Wiederholt Facebook das AOL-Desaster?

Das Debakel ist perfekt: Der erste Handelstag war eine Enttäuschung, der zweite ein Schock für Anleger, der dritte eine Bestätigung des harschen Börsenurteils – Facebook-Aktien sind vollkommen überteuert an den Markt gekommen. Seitdem das immer mehr Aktionäre begriffen haben, drückt der pure Fluchtreflex auf den Aktienkurs. "Raus, raus, raus" ist das Motto der Stunde. Erfahrene Anleger haben den Film schon mal gesehen – Anfang dieses Jahrhunderts, als AOL unter größtem medialen Getöse den Medienriesen TimeWarner übernahm – und gnadenlos abstürzte.

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Das Debakel ist perfekt: Der erste Handelstag war eine Enttäuschung, der zweite ein Schock für Anleger, der dritte eine Bestätigung des harschen Börsenurteils – Facebook-Aktien sind vollkommen überteuert an den Markt gekommen. Seitdem das immer mehr Aktionäre begriffen haben, drückt der pure Fluchtreflex auf den Aktienkurs. "Raus, raus, raus" ist das Motto der Stunde. Erfahrene Anleger haben den Film schon mal gesehen – Anfang dieses Jahrhunderts, als AOL unter größtem medialen Getöse den Medienriesen TimeWarner übernahm – und gnadenlos abstürzte.
Verunsicherte Anleger fragen sich: Wiederholt sich das AOL-Szenario? Denn: Man sollte die Börse nicht unterschätzen. "Die Märkte haben nie unrecht. Die Menschen oft", hat die Anlegerlegende Jesse Livermore einst festgestellt. Seit Menschengedenken geht von der Börse eine Faszination aus: der Traum von schnellem Reichtum treibt die Menschen immer wieder an die Aktienmärkte und lässt sie in seltsame Räusche verfallen. 
Die schier endlose Hysterie um Tulpenzwiebeln im 17. Jahrhundert, in der Menschen allen Ernstes Haus und Hof für die schier kostbarsten Tulpenzwiebeln verkauften, ist eine der großen Börsenlegenden. Auch die Internetwirtschaft hat sich mit ihrer spektakulären Millenniumshausse um die Jahrhundertwende einen fragwürdigen Eintrag in die Geschichtsbücher verdient.
Facebook: Minus 18 Prozent in nur drei Tagen
Die bis heute unglaubliche Übernahme des Mediengiganten TimeWarner durch den Internet-Dienstleister AOL steht stellvertretend für die Verrücktheiten der ersten Woche des neuen Jahrtausends. Zwölf Jahre später sah es so aus, als wäre der Hype zurück. Das, was sich vor dem "Börsengang des Jahrhunderts" gepriesenen Wall Street-Debüt Facebooks abspielte, glich zumindest in der medialen Erregung bei der TimeWarner-Übernahme durch AOL. 
Und auch andere Parallelen stechen schon auf den ersten Metern ins Auge: Genauso wenig wie für AOL-Aktionäre hat sich der Deal bisher für Facebook-Aktionäre gelohnt – der Chart zeigt seit den ersten Minuten an der Börse ebenso steil nach unten wie für AOL-Anteilseigner seinerzeit. Von der Erstnotiz bei 42,05 Dollar hat sich die Facebook-Aktie mittlerweile um rasante 11 Dollar entfernt – ein Minus von 26 Prozent binnen nur drei Handelstagen.  Vom kurzzeitigen Top bei 45 Dollar sind es gar 31 Prozent. 
Facebook: Schlechtester Großbörsengang seit fünf Jahren
Aber selbst Zeichner, die das Papier für 38 Dollar ins Depot gebucht bekommen und seitdem nicht angefasst haben, liegen bereits mehr als 18 Prozent hinten. Beim mit 18,4 Milliarden Dollar zweitgrößten Börsengang der USA, dem sechstgrößten aller Zeiten, hätte ein solch rustikaler Kursrutsch eigentlich nicht passieren dürfen. 
Tatsächlich ist es schon jetzt der schlechteste Mega-Börsengang seit fünf Jahren, der mehr als eine Milliarde Dollar in die Kassen gespült hat – der Facebook-Flop wird zum veritablen Facebook-Fiasko, das eine ganze Branche schwer beschädigt. Der Social Media-Sektor befindet sich seit dem Start so unter Druck wie Internetwerte, die Anfang 2000 in den Abwärtsstrudel gezogen wurden, als AOL schwächelte. 
AOL und Facebook: "Superlative statt substanzielle Analysen"
Markiert Facebook nun wie AOL das Ende eines Zyklus? Vermögensverwalter Doug Kass  sieht mittlerweile einige Parallelen: "Damals wie heute überschlugen sich die Superlative – substanzielle Analysen waren in der Begeisterung eher fehl am Platze", so Kass. "AOL und Facebook wurde beide als Tor zum Internet bezeichnet, aber noch bevor die Tinte trocken war, wurden die Probleme des Zusammenschlusses offenkundiger. Das könnte beim Facebook-IPO auch so sein", mahnt die Anlegerlegende, die 2009 exakt die Börsentiefs vorhergesagt hatte.
Kass sieht bei Facebook Probleme "philosophischer, geschäftlicher und finanzieller Art" aufziehen – und vor allem Bewertungsprobleme. "Die Umsätze verlangsamen sich merklich, die Bewertung gegenüber Apple und Google ist hoch", so Kass. Die Folge: "Wenn es schlecht läuft, verschreckt Facebook Anleger fürs Gesamtjahr", malt der Vermögensverwalter ein Negativszenario. Auch das würde der Geschichte folgen: Nach dem AOL-TimeWarner-GAU dauerte es mehr als ein Jahr, bis Anleger Internetaktien wiederentdeckten. 

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