ARD macht aus EinsExtra Tagesschau24

Fernsehen Neuer Name, alter Inhalt. Immerhin ist die neue Marke jetzt aber Programm. Denn ab dem 1. Mai heißt der öffentlich-rechtliche Digital-Kanal EinsExtra dann Tagesschau24 und zeigt – laut NDR-Intendant Lutz Marmor – „Dauer-Nachrichten in Tagesschau-Qualität“. Der umetikettierte Sender wird wie bisher wochentags von 9 bis 20 Uhr nonstop Nachrichten senden. Trotzdem hoffen die Macher mit der immensen Zugkraft der Marke Tagesschau auf ein deutliches Plus bei den Zuschauern.

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Zurzeit kommt der Digitalkanal auf rund 700.000 Zuschauer, die jeden Tag mindestens eine Minute am Stück die Dauer-News einschalten. Das bringt am Monatsende einen Marktanteil von rund 0,1 Prozent. „Uns geht es bei Tagesschau24 jedoch gar nicht um die Quote“, sagt Marmor bei der Vorstellung des neubenannten Senders in Hamburg. Viel mehr sollen möglichst viele Menschen sich einfach nur kurz informieren. „Wer bei uns länger als eine Viertelstunde zuguckt ist entweder eingeschlafen oder ein echter Nachrichten-Genießer“, ergänzt der ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke.

Die Macher hoffen aus zweierlei Gründen auf ein kräftiges Plus bei den Zuschauerzahlen. Zum einen steigt die Zuschauerzahl, die überhaupt Digital-TV empfangen können, durch die Abschaltung des analogen Satellitensignals, zum anderen soll die Strahlkraft der Marke Tagesschau auch das ehemalige EinsExtra beflügeln. „Der Name Tagesschau24 signalisiert den Zuschauerinnen und Zuschauern, was der Mehrwert dieses Digitalkanals ist: Nachrichten nonstop, alle 15 Minuten aktuell und direkt aus dem Studio der Tagesschau“, fasst Marmor noch einmal zusammen. Zudem werden die Sendungen von derselben Redaktion zusammengestellt, „die ohnehin für die täglich rund 20 Tagesschau-Ausgaben im Ersten arbeitet.“

Die Verantwortlichen glauben, dass die enge Verzahnung bei Redaktion und Produktion nicht nur Geld spart, sondern auch zur Qualitätssteigerung beiträgt. „Ohne den ständigen Sendebetrieb unseres Infokanals wäre die schnelle Reaktionsfähigkeit wie etwa beim Unglück von Fukushima nicht möglich gewesen“, sagt Gniffke. Diese Erfahrung musste die ARD leidvoll bei den Bombenanschlägen in London 2005 machen. Damals war das ZDF dran, und die Nachrichten-Profis des Ersten haben sehr lange gebraucht, bis sie eine eigene funktionierende Berichterstattung auf die Beine gestellt bekommen hatten. Eine Konsequenz war der Plan, eine stets vollbesetzte und einsatzbereite News-Redaktion zu etablieren.

Tatsächlich kommt der neue Sender fast ohne eigene Mannschaft aus. Alle Inhalte kommen aus der gemeinsamen Tagesschau-Redaktion. Die räumliche Nähe wird ab Ende des Jahres noch sichtbarer, weil die ARD-Aktuell-Nachrichtensender dann ein neues hochmodernes Studio beziehen werden, das dank Digital-Sender und klassischer Tagesschau-Sendungen „24 Stunden, sieben Tage die Woche unter Dampf stehen wird“, wie Gniffke erklärt.

Im Gegensatz zur ZDF- oder RTL-Konkurrenz verzichten die ARD bei ihrem neuen Studio auf den Einsatz von virtuellen Räumen. Zwar wird man die gesamte Rückwand des Studios mit Filmen und Grafiken bespielen können, aber alle optischen Elemente sind auch für die Sprecher und Moderatoren zu sehen. Heißt: Sie moderieren nicht in einem leeren virtuellen Raum.

Fast zeitgleich zum Umzug in das neue Studio planen die Senderverantwortlichen, die Webseite Eins-extra.de zum Jahresende abzuschalten und auf Tagesschau.de umzuleiten. Schon heute arbeitet das EinsExtra-Team für die Online-Kollegen. Denn sie produzieren die 100-Sekunden-Ausgabe der Tagesschau, die im stationären und im mobilen Web zu den wohl populärsten bewegten News-Formaten gehört.

Der umbenannte Sender wird wie bisher werktags von 9 bis 20 Uhr ausschließlich Nachrichten senden. Samstags ist dieser Fenster von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Das Programm folgt immer einem festen Muster: Alle 15 Minuten gibt es eine neue Ausgabe der Tagesschau. Sie ist sieben Minuten lang. Danach wird für die restlichen acht Minuten immer abwechselnd aus den Ressorts Hintergrund, Sport, Wirtschaft und Kultur berichtet.
In seiner Kommunikation zum Umbenennung ist es den Verantwortlichen sichtbar wichtig zu betonen, dass Tagesschau24 weder ein Konkurrent für n-tv oder N24 seinen und das er kaum Geld koste. Laut Marmor liegt die Belastung für den Gebührenzahlen durch den Nachrichten-Kanal lediglich bei "zwei Cent pro Monat".

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