Wirbel um Indiskretionen bei Facebook

Der vollkommen verpatzte Börsengang von Facebook könnte ein Nachspiel haben. Indizien mehren sich, dass das weltgrößte Social Network während seiner Roadshow, die dem Börsengang vorausging, offenbar eine verstecke Umsatzwarnung hat durchblicken lassen – und zwar nur gegenüber den Top-Analysten der konsortialführenden Banken. Die Folge: In einer konzertierten Aktion senkten Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan völlig unüblich kurz vor dem IPO plötzlich die Kursziele. Bleibt die Frage: Wer wusste was?

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Der vollkommen verpatzte Börsengang von Facebook könnte ein Nachspiel haben.  Indizien mehren sich, dass das weltgrößte Social Network während seiner Roadshow, die dem Börsengang vorausging, offenbar eine verstecke Umsatzwarnung hat durchblicken lassen – und zwar nur gegenüber den Top-Analysten der konsortialführenden Banken. Die Folge: In einer konzertierten Aktion senkten Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan völlig unüblich kurz vor dem IPO plötzlich die Kursziele. Bleibt die Frage: Wer wusste was? 
Das Debakel geht in die Verlängerung: Den dritten Tag ist Facebook nun an der Börse, den zweiten Tag befindet sich die Aktie unter massivem Verkaufsdruck. Nochmals 9 Prozent wurde der zuvor jahrelang hochgehypte Hoffnungsträger des Internet-Sektors nach unten geprügelt – die Aktie notiert nur noch bei 31 Dollar, mehr als 18 Prozent schwächer als zum Ausgabekurs am Freitag. 
So schwach performte seit fünf Jahren kein Großkonzern mehr, der mehr als eine Milliarde Dollar beim Börsengang erlöst hatte. Die Ursachen sind keine Überraschung: Die Aktie ging maßlos überteuert an den Markt. "Das ist ein Musterbeispiel von Gier", watschte die Investorenlegende Jack Bogle den Facebook-IPO bei CNBC ab. "Alles kommt zusammen: Anlegergier, Gier der begleitenden Banken und Gier des Unternehmens", so das harsche Urteil von Bogle.  
Versteckte Umsatzwarnung nur gegenüber Top-Analysten?
Doch den Börsendebütant und die begleitenden Banken könnte noch mehr verbunden haben als die Gier – nämlich eine heikle Komplizenschaft in Hinblick auf die mögliche zukünftige Geschäftsentwicklung des weltgrößten Social Networks. Seit dem vergangenen Wochenende kursieren die Gerüchte auf dem Technologieportal Business Insider, dass Facebook gegenüber den am Börsengang beteiligten Banken vor einer schwächeren Umsatzentwicklung im laufenden Quartal gewarnt haben könnte. 
Sollte die Vermutung nachgewiesen werden, dürfte Facebook in größeren Schwierigkeiten stecken. Denn wenn es eine Veränderung beim Ausblick auf die laufenden Geschäfte gibt, müssen die öffentlich an alle Markteilnehmer in einer sogenannten Pflichtmitteilung kommuniziert werden. Das ist nicht erfolgt.
Konsortialführer stufen Facebook plötzlich herab
Erfolgt ist vielmehr dieses: In einem der bizarrsten Schritte, die man von Banken in den vergangenen Jahren bei einem Börsenkandidaten gesehen hat, senkten ausgerechnet die drei Konsortialführer Morgan Stanley, Goldman Sachs und JP Morgan ihre Umsatzschätzung für das Social Network unmittelbar vor dem IPO, wie Reuters berichtet – und dürften damit am Ende weitgehend für den Vertrauensverlust gesorgt haben, der die Aktie seit dem IPO belastet. "Ein extrem ungewöhnlicher Schritt“, so Internetanalyst Henry Blodget vom Business Insider. "So was habe ich in 20 Jahren nicht erlebt". 
Was ist da nun genau passiert? Offenbar hat Facebook seinen Börsenprospekt kurz vor dem IPO noch einmal angepasst – und zwar mit einem Passus, dass die Nutzerzahlen stärker als die Umsätze wachsen würden. In anderen Worten: Die Monetarisierung stockt.  Es folgte die konzertierte Herabstufung durch die Banken – offenbar ohne dass die Öffentlichkeit informiert wurde. 
"Die US-Börsenaufsicht SEC muss die Sache untersuchen"
Ob Facebook den Analysten einen gezielten Hinweis gab, wird sich vermutlich niemals aufklären lassen. Reuters berichtet: "Facebook hat während der Roadshow vergangene Woche gegenüber Analysten seinen Ausblick angepasst".  Das könnte Folgen haben: "Wenn es irgendeine Kommunikationen mit den Banken gegeben hat, hängt Facebook mit in der Sache drin", malt Blodget bereits Konsequenzen auf. Institutionelle Anleger hätten auf diesem Weg schließlich einen Wissensvorsprung. 
"Die SEC Börsenaufsicht muss die Sache untersuchen", fordert der Chefredakteur und Gründer des Business Insiders.  Was auch immer dabei herauskommt: Facebooks Börsenstart ist furios verpatzt – und es dürfe nach diesen Gerüchten nicht einfacher werden, das Anlegervertrauen zurückzugewinnen…

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