Wie sich die NZZ digital neu erfindet

Publishing Die Neue Zürcher Zeitung ist gerade dabei, sich digital neu zu erfinden. Die Digital-Abteilung um Peter Hogenkamp hat parallel zur bestehenden Website NZZ Online die Beta-Version des neuen Web-Auftritts live geschaltet. Die Marke NZZ Online soll verschwinden, Online- und Print-Redaktion wurde zusammengelegt, es wird schrittweise eine Paywall nach Vorbild der New York Times eingeführt und das E-Paper wird durch ein aufgemotztes “Web Paper” ergänzt. Die NZZ hat digital viel vor.

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Das Endprodukt werde besser, es sei kostengünstiger “früher rauszugehen” und man könne Fehler besser finden und ausmerzen. Mit diesen Argumenten erklärt NZZ-Digital-Chef Peter Hogenkamp in einem Interview mit dem Schweizer Medien-Branchendienst persoenlich.com den ungewöhnlichen Schritt, die noch nicht ganz fertige Beta-Version der neuen NZZ-Website parallel zur bestehenden freizuschalten. Derzeit kann man unter beta.nzz.ch die neue Version begutachten, unter www.nzz.ch ist für einige Zeit noch das alte NZZ Online zu besichtigen.

Oben die alte NZZ Online, unten die neue Website der NZZ als Beta-Version
Die neue Website ist viel klarer und übersichtlicher strukturiert, sie nimmt vor allem mit dem großen Kopf “Look and Feel” der gedruckten Zeitung an. Der Markenauftritt der NZZ soll künftig einheitlich sein, es soll keine Online-Marke parallel gepflegt werden. Optisch folgt die NZZ damit dem Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ihr Web-Layout auch dem Print-Vorbild angepasst hat. Hinter den Kulissen geht die Verschmelzung bei der NZZ aber deutlich weiter als bei den Frankfurtern. Die Mitarbeiter der bisherigen Online-Redaktion wurden in die Print-Redaktion integriert. Print-Chefredakteur Markus Spillmann ist nun auch für die Inhalte des Online-Auftritts verantwortlich.

“Wir wollen eine einzige Marke. Wir publizieren auf jedem Kanal den gleichen hochwertigen Inhalt. Dass auf NZZ Online andere Inhalte zu finden sind als in der Zeitung, wird es künftig nicht mehr geben”, sagt Peter Hogenkamp dazu bei persoenlich.com. Parallel zum E-Paper auf PDF-Basis soll es ein von Hogenkamp so genanntes Web-Paper geben, eine digitale Version der Print-Ausgabe auf Basis von HTML5.

Um das alles zu finanzieren, führt die NZZ online eine Paywall nach dem Vorbild der New York Times ein. Das bedeutet, ab Sommer werden Online-Leser gebeten, sich zu registrieren. Nach den Sommerferien soll dann eine “gestaffelte Bezahlpflicht” eingeführt werden. Das heißt, eine bestimmte Anzahl von Artikel gibt es weiterhin für jedermann gratis zu lesen, wird das Gratis-Kontingent überschritten, wird man zur Kasse gebeten.

“Bei den internationalen Vorbildern sieht man, dass diese vermeintliche Quadratur des Kreises – Paywall und Reichweitenerhöhung zugleich – durchaus möglich ist”, so Hogenkamp bei persoenlich.com. Die neue Digital-Strategie der NZZ wirkt wie aus einem Guss. Nun muss sich zeigen, wie gut sie in der Praxis funktioniert.

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