Plagiatsvorwurf gegen Achim Achilles

Publishing Der Berliner Journalist Hajo Schumacher ist ein umtriebiger Zeitgenosse. Er schreibt Kolumnen, Bücher und ist Herausgeber des Medienmagazins VisdP. Seine Doktorarbeit verfasste er über die Machtphysik von Angela Merkel. Unter dem Pseudonym Achim Achilles hat er seit Jahren eine Lauf-Kolumne bei Spiegel Online. Nun hat er ein Problem: Im März wurde gegen Schumacher eine Unterlassung erwirkt, ein Achilles E-Book weiter zu verkaufen. Der Vorwurf eines ehemaligen Partners: Er soll plagiiert haben.

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Gleichzeitig geht es um die Geschichte vom Ende einer Medien-Freundschaft. Hajo Schumacher alias Achim Achilles soll Teile seines E-Books “Einfach loslaufen! Das schlanke Standardwerk für Laufeinsteiger” von dem Buch “Joggen in Berlin – die besten Strecken getestet von Prominenten” von Jens Karraß abgewandelt übernommen haben. Schumacher selbst hat auch schon eine Unterlassungserklärung abgegeben, in der er sich verpflichtet, das E-Book nicht weiter zu bewerben oder zu vertreiben. MEEDIA liegt die von ihm unterschriebene Unterlassungserklärung vor.

In einem seiner zahlreichen Meinungsbeiträge hat Schumacher selbst den Plagiats-Vorwurf einmal als “scharfes Schwert” bezeichnet. Damals ging es freilich nicht um ihn, sondern um die FDP-Europa-Politikerin Silvana Koch-Mehrin, die sich mit Vorwürfen konfrontiert sah, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Schumacher verteidigte sie in VisdP unter der Überschrift “Skandal oder Pillepalle”. Nicht erwähnt hatte er, dass seine Frau zusammen mit Frau Koch-Mehrin ein Buch geschrieben hat und auch sonst zahlreiche berufliche Verbindungen zwischen ihm und der Politikerin bestanden. Später wurde Frau Koch-Mehrin ihr Doktortitel aberkannt. Von wegen pillepalle.

Die Sache hatte für Schumacher bestenfalls ein Gschmäck’le. Jetzt aber geht es um einen handfesten Vorwurf gegen Schumacher selbst. Ob Schumacher alias Achim Achilles tatsächlich aus “Joggen in Berlin” plagiiert, vulgo: abgeschrieben, hat, davon kann sich jeder ein Bild machen. MEEDIA dokumentiert die wesentlichen Passagen:

Die restlichen <media 46177>Passagen sind hier einzusehen</media>. Der Fall hat aber auch einen persönlichen Hintergrund. Schumacher und und der Autor von “Joggen in Berlin” haben sich Backstage bei der Talkshow von Sabine Christiansen kennengelernt. Es war der Beginn einer zunächst wunderbaren Medienfreundschaft. 2004 machten beide für den Tagesspiegel eine Serie mit Lauftipps von Prominenten. Karraß hat kleine Texte zum Laufen dafür geliefert. Aus der Serie entstand später das Buch “Joggen in Berlin”. Schumacher hat Karraß großzügig die komplette Urheberschaft an dem Buch überlassen. In dem Buch selbst ist jedoch mit Autorenzeilen klar gekennzeichnet, welche Texte aus der Feder von Karraß stammen. “18 Tipps von Jens Karraß” ist der entsprechende Teil des Buches überschrieben. Hajo Schumacher wird vorne im Buch noch für “Konzeption und Idee” gedankt. Da war die Welt für die beiden noch in Ordnung.

Später hat Karraß mit seiner Firma JK Running gegen Honorar auch Texte an die Achim Achilles GmbH zur Verwendung auf deren Website geliefert und Chats betreut. Laut Karraß waren die Texte der Tagesspiegel-Laufserie aber nie Bestandteil dieses Deals. Hajo Schumacher sagt, dass sie es sehr wohl gewesen seien. Doch selbst wenn, so hätte Hajo Schumacher nicht das Recht, die Karraß-Texte ungefragt unter seinem Pseudonym für eine eigene Buchveröffentlichung zu verwenden.

“Als ich das E-Book von Achim Achilles las, wurde mir ganz schummrig", sagte Karraß im Gespräch mit MEEDIA. Und in Bezug auf Hajo Schumacher: "Er muss doch wissen, dass dies kein Kavaliersdelikt ist." Wegen der früheren Freundschaft habe er sich lange überlegt, ob er den Schritt zum Anwalt macht, Schumachers Reaktion als er ihn mit dem Vorwurf konfrontierte, hätten ihn jedoch in dem Entschluss bestätigt. Eine Entschuldigung sei ausgeblieben. Stattdessen bot Schumacher Karraß in einer Mail an, dass dieser ihm rückwirkend “die Verwendung von Texten und Trainingsplänen aus anderen Quellen (insbesondere aus dem Buch "Laufen in Berlin)" für das E-Book (“Einfach loslaufen”)” gegen eine “noch zu vereinbarende Einmal-Zahlung” überlassen soll. In der Mail hat Schumacher zwar den Titel des Buches “Joggen in Berlin” mit “Laufen in Berlin” verwechselt, aber auch so lehnte Karraß das “Angebot” ab und marschierte zum Anwalt.

Die Medienfreundschaft ist passé. Ist diese Geschichte nun ein Skandal oder ein Skandälchen? Hajo Schumacher würde vielleicht sagen: pillepalle. Aber ganz so pillepalle, ist es dann ja auch wieder nicht, wenn ein prominenter Journalist eine derartige Laissez-faire-Haltung mit den Texten anderer Leute an den Tag legt.

Weder Hajo Schumacher noch seine Anwaltskanzlei wollten sich gegenüber MEEDIA wörtlich zu dem Vorfall äußern.
Nachtrag: Nach der Veröffentlichung dieses Textes hat sich Hajo Schumacher nochmals gemeldet und bat nun um die Veröffentlichung folgender Stellungnahme: "Jens Karrass hat über die Jahre ein fünfstelliges Honorar bekommen für Beiträge auf achim-achilles.de, die zum Teil intensiver redaktioneller Bearbeitung bedurften. Von einem Plagiat kann nun wirklich keine Rede sein. Es wäre schön, wenn wir die aktuelle Streitigkeit mit Anstand und sportlicher Fairness ausräumen könnten. Leider – und angesichts unserer langjährigen freundschaftlichen Zusammenarbeit nicht nachvollziehbar – hat Jens Karraß ohne vorher ein Gespräch in der Sache gesucht zu haben, direkt juristische Schritte eingeleitet und bis heute jedes Gesprächsangebot verweigert. Es tut mir wirklich leid, wie er seinen einstmals guten Ruf nun selbst ruiniert."
Die Angaben von Hajo Schumacher und Jens Karraß, wer mit wem ein Gespräch gesucht oder nicht gesucht hat, liegen weit auseinander, sind für die von Jens Karraß erhobenen, faktischen Vorwürfe aber irrelevant.  

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