WAZ plant Übergang zu Bezahlinhalten

Publishing Die WAZ-Gruppe will ein digitales Bezahlmodell für ihre Zeitungsmarken in Nordrhein-Westfalen einführen. Dies sagte Erik Peper, Geschäftsführer WAZ New Media, in einem Gespräch mit MEEDIA. Die Online-Auftritte der Zeitungen werden überarbeitet und neue Tablet-Apps vorbereitet. Die Dachmarke DerWesten, 2007 eingeführt, bleibe zwar als Vermarktungseinheit erhalten, doch die vier Zeitungsmarken sollen wieder gestärkt werden. Peper ist Referent beim Expertenforum VDZ Mobile.

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"Wir werden im ersten Halbjahr unser neues digitales Angebot launchen", sagte Peper, der seit Juni 2010 Digitalchef der WAZ-Gruppe ist und damit u.a. verantwortlich für das Nachrichtenportal DerWesten. Demnach werden das Portal und die mobilen Angebote überarbeitet, ebenso neue Apps für Tablets eingeführt. Peper: "Wir versuchen, die Marken unserer Zeitungen auf allen Plattformen zu stärken." Zu den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe in NRW gehören die Westdeutsche Allgemeine (WAZ), Westfälische Rundschau, Westfalenpost und Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung (NRZ).

Das Portal DerWesten soll "als Gesamtreichweitenmodell und Vermarktungseinheit" aufrecht erhalten werden. "Aber darunter werden wir die Markenauftritte in einem zweiten Schritt stärken", so Peper. "Der dritte Schritt ist dann der Übergang zu Bezahlinhalten." Welches Bezahlmodell das Medienunternehmen für seine wichtigsten Zeitungen im Netz wählt, sei noch offen. Peper: "Es wird sich auf jeden Fall um ein Stufenmodell handeln." Ein großer Teil der Angebote bleibe kostenfrei. Es gelte, die Inhalte zu finden, die für Leser einer Regionalzeitung einen Mehrwert bedeuteten.

Auch an anderen Stellen des WAZ-Reiches tüfteln Verlagsmanager und Chefredakteure an Bezahlmodellen, beispielsweise beim Braunschweiger Zeitungsverlag. Ein unausweichlicher Schritt: "Die Logik eines werbefinanzierten Reichweitenmodells muss stufenweise übergehen in ein neues Verhältnis zu bestehenden und möglichst auch neuen Abonnenten", sagt Peper. Mit anderen Worten: Die WAZ glaubt nicht daran, dass die Refinanzierung der digitalen Kanäle auf lange Sicht über Werbung ausreicht. Diese Einschätzung teilen viele andere Verlage.

Die andere bemerkenswerte Nachricht neben der Ankündigung der Einführung eines Bezahlmodells ist die Information, dass die WAZ-Gruppe nun Ernst macht mit ihrem Plan, die einzelnen Zeitungsmarken wieder auf Kosten der Dachmarke DerWesten zu stärken. WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz hatte bereits im vergangenen Jahr solche Pläne avisiert. DerWesten wurde 2007 unter Führung der damaligen Chefredakteurin und Geschäftsführerin von WAZ New Media, Katharina Borchert (heute Spiegel Online), gestartet. Die Idee war, eine übergreifende neue Marke für die Leser der WAZ-Zeitungen in NRW zu schaffen. Die hohen Erwartungen, die WAZ-intern an die Entwicklung der Reichweite des ambitionierten Portals geknüpft wurde, erfüllten sich nur teilweise. Nun heißt die Devise, dass sich die lange eingeführten Zeitungsmarken wieder selber im Netz bewähren sollen. Dahinter steht auch die Einsicht, dass Markenbildung im Internet eine komplizierte Angelegenheit ist und neue Angebote nicht automatisch gut funktionieren, nur weil sie in einem neuen Medium zur Verfügung gestellt werden.

Auch an der App-Front soll sich einiges tun – Erik Peper kündigt an, dass die WAZ-Gruppe für ihre Titel neue Anwendungen anbieten wird, die das Zeitungsprodukt für Tablets aufbereiten – "interaktiver und lebendiger" als die bisherigen PDF-Versionen der Zeitungen, die über Apps bezogen werden können. Peper spricht von einer "Markterprobungsphase": "Gerade bei Tageszeitungen ist die Anzahl der Nutzer, die den journalistischen Content über ein Tablet abrufen, noch überschaubar." Es sei wichtig, zu experimentieren, aber gleichzeitig zu "realistischen Einschätzungen zu kommen, um Enttäuschungen zu vermeiden". Generell sei die Zahlungsbereitschaft für Tablet-Inhalte größer als für Smartphone-Inhalte.

Vorsichtige Kritik übt Peper an der Telekom und den Gesellschaftern des Digital-Kiosks Pubbles (Bertelsmann, Weltbild): "Vom Engagement bin ich ein wenig enttäuscht." Die Kioske bieten verlagsübergreifend Nutzer-Plattformen an, auf denen man wie in einem stationären Kiosk Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften kaufen und zentral in der App lesen kann. Peper: "Aus meiner Sicht passiert dort nicht genug, um eine eigene Plattform für Verlagsinhalte zu etablieren. Da stellt sich schon die Frage, ob Verlage nicht ein eigenes Kindle-Projekt brauchen."
 
Erik Peper ist einer der Referenten des VDZ Expertenforums Mobile Media, das am 25. April in Hamburg stattfindet. Er war u.a. Chef von Bild Digital und leitet seit Juni 2010 die WAZ New Media. Zu den weiteren Referenten zählen u.a. Jeff Moriarty (Boston Globe), Katharina Borchert (Spoiegel Online), Steve Wing (Guardian Media) und Thomas Pyczak (Chip). Hier geht´s zum Programm. MEEDIA ist Medienpartner des Expertenforums.

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