Wie dapd um Anerkennung ringt

Publishing Schon wieder hat die Nachrichtenagentur dapd eine Studie in Auftrag gegeben, um sich mit Marktführer dpa zu messen. Nach einer Auszählung der Menge an Meldungen (die zugunsten von dapd ausfiel) und einem methodisch völlig missglückten Versuch, die Anzahl von Fehlern der beiden Agenturen auszuzählen, schickt man nun eine Analyse von Goldmedia ins Rennen. Mit dem Ergebnis dürfte der Auftraggeber zufrieden sein - dapd agiere qualitativ "auf Augenhöhe" mit dpa, so Goldmedia-Chef Klaus Goldhammer.

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Die Goldmedia-Studie hat eine Stichprobe von etwa 8.500 Meldungen genommen. Die Anzahl der Meldungen im untersuchten Zeitraum war bei dapd größer, dafür waren die dpa-Meldungen "im Schnitt um 39 Wörter länger" als die des Mitbewerbers. Die Themenverteilung sei ungefähr gleich ausgefallen. Meldungen von dapd seien etwas leichter lesbar und verständlich als die von dpa (gemessen wurde das anhand eines Instruments namens LIX). Dapd habe im Untersuchgszeitraum aus mehr Ländern und mehr Orten berichtet als dpa (Grundlage waren die Ortsmarken). In der Stichwoche habe dpa 74 Korrekturen an ihre Kunden verschickt und dapd 41. Beide Agenturen hielten sich an das Trennungsgebot von Nachricht und Meinung. Dapd führe sich anteilig etwas häufiger selbst als Quelle auf ("nach Informationen von dapd").

Die Studie dient natürlich vor allem dem Zweck, das Angebot von dapd als gleichwertig zu dpa darzustellen. Offenbar gibt es potenzielle Kunden der Agentur, die bei der Qualität weiterhin einen Vorteil bei dpa sehen – sonst wäre eine solche Untersuchung nicht notwendig. Künftig kann der dapd-Vertrieb in Kundengesprächen sagen, die Agentur liege "auf Augenhöhe" mit dpa – und sei außerdem deutlich günstiger.

Tatsächlich ist es äußerst komplex, die Arbeit von Nachrichtenagenturen miteinander zu vergleichen. Ein wichtiges Qualitätskriterium, das in der vorliegenden Untersuchung nicht berücksichtigt wurde, wäre beispielsweise ein Vergleich der Abdrucke bzw. Veröffentlichungen von Meldungen. Denn nur die Zufriedenheit von Kunden kann letztlich das ausschlaggebende Kriterium sein, die Arbeit eines Nachrichtenanbieters zu beurteilen. 

Möglicherweise ist die Auftragsarbeit auch ein Versuch, eine völlig an den Haaren herbeigezogene Untersuchung, die sich irritierenderweise "Studie" nannte, vergessen zu machen. In dieser Gegenüberstellung wurden im Bildblog genannte Fehler der beiden Agenturen zusammengezählt und gegenübergestellt. Eine weder wissenschaftliche noch sonst wie weiterführende Untersuchung war das, die der dapd mehr schadete als half. Nun soll also die Goldmedia-Analyse das – tatsächlich oder nur in der Selbstwahrnehmung der dapd – nicht ganz so glänzende Image der Agentur und ihrer Arbeit aufpolieren. 

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