Ende einer Marke: WAZ kapert DerWesten

Publishing Im Browser steht zwar noch www.derwesten.de, aber im Logo unübersehbar WAZ. Was WAZ New Media-Chef Erik Peper vor einigen Wochen bereits gegenüber MEEDIA angekündigt hatte, ist jetzt Fakt: Die Dachmarke DerWesten ist im Web-Universum der fünf Zeitungstitel des Konzerns in Nordrhein-Westfalen auf ein kleines Logo zusammengeschrumpft. Nun stehen wieder die einzelnen Zeitungsmarken im Vordergrund. Die Position als "führendes regionales Nachrichtenportal" soll ausgebaut werden.

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Genau genommen ist das Portal DerWesten nur eines der führenden regionalen Nachrichtenportale im Netz, wie die aktuelle AGOF-Auswertung gerade wieder zeigt. Demnach lag DerWesten im Februar mit 2,97 Millionen Unique Visitors hinter den Portalen der Rheinischen Post (3,34 Mio.) und des Hamburger Abendblatts (3,63 Mio.). Das ist vermutlich auch ein Grund, warum insbesondere WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz schon lange darauf gedrängt hat, die Zeitungsmarken im Netz wieder nach vorne zu stellen.

Und so steht im Kopf der Portale von Westdeutscher Allgemeiner Zeitung (WAZ), Westfalenpost (WP), Westfälische Rundschau (WR), Neue Ruhr / Neue Rhein Zeitung (NRZ) und Iserlohner Kreiszeitung (IKZ) nicht mehr "DerWesten". Die Dachmarke war unter der Ägide der ehemaligen Chefredakteurin und Geschäftsführerin von WAZ New Media, Katharina Borchert, eingeführt worden. Die Idee war, eine gemeinsame Marke für die NRW-Zeitungen zu schaffen, um in Kombination der Reichweiten zum führenden regionalen Portal zu wachsen. Inhaltlich wurde der Schritt auch damit begründet, dass die Einzelmarken im Netz nicht stark genug gewesen waren. Zumal es bei allen Unterschiedlichkeiten der verschiedenen Regionen in NRW auch Gemeinsamkeiten gebe.

Das Konzept ging jedoch nur ansatzweise auf – und vor allem WAZ-Chef Reitz nutzte die Chance, seinen im Web geschrumpften Einflussbereich wieder zu vergrößern. Und so betont die WAZ-Gruppe nun, mit der Umstellung auf die Zeitungsmarken im Logo gehe man den nächsten Schritt in einer "Multi-Channel-Strategie". Als Vermarktungseinheit bleibt DerWesten allerdings erhalten – schließlich gilt bei den Anzeigenkunden einzig und allein die Reichweite.

Thomas Kloss, Online-Chefredakteur, sagt: "Starke Marken werden auch im digitalen Geschäft immer wichtiger. Die Leser wollen heute mehr denn je eine Adresse, der sie vertrauen." Daraus ließe sich im Umkehrschluss herauslesen, dass die Leser der Marke DerWesten nicht ausreichend vertraut haben – was auch immer das bedeuten mag.

Aber es geht freilich nicht nur um das Online-Geschäft. Zitat: "Die Tageszeitungen der WAZ Mediengruppe und ihr Online-Portal gehören zusammen. Das soll ab sofort wieder viel deutlicher werden." Die Print-Marken sollen durch die Maßnahme wieder stärker werden. Auch das ist eine Einsicht: Die Markenbildung im Netz hat bei Nachrichtenportalen zunehmend einen Einfluss auf die Printmarke. Eine Dachmarke weiterzuführen, die ohne unmittelbar erkennbare Anbindung an ein Printobjekt funktioniert, war den WAZ-Strategen wohl zu riskant.

Im Oktober 2007, dem letzten Monat mit getrennter Ausweisung der Titel in der IVW, kamen die fünf Websites zusammen auf 2,25 Millionen Visits. Davon entfielen auf die WAZ 48,9 Prozent, die WR 18,1 Prozent, die NRZ 17,6 Prozent, die WP 11,8 Prozent und der IKZ 3,5 Prozent.

Die neue Welt des verzahnten Print- und Onlinejournalismus beschreibt die WAZ so: "Während der Online-Redakteur einen Live-Ticker befüllt, feilt ein Print-Kollege schon an der Analyse, der Lokalredakteur liefert die Reportage vom Ort des Geschehens – und im Videoschnitt werden die Bewegtbilder zum Thema bearbeitet. Den Blick über den Tellerrand bekommen Sie, liebe Leser, dabei inklusive – ohne dabei das vertraute Umfeld Ihrer Zeitungsmarke verlassen zu müssen."

Die neue WAZ-Strategie hat WAZ New Media-Chef Erik Peper bereits vor einigen Wochen im Gespräch mit MEEDIA umrissen. In den kommenden Monaten soll ein Bezahlsystem für die Websites der Mediengruppe getestet werden.

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