SvH: Kein Verleger ist konsequenter

Publishing Mit dem Verkauf des Verlags der Saarbrücker Zeitung befreit sich Stefan von Holtzbrinck endgültig vom ungeliebten Zeitungsgeschäft. Absehbar war das schon lange – und vermutlich hat der Verleger sich noch einen halbwegs passablen Zeitpunkt für den Ausstieg ausgesucht. Aber worauf setzt Holtzbrinck nun? Weniger Abhängigkeit vom Werbemarkt, forcierte Suche nach neuen Geschäftsmodellen - ein kleiner Blick auf das Medien-Reich des Stuttgarter Konzerns zwischen Literatur und Wissenschaft.

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Statt auf vier Säulen steht die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck künftig auf drei wesentlichen Säulen: Buchverlage, Bildung und Wissenschaft und Digitale Geschäftsmodelle. Außer der Beteiligung an der Wochenzeitung Die Zeit gibt es keine nennswerten Publikumsmedien mehr. Der Ausstieg bei den wirtschaftlich durchaus erfolgreichen Regionalzeitungen war ein Abschied mit Ankündigung – und auf Raten. Die "Regionalkette", zu der u.a. auch die Main-Post und der Südkurier gehörten, hat in den vergangenen Jahren die Fantasie des Verlegers nicht mehr beflügelt. Das Geschäftsmodell, sagte von Holtzbrinck in einem Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung sinngemäß, sei als solches zwar überlebensfähig. Als ein Modell für die Zukunft sieht er es allerdings nicht an, wenn Zukunft mit Wachstum gleichgesetzt wird.

Und um Wachstum geht es dem Verleger natürlich. Im Geschäftsbericht 2010 werden als Ziele der Geschäftspolitik "Zukunftsfähigkeit" und "Wachstumschancen" genannt. Mit den hohen "legacy costs" der Verlagsbranche, also vor allem Druck und Vertrieb, will Holtzbrinck zumindest in Tagesmedien nichts mehr zu tun haben. Vor allem geht es ihm darum, die Abhängigkeit vom Werbemarkt zu reduzieren. Denn der ist seit Jahren volatil, also mehr oder weniger kaum berechenbar und weist auch nur "gerine Dynamik" (Geschäftsbericht 2010) auf. Schließlich ist die Digitalisierung der anderen Geschäftsfelder nach Meinung des Verlegers leichter und profitabler möglich als im Geschäft mit Tagesmedien.

So haben die Holtzbrinck´schen Buchverlage zuletzt erfreuliche Ergebnisse erzielt. Vor allem von E-Books erwartet Holtzbrinck eine Menge. In den USA entwickelt sich das Geschäft mit digiatlen Büchern wesentlich schneller als in Europa, da kommt es dem Konzern zugute, dass er über eine Reihe von amerikanischen Verlagsbeteiligungen verfügt. Zum Portfolio gehören u.a. S. Fischer, Rowohlt, KiWi, Pan Macmillan, Henry Holt und Picador. Der Anteil am Gesamtumsatz von 2,25 Milliarden Euro lag 2010 bei 684 Millionen Euro.

Stefan von Holtzbrincks Lieblingssparte ist vermutlich Bildung und Wissenschaft. Ihm gehören u.a. die Verlage Nature, Scientific American und Spektrum der Wissenschaft. Die Rensiten im Wissenschaftsbetrieb sind um ein vielfaches höher als bei Publikumsmedien. "Robust und teilweise antizyklisch" sei das Business, das auch in diesem Fall sehr international ausgerichtet ist, urteilte der Geschäftsbericht. Anteil am Gesamtumsatz 2010: 827,5 Millionen Euro. Auch hier liegt ein großes Potenzial im verkauf von E-Books.

Zwar wird Holtzbrinck mit Nachdruck der überflüssige Kauf der VZ-Netzwerke (u.a. StudiVZ) angelastet. Doch die im vergangenen jahr neu aufgestellte Holtzbrinck Digital bietet eine ganze Reihe weiterer Beteiligungen, die mehr Zukunftschancen haben dürften als die VZ-Netzwerke. Zu den strategischen Digitalfirmen im Holtzbrinck-Reich gehören u.a. allesklar.de, buecher.de, gutefrage.net und Parship. Letztere gilt als Verkaufskandidat. Vielversprechende Start-ups sind u.a. Epubli, Netdoktor und Tutoria. Eine Reihe von Beteiligungen hält Holtzbrinck an Firmen, die bspw. Services in der Online-Vermarktung anbieten. Und über die Holtzbrinck Ventures hält man Beteiligungen u.a. an Groupon, Zalando, gameDuell und AdScale.

2010 machte der Umsatz noch 213,7 Millionen Euro aus, allerdings befeuert von einem starken Wachstum über 20 Prozent. In dieser kleinsten, aber strategisch möglicherweise wichtigsten Sparte von Holtzbrinck, liegen die neuen Geschäftsmodelle. Die nicht nur SvH, sondern natürlich auch fast jeder andere Verlag sucht, der aus der klassischen Ecke kommt und sich nun auf die digitale Welt einstellen will. So konsequent wie von Holtzbrinck ist aber kein anderer deutscher Verleger bei der Umstellung seines Geschäftsmodells. 

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