„GZSZ“: das unverwüstliche TV-Phänomen

Fernsehen 5000 Folgen in 20 Jahren. Das sind Zahlen, die im schnelllebigen Medienbusiness für beeindruckende Konstanz stehen. “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” feiert in dieser Woche Jubiläum. Keine andere Serie hat sich im deutschen Free-TV so lange so gut gehalten. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. Am Mittwoch lädt RTL zur 5000. Episode. MEEDIA blickt auf das Phänomen "GZSZ", bei dem die fiktive Daily-Soap das Zentrum eines Kosmos aus echten Skanadalen und einer aktiven Community ist.

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Mit “Was ist denn?” begann alles. Am 11. Mai 1992 sagte Frank-Thomas Mende in seiner Rolle als Clemens Richter diesen ersten Satz. 20 Jahre und weit über 100.000 Sendeminuten später hat “Gute Zeiten, Schlechte Zeiten” offenbar nichts von seinem Reiz verloren. Die Daily-Soap, von Grundy Ufa nach dem Vorbild der australischen Serie “The restless year” und dem niederländischen Pendant “Goede tijden, slechte tijden” entworfen, hat längst Kultstatus in der treuen Fangemeinde.

Fiktive Story, echte Erfolge und echte Eskapaden
Dafür sorgten in all den Jahren nicht nur knapp 50.000 Komparsen und Paletten von Filmblut und Make-up in zwei Studios auf rund 2000 Quadratmetern mit 30 dekorierten Locations und über 400 Scheinwerfern, sondern auch der ein oder andere Skandal abseits des Filmsets. Denn “GZSZ” machte nicht nur Stars, sondern holte sich nach Karriereende auch auf den Boden der Tatsachen.

Yvonne Catterfeld, Jeanette Biedermann, Andreas Elsholz – sie alle schafften es von der Soap in die Charts. Aber einige konnten mit dem Ruhm nicht umgehen: Olli P. wurde durch die RTL-Soap berühmt. 2011 musst er Insolvenz anmelden. Und auch Skandalnudel Anne Menden schafft es regelmäßig abseits Ihrer Filmrolle in die Klatschspalten.

Es sind diese Vermischungen von fiktiven Charaktern und deren Eskapaden im “echten” Leben , die der Daily Soap immer wieder Auftrieb geben. Dass “GZSZ” für viele Jugendliche mehr als reine Fiktion, sondern auch ein Abbild ihres Lifestyle ist, hat in der Vergangenheit auch die Politik erkannt. Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit hatte bereits eine Rolle. Auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder trat auf. Genauso wie die Entertainer Herbert Feuerstein, Hape Kerkeling oder Thomas Gottschalk.

Seit 20 Jahren gute Quoten
Schließlich war GZSZ vom Start weg ein Quotengarant: Mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre gab es 2011 mit 22,7% bei den 14- bis 49-Jährigen sogar den besten Jahres-Marktanteil seit 2008. 2002 waren es noch 28,6%, 2003 29,3%, 2004 25,4% und 2005 24,2%. Allerdings gab es im bisherigen Jahr 2012 “nur” einen Durchschnitts-Marktanteil von 20,8% – das wäre der schwächste Wert der vergangenen zehn Jahre. Doch auch der liegt deutlich über dem RTL-Normalwert (12-Monats-Durchschnitt: 17,6%). Die meistgesehene Folge hatte 2002 sogar 7,14 Millionen Zuschauer bei einem Marktanteil von 25,2%.
Doch die Marke "GZSZ" funktioniert nicht nur im TV. Schon frühzeitig baute RTL Interactive in Zusammenarbeit mit Grundy eine eigene Community auf, in der Hardcore-Fans nach Lust und Laune diskutieren konnten. Auf Facebook verfügt die Soap mittlerweile über knapp eine Million Fans. Nach Senderaussagen nutzt man die Stimmungslage der Fanbase durchaus als Lackmustest für neue Charaktere und Handlungsstränge.

Alles bleibt anders
Für die Jubliäumsfolge hat RTL jetzt die Künstler Unheilig, Silbermond, Mia und Olly Murs eingeladen. Dann heißt es am Mittwochabend um 19.40 Uhr wieder: “Ich seh in Dein Herz.” Auf der Webseite rührt der Sender schon kräftig die Werbetrommel  – mit einer vermeintlichen Hatz auf Wolfgang Bahro, der als Dauerbösewicht Joachim Gerner seit 1992 Unheil stiftet.

Dabei wissen wir schon jetzt: Alles bleibt anders. Es wird weiter geheiratet, geschieden, intrigiert und betrogen, gelebt und geliebt. Die Crew wird ihren Fans mit dem ein oder anderen Skandal wieder Stoff für Diskussionen liefern. Und so wird auch nach Folge 5000 das Set in Babelsberg pünktlich um 8 Uhr öffnen und bis zum Drehschluss eine weitere Folge produziert haben. Das ist "GZSZ": Ein bisschen Soap, ein bisschen Glamour – gepaart mit unerschütterlicher Konstanz, die auch noch die nächsten 20 Jahre überdauern könnte.

Update vom 23.5.12, 11:06 Uhr: Die Passage zu Frank-Thomas Mende wurde geändert. Er ist mittlerweile aus der Serie ausgestiegen.

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