Social-Media-Goldrausch an der Börse vorbei

Es lief ganz anders als erwartet: Facebook konnte beim vermeintlichen Börsengang des Jahrhunderts eine Blamage nur durch die Schützenhilfe der konsortialführenden Banken gerade noch mal so vermeiden – am Ende wurde an Aktien aufgekauft, was nötig war, um den Ausgabekurs irgendwie zu halten. Doch wie tief die Enttäuschung saß, zeigt der Kurssturz von Social Media-Unternehmen, die in den Monaten zuvor debütiert waren – Zynga, LinkedIn und Groupon wurden durchgereicht. Der Goldrausch ist zu Ende.

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Es lief ganz anders als erwartet: Facebook konnte beim vermeintlichen Börsengang des Jahrhunderts eine Blamage nur durch die Schützenhilfe der konsortialführenden Banken gerade noch mal so vermeiden – am Ende wurde an Aktien aufgekauft, was nötig war, um den Ausgabekurs irgendwie zu halten. Doch wie tief die Enttäuschung saß, zeigt der Kurssturz von Social Media-Unternehmen, die in den Monaten zuvor debütiert waren – Zynga, LinkedIn und Groupon wurden durchgereicht. Der Goldrausch ist zu Ende.   
Ein Kreis schließt sich. Der 19. Mai 2011 war es, als LinkedIn an der Technologiebörse Nasdaq debütierte – und zwar sensationell. Die Aktien wurden zu 45 Dollar ausgegeben, verdoppelten sich aber bereits am ersten Handelstag und schossen in der Spitze gar auf 122 Dollar empor. Es sah nach einem "Netscape-Moment" aus, der eine ganze Branche zu befeuern schien.
Der Social Media-Sektor war heiß – und schien noch heißer zu werden, der Königsbörsengang stand schließlich noch bevor: Facebook, das Super-Netzwerk, würde nach Jahres des Wartens  auch endlich an die Börse gehen. Solange es dauerte, beeilte sich die Social Media-Karawane, möglich selbst schnell am Markt zu debütieren – LinkedIn hatte es ja vorgemacht.
Schnell verglüht: Bis auf LinkedIn sind alle Social Media-Aktien im Minus
Die nächsten Kandidaten waren schnell gefunden: Pandora und Renren, ein chinesisches Gegenstück zu Facebook, legten nach – und bescherten Anlegern ebenfalls Zeichnungsgewinne, ehe der Kurs einbrach. Doch es gab ja noch die beiden Schwergewichte Groupon und Zynga, die Ende vergangenen Jahres an die Nasdaq strebte und Aktionären wieder kurzfristig Gewinne bescherten, ehe die Notierungen implodierten.
Und das taten sie überall bis auf LinkedIn: Gemessen am Ausgabekurs liegen alle Social Media-Debütanten unter Wasser. Wer gar zu den Kurssprüngen des ersten Handelstages kaufte, hatte noch größere Einbüßen zu verkraften. Was aber, wenn das Zugpferd des ganzen Hypes selbst da kaum springt?
Der Ausgabekurs hielt – am Freitag
Das nämlich dürften sich Anleger nach der Erstnotiz von Facebook gefragt haben, die Freitag bei 42,05 Dollar aufleuchtete – ein Plus von 10 Prozent immerhin, doch im Vorfeld waren ganz anderen Dimensionen erwartet worden. Entsprechend schnell traten Anleger dann die Flucht aus Facebook an. Wenige Minuten nach Handelsstart fiel die 40 Dollar-Marke, dann wurde der Ausgabekurs attackiert. 
Doch er hielt magisch wie in einem Harry Potter-Film. Nicht einen Cent tiefer als 38,00 Dollar ging es, weil die konsortialführenden Banken, allen voran Morgan Stanley, ihrem Großkunden die Blamage ersparen wollten, gleich am ersten Handelstag unter Ausgabekurs zu fallen und sofort als Flop dazustehen.
Blutbad bei Social Media-Aktien
Dieses Urteil wurde an anderer Stelle gefällt – und es fiel gnadenlos aus. Die Social Media-Aktien, deren Hype durch den Facebook-Börsengang erst entfacht wurde, schmierten am Freitag gnadenlos ab.
Zynga: Minus 14 Prozent – die Aktie fiel so hart, dass sie kurzfristig vom Handel ausgesetzt werden musste. Groupon: Minus 7 Prozent. LinkedIn: Minus 6 Prozent. Selbst Google, das mit einem KGV von 18 eigentlich als großer Gewinne aus dem maßlos überteuerten Facebook-IPO hervorgehen müsste, brach nach dem schwachen Debüt des Social Networks um fast 4 Prozent ein. Facebook hat den ganzen Internet-Sektor in die Tiefe gezogen. 
Henry Blodget: "Facebook kracht in tiefen 30-Dollar-Kurse"
Dass das acht Jahre Internet-Unternehmen nun selbst mit Kursverlusten dran ist, wird von Börsenexperten in der kommenden Handelswoche erwartet. "Die Aktie wird sehr wahrscheinlich unter 38 Dollar fallen", glaubt Mohannad Aama von Beam Capital. "Morgan Stanely wird die 38 Dollar-Marke zwar weiter verteidigen, aber ihre Reserven sind nicht endlos", so der Analyst gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.
Internetaktienexperte Henry Blodget rechnet bereits mit einem größeren Absturz: "Montag wird es bestimmten einen erneuten Ansturm geben, und die Banken werden abermals versuchen, den Kurs zu verteidigen. Aber wenn der Druck zu groß wird, geben sie auf, und die Aktie bewegt sich auf ihren realen Marktpreis zu", so der frühere Staranalyst von Merrill Lynch. Und das wäre? "Wenn die Banker den Ausgabepreis nicht halten, kracht die Facebook-Aktie in die tiefen 30er", so Blodget. Mal sehen, wo dann die anderen Social Media-Aktien stehen…

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