Anonymous rechtfertigt Künstler-Outing

Publishing Der Streit zwischen Verlagen, Autoren und der Hacker-Gruppe Anonymous eskaliert. Nachdem Anonymous private Daten von Unterzeichnern der Kampagne “Wir sind die Urheber!” im Web veröffentlicht hatte, wenden sich namhafte Buchverlage gegen die Hacker. Helge Malchow von Kiepenheuer & Witsch sprach in der FAZ von einer “Pogromstimmung gegen Künstler”. Random House kündigte an, Strafanzeige zu stellen. Unterdessen hat Anonymous die Daten gelöscht und rechtfertigt das Vorgehen.

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Auf der Internet-Seite Pastebin.com, auf der auch die Daten von Teilnehmern der “Wir sind die Urheber!”-Kampagne veröffentlicht wurden, äußern sich Anonymous-Mitglieder zu ihrem Vorgehen. Die sollte demnach “keine Bedrohung oder Untergrabung der Meinungsäußerung darstellen”, sondern ein Druckmittel gegen die Kampagne sein. Anonymous betont, dass die veröffentlichten Daten der Künstler alle frei zugänglich im Internet auffindbar gewesen seien. Anonymous habe keinerlei Daten auf illegalem Wege beschafft.

In der Anonymous-Stellungnahme heißt es wörtlich: “Fakt ist bei dieser Geschichte, dass niemand bedroht wird und Anonymous auch niemals dazu aufrufen würde, jemanden zu bedrohen. Vielleicht wirkt es auf den ersten Blick bedrohlich – wenn Daten von Personen veröffentlicht werden, doch diese Daten sind im Netz frei zugänglich und jeder, der nicht gut auf einen der Künstler zu sprechen wäre, könnte ohne Weiteres so oder so an diese Daten kommen, welche veröffentlicht worden sind.”

Als Grund für die umstrittene Veröffentlichung der Daten nennt Anonymous u.a. die Unterstützung der “Wir sind die Urheber!”-Aktivisten für das Anti-Online-Piraterie-Gesetz ACTA. Zitat von Anonymous: “Diese Leute lassen sich mit solchen Kampagnen von der Lobby vor den Karren spannen und merken es noch nicht mal.” Man habe versucht, mit den Verantwortlichen der Kampagne in Kontakt zu treten, sei aber ignoriert worden. Darum habe man zu dem anderen Mittel gegriffen, so Anonymous.

Vertreter von 17 namhaften Verlagen sehen das anders und haben das Vorgehen von Anonymous in einer öffentlichen Erklärung scharf verurteilt. “Die Einschüchterung der Unterzeichner durch die drohende illegale Veröffentlichung ihrer geschützten privaten Daten richtet sich nicht nur gegen das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Sie will Künstler mundtot machen und für vogelfrei erklären”, heißt es in der Erklärung. Unterzeichnet haben u.a. Vertreter der Verlage Kiepenheuer & Witsch, Hanser, Suhrkamp, Rowohlt, Hoffmann und Campe, Fischer, Heyne, Blessing, DuMont, Goldmann, btb und Luchterhand. Von einem „Jargon der Unmenschlichkeit“ ist die Rede,  der sich im Internet schwallartig über Autoren, Künstler, Intellektuelle und Verwerter ergieße. Auch der Deutsche Journalisten Verband empört sich über die Anonymous-Aktion: „Das ist ein Abgrund an Intoleranz“, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken in einer Stellungnahme.

Anonymous hat nach eigenen Angaben mittlerweile die Links zu den veröffentlichen Künstlerdaten aus dem Internet entfernt. Anonymous verweist nun auf die Gegen-Kampagne “Wir sind die Bürgerinnen und Bürger” mit der über die Hintergründe der “Wir sind die Urheber!”-Kampagne aufgeklärt werden soll.

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