App-Analyse: Helferlein als Datenspione

Publishing Diese Untersuchungen könnten erst der Anfang sein: Das Medienmagazin Zapp vom NDR und die Stiftung Warentest haben Apps unter die Lupe genommen - Zapp rund 100 Anwendungen von Medienunternehmen, die Stiftung Wahrentest insgesamt 63 Service-Apps. Beide kamen unabhängig voneinander zu dem Fazit: Viele Apps geben ohne Zustimmung ihrer Nutzer Informationen an Dritte weiter. Sogar ganze Adressbücher werden demnach an Firmen übermittelt, die Daten auswerten.

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Insgesamt bewerteten die Berliner Warentester neun Apps als "sehr kritisch", 28 als "kritisch" und 26 als "unkritisch". Veröffentlicht sind die Ergebnisse in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Test.

In einer Pressemitteilung verraten die Prüfer erste Ergebnisse. So sollen die Applikationen von Clever tanken und das Navigations-Tool von ALK Benutzernamen und Passwörter unverschlüsselt senden. "Wer stets dasselbe Passwort und ein ungesichertes W-Lan-Netz nutzt, gefährdet so Online-Banking und E-Mail-Postfach", heißt es in der Mitteilung. Die Apps Foodspotting, Gowalla, Whatsapp und Yelp sollen dagegen Teile Adressbuchs übertragen – ohne vorab die Zustimmung der Nutzer einzuholen. 
Zudem erkannte die Stiftung Warentest, dass häufig Informationen an Datensammler wie flurry, Localytics und mobclix gehen. Diese Firmen analysieren und verknüpfen die Daten und generieren so Kundenprofile, die auch für individuelle Werbung genutzt werden kann. 

Die ZAPP-Redaktion kam nach einer Analyse durch "unabhängige Experten" zu ähnlichen Ergebnissen, was die unerlaubte Weitergabe durch Anbieter von Medien-Apps angeht. So übermitteln die Radio-Anwendungen von NDR, BR und WDR die Nutzerkennung des Gerätes (UDID) an die Firma Tobit. Die Radio-App des Saarländischen Rundfunks gab zudem Daten an Facebook weiter – diese Praxis wurde nach der Veröffentlichung eingestellt. Die Übermittlung der UDID sei "notwendig", beteuern die anderen Sender. Es würde nur die Gerätekennung übermittelt, keine persönlichkeitsbezogenen Daten.

Privatsender wie RTL würden über ihre Apps ebenso ohne Zustimmung der Nutzer Daten übermitteln, etwa RTL an den Werbevermarkter Doubleclick, der zu Google gehört. Und eine App der Zeit übermittelte neben der UDID auch die Namen der Nutzer an Dritte. Der Verlag habe sich auf Nachfrage nicht zu der Praxis äußern wollen, so der ZAPP-Bericht.

Die Warentester betonen, dass sie nicht "nicht gegen Apps" seien. Allerdings fordern sie ein Umdenken der Anbieter. Jeder Nutzer solle wissen, welche Daten gesammelt und an wen sie gesendet werden. "Eine App sollte den Kunden nicht heimlich ausspähen und Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen sollten anonymisiert werden. Apps sollten nicht ganze Adressbücher abgleichen, sondern nur vom Nutzer ausgewählte Einträge im Adressbuch."
Zufrieden waren die Prüfer mit den Applikationen von YouTube, Wikipedia mobile, Mahjong und der Sportschau. Auch die Mediatheken-Apps von ARD und ZDF sollen "sauber" sein, berichtet ZAPP.

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