„Greifbar bessere Kooperation im Digitalen“

Publishing Seit Februar verantwortet Thomas Hesse bei Bertelsmann das neu geschaffene Vorstandsressort für Unternehmensentwicklung, in dem er das Wachstum des Medienkonzerns vor allem im Digital-Business vorantreiben soll. Nach 100 Tagen im Amt zieht der 46-Jährige, der bereits von 1996 bis 2008 bei Bertelsmann tätig war, jetzt in einem im Intranet des Unternehmens veröffentlichten Interview eine erste Bilanz - und spricht über seine Zeit bei Sony, Erfolgsrezepte und den Umzug von New York nach Gütersloh.

Werbeanzeige

MEEDIA dokumentiert wichtige Passagen des Interviews in Auszügen:
Hesse zur Rolle des Internets in den USA und in Deutschland: "Wenn es ein Thema gibt, das mich überrascht hat, so ist es, wie stark in den USA das Internet im Mainstream, also im Mittelpunkt, der Gesellschaft steht, und wie relativ wenig im Vergleich das aus rein deutscher Perspektive nach wie vor der Fall ist."
Die Erfahrungen im Sony-Management und deren Wert für seine neue Aufgabe: "Sony steht wie Bertelsmann vor der Herausforderung der Digitalisierung der Medien. Hier habe ich bei Sony Music als Verantwortlicher für die weltweite Entwicklung des Digitalgeschäfts wichtige Erfahrungen sammeln können. Die Verankerung in der digitalen Medienwelt in den USA wird mir in meiner neuen Aufgabe genauso von Nutzen sein wie die Perspektive eines japanischen Konzerns, der neben dem Mediengeschäft primär im Hardware-Geschäft tätig ist. Denn das Mediengeschäft ist mehr denn je technologiegetrieben und steht von daher in einer direkten Wechselbeziehung mit der Entwicklung von Hardware- und Software-Plattformen."
Große Wachstumsprojekte des Konzerns: "Wir (schauen) uns gerade zusammen mit der RTL Group sehr intensiv das Fernseh- und Videogeschäft der nächsten Generation an, das veränderte Sehgewohnheiten und dementsprechend auch neue Geschäftsmodelle berücksichtigt. Wir sprechen mit allen Content Divisionen über das Thema von inhaltlich definierten, sogenannten „vertikalen“ Content- und Serviceplattformen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich Business Information, wo sich eine ganze Reihe von eigenen Initiativen ergeben können. Und natürlich haben wir mit BMG und University Ventures zwei greifbare Engagements in den wichtigen Wachstumsplattformen Musikrechte und Education."
Erfolgskriterien: "Ein Mediengeschäft, das Zukunft haben will, muss unserer Meinung nach – wie das Musikrechtegeschäft – auf die digitale Welt eingestellt und übertragbar sein. Ist es zudem skalierbar, wächst das Ergebnis überproportional zum Umsatz, das ist ein altes Erfolgsrezept bei Bertelsmann."
Zur Notwendigkeit einer stärkeren Vernetzung im Konzern: "Unser Ziel ist eine ganz konkrete, greifbar bessere Kooperation im Digitalbereich bei der Entwicklung von Produkten, Services und Plattformen. (…) Wenn Bertelsmann insgesamt deutlich digitaler werden will – und das muss es –, dann braucht dieser Transformationsprozess einen stärkeren Rahmen, mehr Kooperation und Steuerung, mehr Kompetenz sowie schließlich mehr personelle und auch finanzielle Ressourcen. Und genau das auf den Weg zu bringen, ist Teil meines Jobs."
Seine Lerneffekte aus den Erfahrungen im Musikgeschäft: "Die wichtigste Lektion, die wir aus dem Fall der Musikindustrie mitnehmen, ist sicherlich die, dass sich ein Geschäftsmodell den Bedürfnissen und Wünschen der Konsumenten anpassen muss und nicht umgekehrt, auch wenn das manchmal schmerzhaft ist."
Sein Umzug von New York nach Gütersloh und Berlin: "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich New York nicht vermisse. Zumal meine Familie noch dort lebt, weil meine beiden Söhne erst mit Ende des Schuljahres im Sommer in eine Schule nach Deutschland wechseln werden. Aber ich freue mich auf meine neuen Lebensmittelpunkte."

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige