Schmidt & Fußball: das Pay-TV-Endspiel

Fernsehen Auf den ersten Blick ist es nur eine (interessante) TV-Personalie. Die TV-”Wanderhure” Harald Schmidt (Schmidt über Schmidt) wandert mal wieder, diesmal von Sat.1 zum Bezahlsender Sky. Auf den zweiten Blick ist die Verpflichtung von Harald Schmidt zusammen mit dem Kauf der kompletten Bundesligarechte eine Kampfansage von Sky-Chef Brian Sullivan. Sky setzt beim Pay-TV in Deutschland auf Alles oder Nichts. Die Chancen standen noch nie so gut, dass es diesmal klappt.

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Nach einer langen, langen Leidensgeschichte scheint das deutsche Pay-TV mit dem hemdsärmeligen US-Amerikaner Brian Sullivan den Mann gefunden zu haben, der die Sache packen könnte. Das waren weder Georg Kofler, dessen Börsen-und Wachstumsgeschichten bei Premiere sich am Ende als zu luftig erwiesen haben. Und auch nicht dessen blasser Nachfolger Michael Börnicke, an dessen Wirken bei Premiere sich heute kaum noch jemand erinnern dürfte.

Dann gab es noch ein kurzes Gastspiel von Mark Williams, der vor den Schrecken des deutschen Pay-TV-Debakels schnell wieder Reißaus nahm. Auf die Zukunft von Sky haben viele keinen Pfifferling mehr gesetzt. Danach kam Sullivan ans Ruder und die Sache begann sich zu drehen. Aus Premiere war Sky Deutschland geworden und Schritt für Schritt wurde der Laden umgekrempelt. Verbilligte Abos wurden zusammengestrichen, Karteileichen rausgeschmissen, das Billig-Angebot Premiere Flex aus Kofler-Zeiten war schon vorher eingestampft worden.

Stattdessen kümmerte man sich darum, dass ordentliche Receiver angeschafft und in Callcenter investiert wurde. Die Orientierung auf die Kundenzufriedenheit wurde auf der Prioritätenliste nach oben gesetzt. Sullivan erkannte HD-Fernsehen und Sport als die Zugpferde. Kämpfe, die er nicht gewinnen konnte (gegen die ARD „Sportschau“), fing er gar nicht erst an. Stattdessen startete er einen Kanal wie Sky Sport News HD, der konzipiert ist, um in Sportbars oder Fitnessstudios als Dauerberieselung zu laufen.

Mit Sky Go für Smartphones und iPads wurde der Bezahlkanal mobil gemacht. Sky Anytime wurde als Tool für On-Demand-Fernsehen eingeführt. Kürzlich holte Sky für die Rekordsumme von 486 Mio.Euro pro Jahr für vier Spielzeiten die komplette Bundesliga. Die Ware Fußball ist derzeit so wertvoll wie nie. Das Schlagerspiel Bayern gegen Dortmund in der Bundesliga, das exklusiv bei Sky zu sehen war, bescherte dem Pay-Sender einen historischen Rekord mit 1,27 Mio. Zuschauern. Wenn die Liga so attraktiv bleibt wie derzeit, geht die hohe Rechnung für Sullivan und Sky auf.

Dazu passt der aktuelle Coup, die “Harald Schmidt Show” zu Sky zu holen. Schmidt wird seine  Late-Night-Show dreimal die Woche ab Herbst 2012 schon um 22.15 Uhr auf dem neuen HD-Kanal Sky Atlantic präsentieren. Bei Sky Atlantic sollen außerdem hochkarätige US-Serien, wie die vielfach preisgekrönte Krimireihe “The Wire” laufen. Das ist auch für Schmidt ein geeigneteres Programmumfeld als drei Folgen „Criminal Minds“ am Stück bei Sat.1.

Gleichzeitig wird die “Harald Schmidt Show” mobil auf Sky go und jederzeit abrufbar bei Sky Anytime zu sehen sein. Die Schwerpunkte in der deutschen TV-Landschaft verschieben sich: Sat.1 hat die Champions League an das ZDF verloren und Harald Schmidt zu Sky ziehen lassen. Sky positioniert sich damit als privater Anbieter von Qualitätsfernsehen ohne Quotendruck klug zwischen öffentlich-rechtlichem Rentner-TV und dem Quoten-Klimbim der privaten Free-TV-Kanäle.

Auf der Facebook-Seite von Harald Schmidt haben zahlreiche Fans bereits angekündigt, nun ab Herbst Sky abonnieren zu wollen. Aber selbst wenn die Zahl der Neu-Abos wegen Schmidt überschaubar bleibt – bei Sky setzen sie auf den Image-Gewinn. Sky-Filmchef Marcus Ammon sagte zur Verpflichtung Schmidts: "Schmidt stärkt durch seine Unverwechselbarkeit die Positionierung von Sky und schafft eine weitere positive Differenzierung zum herkömmlichen TV-Angebot." Damit hat er wohl Recht. Sky, Sullivan und sein Gesellschafter Rupert Murdoch mobilisieren noch ein letztes Mal alle Kräfte. Für Sky und Brian Sullivan hat das Endspiel um die Etablierung des Pay-TV in Deutschland begonnen und Schmidt st dabei ein wichtiger Spieler. Die Chancen, dass es diesmal endlich klappt, standen noch nie so gut.

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