Holtzbrinck verkauft Saarbrücker Zeitung

Publishing Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck verkauft mit der Saarbrücker Zeitung ihre letzte Beteiligung an einer Tageszeitung. Die 52% von Holtzbrinck werden an die Gesellschaft für staatsbürgerliche Bildung Saar (GSB) für eine dreistellige Mio-Summe verkauft. Die GSB gehört mehrheitlich den politischen, parteinahen Stiftungen des Saarlandes. Verleger Stefan von Holtzbrinck begründet den Verkauf damit, dass er sich künftig auf Bildung und Wissenschaft, Literatur sowie digitale Geschäftsmodelle konzentrieren will.

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Zuvor hat sich Stefan von Holtzbrinck bereits von Handelsblatt und Wirtschaftswoche, Tagesspiegel, Südkurier und Main-Post getrennt. An aktuellen Printmedien-Beteiligungen hält die Verlagsgruppe Holtzbrinck nach dem vollzogenen Verkauf der Saarbrücker Zeitung nur noch 50% an der Wochenzeitung Die Zeit. Die anderen 50% hält Alt-Verleger Dieter von Holtzbrinck mit seiner Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH. Er hat von seinem Halbbruder Stefan 2009 auch den Tagesspiegel und das Handelsblatt zurückgenommen.

Die Saarbrücker Zeitung gilt als nach wie vor hoch profitable Zeitung. Mit rund 2.700 Mitarbeitern erwirtschaftet sie rund 330 Mio Euro Umsatz pro Jahr. Stefan von Holtzbrinck selbst bezeichnet die Zeitung in einem Interview zum Verkauf als “eine der solidesten Zeitungsgruppen in Deutschland”. Zur Gruppe gehören auch noch die Zeitungen Trierischer Volksfreund und Lausitzer Rundschau. Vom Saarbrücker-Zeitungs-Chefredakteur Peter Stefan Herbst nach seiner Meinung zur Zukunft der Zeitung gefragt, sagte von Holtzbrinck: “Zeitungen werden nicht nur ein langes Leben haben, sondern in wirklich lebenswerter Verfassung fortbestehen trotz aller Herausforderungen durch das Internet.” Warum er es dann so eilig hat, seine Zeitungen loswerden, darauf kann sich jeder selbst einen Reim machen.

Die GSB hat bereits bisher 26% an der Saarbrücker Zeitung gehalten. Friedel Läpple von der GSB sagte zur Zukunft des GSB-Engagements bei der Saarbrücker Zeitung: “Die Aufgabe der GSB kann aber nicht langfristig in der unternehmerischen und verlegerischen Führung der Saarbrücker Zeitung liegen. Wir streben an, nach dem Ausscheiden der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck einen neuen Gesellschafter zu finden, der die Rolle der Verlagsgruppe übernehmen kann.” Reine Finanzinvestoren als Gesellschafter schließt die GSB dabei aber definitiv aus.

Da werden Erinnerungen wach an den Einstieg der SPD-Medienholding DDVG bei der Frankfurter Rundschau. Auch die DDVG hatte die Mehrheit bei der FR übernommen und gleichzeitig erklärt, diese bei Gelegenheit an einen Verlag weiterzugeben, was mit der Mediengruppe M. DuMont Schauberg dann auch geschah. Es gibt aber einen großen Unterschied: Die Frankfurter Rundschau stand wirtschaftlich am Abgrund. Der Einstieg der DDVG war eine Not-Aktion, die das Überleben der Zeitung sicherte. Die Saarbrücker Zeitung dagegen ist ein kerngesundes Unternehmen. Es ist bezeichnend, dass Holtzbrinck für diese Vorzeige-Zeitung “nur” ein staatsnahes Unternehmen als Käufer findet.

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