Neues Tool testet Überschriften-Power

Publishing Die US-Firma Visual Revenue hat eine Analysesoftware entwickelt, mit der die Durchschlagskraft von Online-Überschriften getestet werden kann. Das "Instant Headline Testing" soll die Klickraten auf Websites deutlich erhöhen. Die Empfehlungen, wo und wie lange Artikel online stehen sollen, werden laut Unternehmensangaben in Echtzeit gegeben, auf Basis der Nutzerschaft eines Web-Angebotes. So sinnvoll solche Tools sein können, so sehr drohen sie eine Redaktion auch in die Irre zu führen.

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Laut "Journalism.co.uk"‘>das Bloomberg-Terminal des Newsrooms" an. Soll also vermutlich bedeuten, dass die Analysesoftware den "Markt" der Online-Nachrichten bewertet, bzw. vorhersagt, welche Überschriften eine große Nachfrage haben werden und welche nicht. Redakteure sollen verschiedene Überschriften in das Tool eingeben können – und bekommen eine Prognose geliefert, welche eine bessere Klickrate erzielen wird. 

Ein weiteres Software-Tool der Firma analysiert die Homepage eines Angebots und verspricht, die Anzahl der gelesenen Artikel pro Nutzer von drei auf vier zu steigern. Der "editorial tone" des Angebots, also die Tonalität der Inhalte und die Leseransprache, werde natürlich gewahrt, verspricht ein Werbetext. 

Für Softwarefirmen sind vor allem journalistische Angebote im Netz zu einem beliebten Ziel geworden. Mit allerlei Services und Tools versprechen sie der Zunft, dass sie die Inhalte einer Seite stärker zur Geltung bringen, leichter auffindbar machen und sowieso besser machen können. Kaum eine Nachrichtenwebsite, die über die Jahre nicht ordentlich Geld in SEO und SEM gesteckt hat. Die Abhängigkeit von solchen – manchmal mehr, manchmal weniger nützlichen – Angeboten nimmt stetig zu. 

Nun folgt eine neue Generation von Software-Services, die sich als unverzichtbare Helferlein in den Prozess der Seitenplanung einschalten wollen. Instant-Marktforschung ist das Ziel. Das Versprechen: Redakteure sollen Redakteure bleiben und keine Analysten werden. Denn den Job übernimmt ja die Software. Befinden wir uns auf dem Weg zum freiwillig in die Unmündigkeit emigrierten Redakteurs? Oder sind solche Bedenken haltlos und technikfeindlich?

Es droht die Gefahr, dass es sich mit diesen Werkzeugen wie mit einer  Navigationssoftware für Autos verhält: Erstmal dran gewöhnt, geht am Ende jegliches Gespür dafür verloren, wie man von A nach B gekommen ist und wo um Himmels willen man überhaupt gerade herumgurkt. Also bezogen auf das vorgestellte Überschriftentool: Verlässt sich ein Redakteur darauf, dass in nur wenigen Sekunden eine Klickrate ausgespuckt wird, die einem Entscheidungen abnimmt, dann ist es bis zur vollautomatischen Generierung von Meldungen nicht mehr weit. Und: Bei anhaltender Nutzung werden Prognosen vermutlich immer weniger oft in Zweifel gezogen. 

Immerhin, beteuert die Firma, kann ein Redakteur das Ergebnis des Überschriftenvergleichs auch überstimmen – und dennoch die mit der schwächer prognostizierten Klickrate auswählen. Das nennt man dann wohl den menschlichen Faktor.

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