IVW: Starke Verluste auf den zweiten Blick

Die überregionalen Tageszeitungen sind bei den Quartalsauflagen der IVW glimpflich davon gekommen. So der Eindruck, wenn man sich die Gesamtverkäufe anschaut. Doch der zweite Blick zeigt ein anderes Bild: In den wichtigen Kategorien Abos und Einzelverkauf ging es deutlicher nach unten, Welt & Welt kompakt verloren hier 4,6%, SZ und FAZ 2,0% bzw. 2,5%. Einziger tatsächlicher Gewinner bei den Tageszeitungen: das Handelsblatt, das deutlich Abonnenten hinzu gewann.

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Zunächst der Blick auf die Gesamtverkäufe inklusive der Bordexemplare und sonstigen Verkäufe. Hier sieht es für die Mehrheit der Tageszeitungen vergleichsweise solide aus. Verluste gibt es zwar bei allen, doch außer bei Bild und Frankfurter Rundschau verloren die Blätter mit 100.000 und mehr Verkäufen hier nur 0,1% bis 2,0%. Insbesondere Handelsblatt und FTD verzeichnen nur geringe Rückgänge. Dass die FTD allerdings erneut hauchdünn über der 100.000er-Marke liegt, führt zu Skepsis bei der Analyse der Zahlen.

Deutlichere Verluste erzielten die Frankfurter Rundschau mit einem Minus von 3,6%, sowie weiter hinten die taz mit -4,0% und das Neue Deutschland mit -4,4%. Absteiger des Quartals ist aber erneut die Bild, die mit 2,671 Mio. Verkäufen pro Tag zwar weiterhin mit gigantischem Abstand Deutschland meistverkaufte Zeitung ist, dabei allerdings heftige 6,5% bzw. 184.530 Käufer einbüßte.

Nun die Zahlen der beiden wichtigsten Auflagenkategorien Abos und Einzelverkauf an Kiosk & Co. Und siehe da: Acht der neun Zeitungen schneiden hier zum Teil deutlich schlechter ab als bei den Gesamtverkäufen. Fast identisch sind die Zahlen bei Bild und taz: 6,7% und 4,2% beträgt der Verlust hier. Auch die F.A.Z. liegt mit 2,5% nur minimal über dem Gesamtverkaufs-Minus. Deutlicher sieht es schon bei der Süddeutschen (2,0% gegenüber 1,2%) aus. Heftig wird es dann beim Duo Welt und Welt kompakt. Insgesamt nur ein Mini-Minus von 0,5% gingen bei den Abos und am Kiosk deutliche 4,6% abhanden. Der Grund für den Unterschied: Springer verteilte 7,6% mehr Bordexemplare und generierte 3,3% mehr sonstige Verkäufe. Diese Zeitungen glichen die Verluste bei Abos und Einzelverkauf fast aus.

Noch schlimmer sieht es bei der Financial Times Deutschland aus: Aus einem Minus von 0,5% im Gesamtverkauf wird bei den Abos und am Kiosk eins von satten 8,0%. Der Verlust von über 4.000 Käufern wurde auch hier mit einer Steigerung der Bordexemplare ausgeglichen. Ebenfalls klar über den Verlusten im Gesamtverkauf liegt die Frankfurter Rundschau, die ihre sonstigen Verkäufe um 16,8% erhöhte.

Erstaunlich sind hingegen die Zahlen des Handelsblatts. 2.000 Käufer gewann die Zeitung im Vergleich zum Vorjahresquartal hinzu. Zwar ging es am Kiosk leicht zurück, doch das Abo-Marketing leistete offenbar gute Arbeit, denn innerhalb von 12 Monaten gewann das Handelsblatt mehr als 2.000 neue Abonnenten.

Gut sieht es auf den ersten Blick wieder bei den wichtigsten Wochen- und Sonntagszeitungen aus. Die Zeit, die Welt am Sonntag und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gewannen im Gesamtverkauf – wenn auch auf niedrigem Niveau – Käufer hinzu. Dramatische 10,0% büßte hingegen die Bild am Sonntag ein, die mit 1,339 Mio. Verkäufen wie die Bild einen historischen Minusrekord erreichte.

Auch hier offenbart der zweite Blick allerdings in zwei Fällen klare Unterschiede: In den Kategorien Abos und Einzelverkauf wird aus dem Mini-Plus der F.A.S. nämlich ein kleines Minus – und beim Duo Welt am Sonntag & Welt am Sonntag kompakt sogar ein deutliches Minus von 3,0%. Ähnlich wie im Gesamtverkauf sieht es hingegen bei der Bild am Sonntag und der Zeit aus: 10,2% büßte die BamS hier ein, 0,1% gewann Die Zeit hinzu.

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