“Negerpuppen” und vorzeitige Ejakulation

Publishing Was soll denn diese beknackte Überschrift, werden Sie vielleicht denken. Aber dieser Text ist nicht ganz so abgeschmackt sensationsheischend, wie es scheint. In der Tat geht es diesmal im Wochenrückblick um einen Shitstorm-Skandal um Sarah Kuttner und eine “Negerpuppe”, um einen Online-Shop gegen “vorzeitige Ejakulation”, um eine Sauf-App aus dem Hause Burda. Und damit das alles nicht nicht zu ernst wird, basteln wir aus der Urheberrechtsdebatte noch einen Geo-Gaede-Zungenbrecher.

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Haben sie schon was von der “Negerpuppen”-Affäre gehört, bzw. dem “Negerpuppen”-Eklat? Hier die ganz kurze Version (die lange gibt’s bei Spiegel Online): Die Autorin und TV-Moderatorin Sarah Kuttner hielt in Hamburg eine Lesung aus ihrem Buch “Wachstumsschmerzen”. In einer Passage ging es um eine “Negerpuppe”. Ja, eine “Negerpuppe”. Frau Kuttner bezeichnete eine solche Puppe, wie es sie früher einmal gab, als rassistisch. Von Spiegel Online wird sie mit den Worten zitiert: “Ich sagte, dass so eine Puppe heutzutage zu Recht gar nicht mehr hergestellt werden würde." Ein Hamburger mit äthiopischen Wurzeln fühlte sich wegen der “Negerpuppe” aber beleidigt, erstattete Anzeige und behelligte Frau Kuttner noch hinter der Bühne. Danach ging es erst richtig los: Die Hamburger Morgenpost machte eine Geschichte dazu, ebenso der Berliner Kurier und die Welt. Letztere mit der Knaller-Zeile: “‘Minderbemittelte’ Kuttner faselt über ‘Negerpuppe‘“. “Minderbemittelt” deshalb, weil Frau Kuttners früherer Viva-Kollege Mola Adebisi sich nicht zu schade war, sie in der Mopo als “minderbemittelt” und passionierte Rassisten-Witze-Reißerin zu charakterisieren. Man kann sich vorstellen, was daraufhin bei Twitter und Facebook los war: zig tausende Kommentare und “Likes”. Gestern stellte Sarah Kuttner auf ihrer Facebook-Seite klar: “Ich bin kein Rassist. Ich habe mich auf keiner meiner Lesungen rassistisch geäußert, ganz im Gegenteil: ich habe mich über ein rassistisches Spielzeug echauffiert.” Wahrscheinlich ist die Affäre nächstes mal Thema bei “Hart aber fair”. Mola Adebisi dürfte als Gast schon gesetzt sein.

Für alle, die gerne ein wenig tiefer ins Cocktail-Glas blicken, hat Burda jetzt ganz was Feines: DRNK. Eine App, die verrät, wo in Town gerade Happy Hour ist. Das “I” hat man dabei neumodisch verschluckt. Die App für Durstige wird von Burda mit einem Video beworben, in dem ein zwei Hip-Pärchen auf die Jagd nach “Jumbo-Cocktails” gehen. So sieht sie also aus, die schöne, neue Medienwelt: digitale Schlüpferstürmer.

Womit wir endlich beim Thema “Untenrum” angekommen wären. Absolute Breaking News am Freitag bei ots: “Europas wichtigste Informationsquelle über vorzeitige Ejakulation richtet neuen Online-Store ein” Von den vielen, vielen europäischen Info-Quellen über vorzeitige Ejakulation, richtet nun “die wichtigste” also einen Online-Store ein. Und was kann man(n) denn da kaufen, bitteschön? Das “effektivste erhältliche Heilmittel” (Eigenwerbung) gegen vorzeitige Ejakulation natürlich. Und wie heißt das? Jetzt bitte festhalten: PROMEGALONG(TM) Climax Control Programme For Men. Ja. Das “effektivste erhältliche Heilmittel” bei vorzeitiger Ejakulation heißt Pro Mega Long. Hallo, hallo, Herr “führender Psychiater und Goldmedaillengewinner” Dr. Andy Zamar, der sie PROMEGALONG entwickelt haben: Geht es nicht einen Tick subtiler? Nur einen Tick? Nein? Na gut.

Geo-Chef Peter-Matthias Gaede veröffentlichte diese Woche eine Erklärung, in der er den Schutz geistigen Eigentums propagierte. We call it: Urheberrechtsdebatte. Dies animierte einen unbekannten freien Journalisten dazu, eine “Wutgegenrede” zu verfassen. Eine Gegen-Gaede-Rede. Hmm … da könnte man doch glatt einen schönenZungenbrecher daraus basteln. Bittesehr:

Geo-Gaedes Gegner reden Wutgegenreden gegen Geo-Gaedes Wutreden. Gegen Geo-Gaedes Wutreden reden Geo-Gaedes Gegner.

Bitte ganz schnell fünfmal hintereinander fehlerfrei vorm Spiegel üben, schon Sind Sie fit für die nächste Podiumsdiskussion.

Schönes Pfingstwochenende!  

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