Gottschalk: „Titanentum nicht gefährdet“

Fernsehen "Ich habe keine Angst, dass mein Titanentum gefährdet ist, weil ich am Vorabend gescheitert bin". Sagt TV-Entertainer Thomas Gottschalk. Der sich auf Nachfrage nicht selber als "Titan" bezeichnen würde. Es reiche ja, wenn es andere täten. Im Gespräch mit Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo plauderte Gottschalk in der Mensa der Humboldt Uni Berlin über seine Zukunft nach dem Ende von "Gottschalk Live" und die Gründe für das Aus. Und erklärte, warum er einfach keine kritischen Interviews führen will.

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Menschen, die zuletzt mit Thomas Gottschalk zusammengearbeitet haben, sagen: Die Absetzung der Vorabendshow "Gottschalk Live" wegen katastrophaler Quoten nage an dem Entertainer. Er habe es mit seiner Sendung noch einmal richtig wissen wollen. Die ARD habe ihm zu schnell den Stecker gezogen und die inhaltlich und quotentechnisch erfolglose Sendung zu voreilig eingestellt. Gottschalk sei enttäuscht.

Wer Gottschalk dann tatsächlich live erlebt, wie rund 500 Studenten bei einem "Zeit Campus Talk" am Mittwoch in Berlin, der könnte zu dem Ergebnis kommen, dass der Moderator auf dem Weg der Verarbeitung seines ARD-Desasters den Großteil schon beschritten hat – noch während seine Sendung im Ersten läuft. Denn im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo wirkte Gottschalk aufgeräumt und ohne Gram und Groll. Es fielen Sätze wie: "Ich war der beliebteste Italiener am Ort und habe dann in der Nebenstrasse einen Sushi-Laden aufgemacht." Aber niemand habe das Sushi essen wollen. Gottschalk: "Es gab keine Bereitschaft der Zuschauer, mir in die Todeszone zu folgen."

Die "Todeszone" ist der bekannt quotenschwache Vorabend in der ARD. Objektiv sei das ja keine schlechte Fernsehzeit, so der neben Günther Jauch wohl bekannteste Showmaster im deutschen TV. Aber: "Diese 30 Minuten habe ich mir schöngeredet." Die Sendung "Gottschalk Live" hätte eine "bunte Wundertüte" werden sollen. Sei sie dann aber nicht geworden. Gottschalk: "Ich hätte bei den Proben schon merken müssen, dass die Sendung nicht das ist, was ich wollte." Gäste wie den Schauspieler Karsten Speck, der nach einer Betrugsaffäre wieder zurück ins TV will, habe man ihm aufgedrängt. Er habe dann ein "nettes" Interview mit Speck geführt, aber: "Das hat keine Sau interessiert."

Denn, sagte Gottschalk über sich: "Mir fehlt die journalistische Neugier und die Chuzpe, Leute etwas zu fragen, was ich selber nicht gern beantworten würde." Seine Fragetechnik sei zu sehr von der Zuneigung zu seinen Gästen geprägt – er nehme in den Fragen die jeweilige Antwort gerne schon vorweg. Die Einbindung sozialer Netzwerke in die Sendung hätte man ihm (und dem Publikum) besser erklären müssen. Im Internet seien zudem "wahnsinnig viele Nörgler und Mauler" unterwegs, deren Sprache "selten leicht und elegant" sei, sondern nur "dumpf". Gerade für diese Aussage gab´s vom Publikum, in dem nicht nur junge Studenten, sondern auch zahlreiche ältere Semester saßen, starken Applaus.

Einer der besten Momente des Interviews: Gottschalk ließ sich von seinem Redaktionsleiter Markus Peichl sein iPhone reichen – um zu beweisen, dass er eins hat. An dem in ein Lederetui gesteckten Handy hing ein schwarzer Telefonhörer in Retro-Optik. "Ist das Dein Ernst?", fragte di Lorenzo. Gottschalk: "Natürlich. Ich hab ja nicht gewusst, dass Du so einen Quatsch fragst". Wobei – die Mehrheit der Fragen stammte von Studenten, die diese vorab an Zeit Campus schicken konnten.

Die letzte Sendung von "Gottschalk live" wird am 7. Juni ausgestrahlt. Die Konzeption der Show vermochte zu keinem Zeitpunkt – auch nicht nach einer Reform auf der Hälfte der Strecke – zu überzeugen. Das lag nicht nur, aber auch an dem Entertainer selbst, der sich oft zu selbstbezogen und gleichzeitig orientierungslos durch die 30 Minuten lavierte. Doch live wie bei dieser Veranstaltung von Zeit Campus ist Gottschalk schlagfertig und unterhaltsam wie kaum einer seiner Kollegen.

Dass der ehemalige "Wetten, dass…?"-Moderator nun nicht nur seine Nischen-Show bis zum bitteren Ende durchzieht, sondern sich freimütig auch vielen unangenehmen Fragen stellt, beweist Größe. Aber Gottschalk nennt den Grund für seine zumindest nach außen überzeugende Gelassenheit selber: Sein Vorabend-Intermezzo wird an seinem Ruf langfristig kaum hängenbleiben. Wohin es ihn jetzt ziehe, sei zwar noch unklar. Aber: "Ich habe nicht den Eindruck, dass ich es jetzt hinter mir habe." Einen Wechsel zum Pay-TV-Anbieter Sky, der bereits Harald Schmidt zu sich lockte, könne er sich dann aber doch nicht vorstellen.

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