Focus erscheint digital mit zensiertem Cover

Publishing Auf Druck des E-Kiosk-Betreibers Zinio hat der Focus sein aktuelles Cover für seine Digital-Ausgabe zensieren müssen. Damit reagierte man auf die strengen Vorschriften Apples beim Thema "nackte Haut" im Appstore. Weil das Titelbild der Tablet-Ausgabe zum Thema “Gesunde Haut” eine Schwarz-Weiß-Fotografie einer jungen Frau mit nackter Brust im Profil zeigt, zeigte sich Zinio alarmiert. Der Verlag verhüllte ihre Blöße mit einem Zensurbalken. Eine Beschwerde von Apple hatte jedoch noch gar nicht vorgelegen.

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Das Nachrichtenmagazin war der Empfehlung, das Titelmotiv kurzfristig auszutauschen, um die Bestimmungen Apples hinsichtlich Nacktheit nicht zu verletzen, bewusst nicht nachgekommen. "Wir lassen uns die Wahl unserer Titelmotive nicht von Vertriebspartnern vorschreiben", erklärte ein Focus-Sprecher. "Auch eine von Prüderie getriebene Zensur widerspricht unseren Vorstellungen von Pressefreiheit."

Außerdem hätten Abonnenten bereits für das Magazin bezahlt. Dem wolle man Rechnung tragen. Zuletzt sei es schlicht auch undenkbar, nach dem Drucktermin in der Nacht von Freitag auf Samstag das Titelbild kurzerhand abzuändern. Um die Leser nicht zu enttäuschen, habe man sich deswegen für einen grauen Zensurbalken entschieden und zeige das unverhüllte Titelbild erst auf Seite drei.

Zinio befürchtete offenbar, selbst von Apple aus dem Appstore gekickt zu werden, wenn man Inhalte zum Verkauf anbiete, die zumindest nach einem kurzen Blick auf das Cover nicht jugendfrei sind. Auch wenn der Reflex, auf ein entschärftes Cover zu drängen, im Sinne der Pressefreiheit undenkbar ist, so ist die Angst ist berechtigt.

Zuletzt traf es das spanische Wissenschaftsmagzin Muy interesante. Weil das G+J-Blatt mit einem Ratgeberstück über das männliche Glied aufmacht, wurde die Publikation kurzerhand nicht für Apples virtuelles Zeitschriftenregal Newsstand zugelassen. In Cupertino empfand man den Titel als nicht angemessen für die junge Leserschaft, die das Wissenschaftsmagazin aus dem Hause Gruner + Jahr eigentlich ansprechen will. Der Verlag gab schließlich nach.

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