Stil, die letzte große, ungenutzte Ressource

Publishing Eines der potentiell spannendsten Journalisten-Blogs des Jahres kommt jetzt aus der Schweiz. Für das Newsnet des Tagesanzeigers hat Constantin Seibt sein neues Online-Journal Deadline gestartet. Im Gegensatz zu den meisten Medien-Blogs will sich Seibt, der 2007 in der Schweiz zum Journalisten des Jahres gewählt wurde, weniger mit der Kritik am Journalismus beschäftigen, sondern vielmehr mit dessen Herstellung. „Wie zum Teufel funktioniert Journalismus im 21. Jahrhundert?“

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Eines der potentiell spannendsten Journalisten-Blogs des Jahres kommt jetzt aus der Schweiz. Für das Newsnet des Tagesanzeigers hat Constantin Seibt sein neues Online-Journal Deadline gestartet. Im Gegensatz zu den meisten Medien-Blogs will sich Seibt, der 2007 in der Schweiz zum Journalisten des Jahres gewählt wurde, weniger mit der Kritik am Journalismus beschäftigen, sondern vielmehr mit dessen Herstellung. „Wie zum Teufel funktioniert Journalismus im 21. Jahrhundert?“

Das neue Newsnet-Blog Deadline

Laut Eigenbeschreibung soll Deadline ein Blog für Profis werden, das sich mit den täglichen Fragen des Handwerks auseinander setzt: „Wie Pointen gesetzt, Dialoge geschliffen, Verrisse tödlich, Lob unpeinlich, komplexe Fakten amüsant und Kolumnen nicht bieder wirken“. Zudem will sich Seibt immer wieder mit Fragen der Haltung auseinander setzten: „Wie überlebt man in einem brutaleren wirtschaftlichen Umfeld? Mit welchen Strategien schafft es eine Zeitung und ein Journalist zur Marke zu werden? Wie schafft man Aufmerksamkeit ohne Übertreibungen? Und schließlich die Frage, wie sich eine Zeitung oder eine Onlineredaktion auf dem heutigen Markt anders aufstellen könnte, um das zunehmend untreue Publikum zu überzeugen.“

Zum Start gibt es erst einmal einen richtigen Text- und Gedanken-Brocken – ein 15-Thesen-Manifest zum Journalismus im 21. Jahrhundert. Darunter so altbekannte Erkenntnisse wie „Nachrichten sind keine attraktive Ware mehr“ oder „Bravheit und Effizienz sind tödlich“. Allerdings stellt Seidel auch überraschendes fest, wie den Umstand, dass wir gerade „eine Zeitmaschine: 1500 Jahre zurück“ erleben. Denn: „Die Situation von Zeitungen und jedem einzelnen Journalisten hat sich mit dem Internet um über tausend Jahre geändert. Quasi vom Mittelalter zurück nach Athen: Von der sicheren Abonnementskanzel vor der braven Herde hinunter auf den profanen Marktplatz – in den Nahkampf unter die Eselhändler, Marktschreier, Philosophen, Prediger, Messerverkäufer und Scharlatane. Eins kann sich hier niemand leisten: Unauffälligkeit.“

Für den Tagesanzeiger gibt es vor allem eine Antwort auf die Hauptprobleme: „Stil“. Denn er ist für ihn „die letzte große, ungenutzte Ressource“.

Am Ende des ersten 14.000-Zeichen-Textes verspricht Seibt, dass es das längste Posting war, das jemals in seinem Blog erscheinen wird. Eigentlich schade. Denn es ist ein großartiges Thesen-Manifest mit einem wunderbaren Einstieg. Er lautet: „Willkommen an Bord der prächtigen, aber sinkenden Galeere des Printjournalismus. Zwar herrscht auf Zeitungen seit Jahrhunderten dieselbe Zeit wie auf dem Meer oder im Totenreich: eine ewige Gegenwart. Aber irgendwann findet auch diese ihr Ende“. Weiter heißt es: „Jedenfalls ist es fast Selbstmord, in diesem Gewerbe zu arbeiten, ohne über dessen Zukunft nachzudenken.“

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