert,  “bitte wenigstens einen positiven Satz über die 68er” zu sagen. Und was fällt dem Zeit-Chef da als einziges Positive zu den 68ern ein: “Ich glaube, dass zumindest mein beruflicher Weg gar nicht denkbar gewesen wäre, wenn es die Generation der 68er nicht gegeben hätte. Bis in die achtziger Jahre hinein hätte es jemand mit meinem Namen vermutlich viel schwerer gehabt, in Deutschland eine Zeitung zu leiten.” Das Haupt-Verdienst der 68er ist es also, dass Giovanni di Lorenzo heute Zeit-Chef ist. Danke, liebe 68er! Da hätten Joschka Fischer und Lemmy doch schon ein erstes Thema.

Schönes Wochenende!

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