Sloterdijk: Ein Top-Philosoph sieht rot

Publishing Selbst schuld, wer von der MEEDIA-Meldung am Mittwoch überrascht wurde, dass Jörg Quoos bald Uli Baur als Focus-Chef ablöst. Wie Uli Baur am Freitag in der FAZ erzählt, war das alles ja von gaaanz langer Hand vorbereitet gewesen. Jaja. Schon klar ... Und sonst: ProSieben-Chef Jürgen Hörner entdeckt mit Joko & Klaas das Wort “exklusiv” neu, Edel-Philosoph Peter Sloterdijk sieht rot, wenn er das weit offene Hemd vom Kollegen Precht erblickt, und das Twitter-Team der Bahn gibt Stuhlgang-Tipps.

Werbeanzeige

Da hat MEEDIA am Mittwoch als erster gemeldet, dass der bisherige Bild-Vize Jörg Quoos spätestens zum Jahreswechsel neuer Chefredakteur beim Focus werden soll. Vom Verlag gab es dazu nur das dürre Statement: Branchengerüchte, können wir nicht bestätigen. Zwei Tage später gab der Noch-Focus-Chefredakteur Uli Baur der FAZ ein Interview und erklärte, warum der Chefredakteurswechsel schon ganz lange geplant gewesen sei. Der Wechsel sei absolut sein Wunsch. Ja, der Verlag habe ihn sogar 2009 schon, quasi mit Engelszungen, überreden müssen, doch noch bis Ende 2012 weiterzumachen. Über die Auswahl seines Nachfolgers sei er die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten worden. Das Ganze ist eine, sagen wir mal, bemerkenswerte Art der Kommunikation. Naja. Immerhin hat Burda-Vorstand Philipp Welte mit Jörg Quoos nach dem ehemaligen BamS-Vize Robert Schneider schon die zweite Redaktionsführungskraft von der Bild-Gruppe abgeworben. Ob der Wechsel von Quoos aber tatsächlich erst zum Jahreswechsel vollzogen wird? In München ist zu hören, dass intern bereits der 1. Juli als Antrittsdatum für Jörg Quoos gehandelt wird. Nachdem die “lange geplante” Personalie nun in der Welt ist, wäre es ja auch unsinnig, noch so lange zu warten. Und noch was: Zu der massiven Personal-Aufstockung der Berliner Focus-Redaktion auf 30 Leute und die Frage ob der Focus nun ein Berliner Focus wird, sagte Baur im FAZ-Interview: “In München wird weiter das Blatt gemacht.” Um mit Kaiser Franz zu sprechen: Schaun mer mal …

Mit der Kommunikation haben sie es eben manchmal schwer, die Kommunikationsunternehmen. Bei der Programmpräsentation von ProSieben am Mittwoch in Hamburg tönte ProSieben, die allseits beliebten Jung-Moderatoren Joko und Winterscheidt (manche kennen sie nur als Joko & Klaas) würden nun “exklusiv” für ProSieben zum Mikrofon greifen. Stimmt gar nicht, sagte ZDF-Programmdirektor darauf dem Medienmagazin DWDL. Die Sendung “neo Paradise” mit Joko & Klaas bei ZDFneo würde selbstverständlich weiterlaufen. ProSieben-Chef Jürgen Hörner wählte daraufhin „geschickt“ die Formulierung, Joko & Klaas würden künftig “noch exklusiver” bei ProSieben zu sehen. Wir lernen: Die Steigerungsform von “exklusiv” lautet “noch exklusiver”. Man könnte auch sagen: “Exklusiv” ist das neue “Premium” – eine Worthülse, die man wahllos an irgendeine Aussage drankleben kann ohne sich um irgend eine Art von Bedeutung zu scheren.

A propos Worthülsen, die man wahllos irgendwo dranklebt – in der Zeit haben die Champions-League Philosophen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski ordentlich über ihren Nachfolger beim ZDF vom Leder gezogen: den Pop-Philosophen Richard David Precht. Der passionierte Offene-Hemden-Träger übernimmt die Nachfolgesendung für das von Thomas Bellut abgesägte “Philosophische Quartett”. Feingeist Sloterdijk über Precht: “Seine Klientel gleicht eher der von André Rieu, den hören auch vor allem Damen über fünfzig in spätidealistischer Stimmung.“ Hoppla, hoppla. Auch den Philosophen sind die Niederungen des Neids also nicht ganz unbekannt. Sloterdijk kann sich ja mit Bild-Briefeonkel FJW zusammentun, der findet den Precht auch doof.

Dieser ganze Neid! Gibt es denn gar nix Lustiges zum Wochenausklang, verdammtnochmal!? Doch! Diesen wunderbaren Twitter-Dialog des bemerkenswert souveränen Twitter-Teams der Deutschen Bahn mit einem Nutzer auf dem IC-Klo. Selbst, wenn es erfunden sein sollte, ist es ziemlich lustig. Zitat: “Wenn sie oft unplanbaren Stuhlgang haben, empfiehlt es sich eine kleine Menge Papier für den Notfall mitzuführen.”

Schönes Wochenende!

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige