Rundschau schreibt weiter Millionenverluste

Publishing Man nennt es Zweckoptimismus: Die Frankfurter Rundschau will ihre Verluste in diesem Jahr halbieren und nur noch vier Millionen Euro verbrennen. Dies sagte Verlagsgeschäftsführer Karlheinz Kroke gegenüber der FAZ. Kroke hofft auf eine Patronatserklärung der FR-Gesellschafter DuMont und ddvg, die faktisch den Bestand der Zeitung bis Ende 2015 garantieren könnte. Das Anzeigenblatt Äppler, ein Joint Venture vom Verlag der FR und Madsack, wird eingestellt. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind weiter ausgesetzt.

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Der Verlag der Frankfurter Rundschau, das Druck- und Verlagshaus Frankfurt, konnte seine Verluste in den vergangenen Jahren tatsächlich erheblich senken. Im Jahr 2009 waren es laut Bundesanzeiger noch 24,5 Millionen Euro operativer Verlust, 2010 18,3 Millionen. Verlagschef Kroke sagte gegenüber der FAZ, steigende digitale Werbeeinahmen (Website und iPad-Ausgabe) sowie Synergien mit dem Berliner Verlag würden die roten Zahlen näher an die Nulllinie drücken. Aber: Sicher ist die Halbierung der Verluste freilich nicht. Die Annahme Krokes basiert auf dem Verlauf des bisherigen Geschäftsjahres in den ersten vier Monaten.

Noch machen sich in der Bilanz auch hohe Restrukturierungskosten bemerkbar, demnach zahlte der Verlag rund 9,5 Millionen Euro für Abfindungen. Unterm Strich aber bleibt auch in diesem Jahr ein Verlust in Millionenhöhe übrig. Die Gesellschafter M. DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding ddvg halten vermutlich nur noch durch, weil dank radikaler Kostenkur vielleicht in den kommenden Jahren wieder die Gewinnzone erreicht wird. Doch, das ist kein Geheimnis, dürfte vor allem DuMont den Kauf der überregionalen Tageszeitung schon längst bereut haben.

Die Patronatserklärung, auf die Kroke hofft, würde garantieren, dass die Gesellschafter die Erfüllung von Verbindlichkeiten der Frankfurter im Fall des Falles trügen. Indirekt käme eine solche Erklärung einer Zusicherung der Gesellschafter gleich, das Frankfurter Haus nicht in die Insolvenz zu führen. Der Optimismus, den Kroke mit der Verkündung der Verlusthalbierung verbreitet, könnte aber trügerisch sein. Auch vier Millionen Miese sind kein Pappenstil, gespart wird bereits seit Jahren bis zum Anschlag und die wirtschaftlichen Aussichten könnten sich auch in Deutschland wieder verschlechtern.

Von der Einstellung des Äppler, der in einem eigenen Verlag erscheint, sind laut FAZ die "meisten" der 53 Stellen betroffen. Künftig erscheint das Anzeigenblatt Blitz-Tip aus demselben Verlag am Samstag statt am Mittwoch. Gleichzeitig geht der Verlag mit der Frankfurter Societäts-Druckerei (FAZ), die ebenfalls ein Anzeigenblatt herausgibt, über eine Logistiktochter eine Vertriebskooperation ein.
   

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