n-tv: zum zweiten Mal schwarze Zahlen

Fernsehen In der Süddeutschen Zeitung hat n-tv-Geschäftsführer Hans Demmel verkündet, dass sein Sender im Jahr 2011 schwarze Zahlen geschrieben hat. Auch der private Konkurrenzkanal N24 soll im vergangenen Jahr profitabel gearbeitet haben. Das ist insofern erstaunlich, als das Geschäft mit den privaten Nachrichtensendern lange als natürlicher Zuschussbetrieb gesehen wurde. Die schwarzen Zahlen, die nun gemeldet werden, sind allerdings in erster Linie rigiden Spar-Bemühungen zu verdanken.

Werbeanzeige

So ist n-tv sehr nah zum Muttersender RTL gerückt und Synergien werden wo immer möglich ausgeschöpft. Gespart wird außerdem beim Programm. Da aktuelle Nachrichten teuer sind, beginnt bei n-tv schon ab 16 Uhr das so genannte Abendprogramm. Will heißen: Weniger News, mehr Dokus. Dann heben die Kampfflieger wieder ab, die Brücken und Feuerwehrautos werden zerlegt und Hochhäuser in der Wüste gebaut. Ab 20 Uhr sind dann bis Mitternacht kaum mehr Nachrichten auf dem Nachrichtenkanal zu sehen. n-tv-Geschäftsführer Demmel redet sich die Flut an Billig-Dokus und Nachrichtenarmut ab dem Nachmittag in der Süddeutschen mit einem bemerkenswerten Argument schön. Er sagt in der SZ:  “Natürlich sind wir ein Wirtschaftsunternehmen, und da muss man sehen, welche Bedürfnisse es bei unserer Seherschaft gibt.” Demnach habe sich der “nachrichteninteressierte Deutsche” nach 20 Uhr “wo auch immer” bereits ausführlich informiert. “Wo auch immer” heißt wahrscheinlich: bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Es ist ein vergleichsweise schwacher Trost, dass der von ProSiebenSat.1 im Jahr 2010 abgestoßene Kanal N24 echte Nachrichten in noch deutlich geringerer Dosierung verabreicht als n-tv. Bei N24 bricht die Dokumania schon zur Mittagszeit aus und dauert werktags bis zum nächsten morgen um 6 Uhr. Wieviel Geld sie mit ihrem News- und Flugzeugträger-Doku-Mix verdienen, darüber schweigen sich sowohl n-tv als auch N24 aus. Viel wird es nicht sein. Die schwarze Null ist in diesem Geschäft schon ein ökonomischer Ritterschlag. Die Marktanteile beider Sender lagen 2011 bei rund eine Prozent. Auch das gilt als Erfolg. Erfolgsgeschichten im privaten deutschen Nachrichtenfernsehen sind sehr bescheidene Geschichten.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige