Presseecho: ‚Robben verballert zweiten Titel‘

Publishing Die Presse sucht nach einer Erklärung für die Niederlage des FC Bayern München gegen den FC Chelsea im Finale der Champions League. Ein Verantwortlicher scheint schnell ausgemacht: die Reizfigur Robben. Er ist der Spieler, “der in gleich zwei Endspielen binnen weniger Wochen in den entscheidenden Momenten gescheitert war”. Auch mit Kritik an der Mannschaft spart man nicht: Es sei das “Drama dahoam” gewesen, man hätte zum “eigenen Begräbnis" geladen. Mitleid zeigt man nur mit Bastian Schweinsteiger.

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Julien Wolff im Hamburger Abendblatt: "Der vorangegangene Abend hat den FC Bayern schockiert – und wird ihn verändern. 4:5 (1:1, 1:1, 0:0) verlor der Klub das Endspiel der Champions League nach Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea. Engländer gewinnen gegen Deutsche im Elfmeterschießen – verkehrte Welt. Das ‚Finale dahoam‘ wurde zum ‚Drama dahoam‘."

Robert Peters für die Rheinische Post: "Die tiefe Niedergeschlagenheit des Bayern-Stars kann nur verstehen, wer erlebt hat, wie die Münchner das Finale über ein Jahr lang aufgeladen haben. Der Termin 19. Mai 2012 war in allen Köpfen, und je näher die Möglichkeit kam, tatsächlich im eigenen Stadion im Endspiel des wichtigsten europäischen Wettbewerbs zu stehen, desto verklärter wurde der Blick auf das Ereignis. ‚Historisch‘ nannten sie es bereits vor dem Anstoß. Und dann ist die Mannschaft so nah dran am Erfolg, der sie für die Vereinschronik unsterblich machen würde – bei Schweinsteigers Elfmeter, nach Thomas Müllers spätem Führungstreffer, bei Arjen Robbens Strafstoß in der Verlängerung."

Bild.de: "Beim alles entscheidenden Elfmeterschießen verzichtete Robben. Noch einmal wollte der Holländer nicht vom Punkt aus antreten. So war er nur Zuschauer, als Olic und Schweinsteiger ihre Elfer nicht verwandelten und die Bayern zum dritten Mal in dieser Saison anderen beim Feiern zusehen mussten. Keine Schale, kein Pokal, keine Champions League. Diese Saison wird Robben wirklich niemals vergessen…"

Kurier.at: "Im schmerzhaftesten Moment seiner Karriere schlug Schweinsteiger auch den tröstenden Arm des Bundespräsidenten aus. Joachim Gauck hatte seine rechte Hand bei der Pokal-Zeremonie ausgestreckt, der abwesende Bayern-Profi schlich mit einem leeren, zu Boden gerichteten Blick daran vorbei.
Kurz zuvor waren alle Träume, Sehnsüchte und nun schon langjährigen Ziele des Münchner Mittelfeldchefs beim letztlich entscheidenden Elfmeter am Innenpfosten zerschellt."

Thomas Gaber für Spox.de: "Trotz der kollektiven Versagensangst waren die Bayern auch im Elfmeterschießen im Vorteil, zum gefühlt zehnten Mal in diesem Spiel. Am Ende aber jubelten 17.500 Chelsea-Fans. Bayern-Präsident Uli Hoeneß sprach das aus, was 62.500 Zuschauer im Stadion und weltweit über 200 Millionen am Fernseher dachten: "Ich habe keine Erklärung, warum wir dieses Spiel verloren haben." 35:12 Torschüsse, 20:1 Ecken, 61 Prozent Ballbesitz. Führungstor in der 83. Minute, Elfmeter in der Verlängerung, 3:1-Führung im Elfmeterschießen. Die Bayern hatten bereits neun Finger am CL-Pokal, ließen sich den Henkelpott aber noch entreißen."

Andreas Werner für merkur-online.de: "Allein, dass es ein Problem gewesen ist, Elfmeterschützen zusammenzubekommen, hat den Oberboss genervt. So etwas passt nicht zum Selbstverständnis der Bayern, wenn sich Spieler nichts zutrauen. So wird also dringend nach Profis mit ‚Bayern-Gen‘ gesucht. Hoeneß: ‚Die Saison war gut – nicht sehr gut.‘ Bedeutet Diskussionsbedarf. Bis in die Morgenstunden."

Maik Rosner für Berliner Zeitung: "Auch Robben muss weiter auf seine Vollendung warten. Wie mit der Nationalmannschaft der Niederlande verpasste er nun auch im Vereinsfußball den ersehnten ersten großen internationalen Titel. Und vielleicht fühlte sich diese Niederlage für ihn noch ein bisschen schlimmer an, weil sie ihn als jenen Spieler zurückließ, der in gleich zwei Endspielen binnen weniger Wochen in den entscheidenden Momenten gescheitert war."

Gunnar Jans für Abendzeitung München: “Es hätte ein Festbankett werden sollen, doch nach der Tragödie im Finale dahoam, dem verlorenen Elfmeterschießen im Champions-League-Finale von München, haben die Bayern zu ihrem eigenen Begräbnis geladen.”

Claudio Catuogno für Sueddeutsche.de: "Nach dem Abpfiff, nach dieser bitteren Niederlage des FC Bayern im Elfmeterschießen, an dessen Ende Schweinsteiger den Ball an den Pfosten getreten hatte, lag er minutenlang auf dem Rasen, fassungslos erst, dann weinend – und es war dann eine große Geste, dass sogar der alte Londoner Stürmer und Elfmeterschießen-Entscheider Didier Drogba Schweinsteiger lange in den Arm nahm, um ihm Trost zuzusprechen. Weil wohl niemand so sehr Trost gebrauchen konnte wie der Nationalspieler mit der Nummer 31. Nach diesem Unglücksabend. Nach dieser Unglückssaison."

Markus Völkner für die taz: “Vizebayern ist ein Titel, mit dem der Klub von der Säbener Straße nur schlecht leben kann. Der FC Bayern will immer Titel gewinnen, viele Titel. Jetzt haben sie schon das zweite Jahr hintereinander nichts gewonnen. Sie sind heuer immer nur Zweiter geworden, in der Meisterschaft, im Pokal, in der Champions League.
       
Das wäre für andere Mannschaften ein hübscher Erfolg, für die Bayern ist es eine kleine Katastrophe, weil Platz Zwei am Selbstverständnis des Klubs kratzt. Seine Mia-san-mia-Mentalität muss er nun (geringfügig) abwandeln und um ein paar Gesten der Demut und des Understatements erweitern.”

Peter Ahrens für Spiegel Online: “Die jetzige Bayern-Mannschaft ist nicht mehr vergleichbar mit dem Team von 1999. Heute wird der FC Bayern von jungen, aufgeschlossenen, modernen Profis repräsentiert. (…) Gut, es gibt da auch noch einen Arjen Robben, den niederländischen Ego-Shooter, er ist fast die einzige Reizfigur, die dem Rekordmeister auf dem Platz noch geblieben ist. Einer, der womöglich gut in die Elf von 1999 gepasst hätte. Robben wird als der Spieler in Erinnerung bleiben, der sowohl die Meisterschaft als auch das Champions-League-Finale durch einen verschossenen Elfmeter vorentschied. Diejenigen, die sagen, Robben versage stets in den entscheidenden Momenten, haben am Samstag jedenfalls wieder viel neue Nahrung bekommen.”

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