Wie der Börsengang Facebook verändert

Über Jahre hinweg schwebte Facebook als Ausnahmeunternehmen wie in einem anderen Orbit über der Internet-Landschaft. Das weltgrößte Social Network schien zum Synonym des Internets zu werden, Gründer Mark Zuckerberg zum Popstar einer ganzen Generation. Immer wieder zeigt der Harvard-Abbrecher mit Kapuzenpulli der Investmentszene die lange Nase – und legt sich doch jetzt mit ihr ins Bett. Mit Folgen: Der Börsengang wird Facebook verändern. Das Netzwerk steigt vom Olymp in die Niederungen des Börsenalltags herab.

Werbeanzeige

Über Jahre hinweg schwebte Facebook als Ausnahmeunternehmen wie in einem anderen Orbit über der Internet-Landschaft. Das weltgrößte Social Network schien zum Synonym des Internets zu werden, Gründer Mark Zuckerberg zum Popstar einer ganzen Generation. Immer wieder zeigt der Harvard-Abbrecher mit Kapuzenpulli der Investmentszene die lange Nase – und legt sich doch jetzt mit ihr ins Bett. Mit Folgen: Der Börsengang wird Facebook verändern. Das Netzwerk steigt vom Olymp in die Niederungen des Börsenalltags herab.

Was ist Mark Zuckerberg für ein cooler Hund! Der frisch gebackene 28-Jährige hat als 19-jähriger Studienbeginner seine muskelbepackten Kommilitonen Vinklevoss‘ alt aussehen und sein eigenes Social Network in ein paar Wochen hochgezogen. "Ich bin CEO, Du Schlampe" hat sich Zuckerberg auf seine ersten Visitenkarten schreiben – und Yahoo zwei Jahre später mit einer Milliarden-Offerte abblitzen lassen.
Sechs weitere Jahre später hat Zuckerberg 100-fach recht behalten. Am morgigen Freitag wird das weltgrößte Social Network für mehr als 100 Milliarden Dollar an der Börse debütieren – und  zum 18-fachen Milliardär machen. Mehr Geld in dem Alter besaß noch nie ein Mensch.  
28-jähriger Superstar: Zuckerberg ist Kult, eine Ikone
Und all das scheinbar im Vorbeigehen: Zuckerberg ist in Adiletten bei Risikokapitalgebern aufgelaufen, er hat den Präsidenten zum Townhall-Meeting im Facebook-Hauptquartier empfangen. Dabei wollte er eigentlich nur eines: Programmieren, um die Welt zu einem besser vernetzten, zu einem offeneren Platz zu machen. 
Keine Frage: Zuckerberg hat mit seinen 28 Jahren mehr erreicht als 99,99 Prozent aller anderen Manager von Großkonzernen jemals in ihrem Leben. Zuckerberg ist Kult, eine Ikone, ein Popstar, vor dem sich Hollywood im Blockbuster The Social Network verneigt hat. Er ist der einzige legitime Steve Jobs-Nachfolger unserer Zeit.
Zuckerberg als legitimer Jobs-Nachfolger?
Doch ausgerechnet die Lebensgeschichte des visionären Apple-Gründers lehrt, wie dicht Aufstieg und Fall beieinander liegen können. In den 80er-Jahren war Jobs das,  was Zuckerberg heute ist: Ein ziemlich selbstbewusster Zwanziger, der sich zum Börsengang von Apple 1984 so wenig um die ungeschriebenen Gesetze der Wall Street scherte wie Zuckerberg, der die Eröffnungsglocke der Wall Street morgen von Palo Alto aus läuten will und allen Ernstes im Kapuzenpulli vor Investmentbankern zur Roadshow aufläuft.
Dummerweise aber legt sich der Harvard-Abbrecher nun mit ihnen ins Bett. Am Ende, das wird auch für Facebook gelten, kann man nie beides haben: Die Coolness des Revoluzzers, der jeden Tag mit seinem Leitmotto "Move fast and break things" startet und die Arriviertheit des Establishments, das Zuckerberg zum Multimilliardär macht.
Abstieg vom Start-up-Olymp in die Niederungen der Conference Calls
Ganz gleich, wie der IPO morgen verläuft, wie die Facebook-Aktie am Montag oder in den kommenden Tagen tendiert – die Ikone Zuckerberg wird vom Olymp der Unangreifbarkeit eines Start-ups in die Niederung des Börsenalltags herabsteigen, in dem sich der CEO, der Zuckerberg sein will, mit nervigen und bohrenden Analystenfragen in Conference Calls herumschlagen muss, selbst wenn ihm Sheryl Sandberg den Rücken in operativen Fragen frei hält.  
Nicht zuletzt wird auch Facebook den Nimbus des viel gehypten Über-Unternehmens einbüßen und den Weg einschlagen, den Google seit dem Börsengang genommen  hat– vom Wunderstart-up zum arrivierten Großkonzern. Mit dem Listing an der Börse hat Zuckerberg einen Pakt mit der Hochfinanz geschlossen, der in beide Richtungen wirkt: Der Hype um das Social Network katapultiert Facebook nach der Bewertung in eine Liga mit American Express, Amazon oder Intel, andererseits ist Facebook nun in der Pflicht, alle drei Monate bei Vorlage der Quartalszahlen liefern zu müssen.  
Alarmsignal: Das smart money verkauft Aktien im großen Stil
Das große Problem scheint damit vorprogrammiert: Facebooks Bewertung ist wie skizziert aberwitzig hoch. Priced for perfection nennen Börsianer das Phänomen. Bei einem KGV jenseits der 100 hat Facebook zunächst einmal viel zu verlieren. Im Umkehrschluss könnte sich das auf die Unternehmenskultur auswirken – nicht ohne Grund versuchte Zuckerberg, den IPO solange es ging, hinauszuzögern, wohl wissend, dass er aus dem Stand eine große Anzahl von Mitarbeitern zu Millionären machen würde. Bekanntlich geht mit dem neu gewonnenen Reichtum ein Stück weit die Motivation verloren.
Das sogenannte smart money – Investoren also, die sich früh für einen Bruchteil des heutigen Firmenwertes in Facebook engagierten – ist dann zum IPO auch verstärkt auf der Verkäuferseite, wie die Ausweitung des Emissionsvolumens durch den Verkauf von Goldman Sachs, Tiger Global, DST oder Peter Thiel zeigt. Enorme 57 Prozent der angebotenen Aktien kommen von Insidern, die Kasse machen wollen.  Ein eher alarmierendes Signal. 
Mahnendes Beispiel Google: Hochs seit 2007 nicht gesehen 
Facebook-Mitarbeiter, die erst nach dem Börsengang zum Unternehmen stoßen und auf schnellen Reichtum durch vermeintlich lukrative Stock Options hoffen, drohen ähnlich frustrierende Warteschleifen wie Googlern in den vergangenen Jahren. Die Google-Aktie hat immer noch nicht die Hochs von 2007 gesehen und ist seit Jahren in einer engen Handelsspanne zwischen 500 und 600 Dollar gefangen.
Bei Facebook könnte die Enttäuschung um ein Vielfaches größer ausfallen, denn das gerade mal acht Jahre alte Internet-Unternehmen debütiert bereits zu einer Bewertung am Markt, als hätte es Kurssprünge von 300 bis 400 Prozent hinter sich. Die haben aber nur die Aktionäre am Sekundärmarkt einstreichen können. Man kennt das ja von Partys: Wer als Letzter kommt, bekommt bestenfalls die Reste.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige