Polizei kritisiert “Kommissar” Schweiger

Fernsehen Wer einen Klassiker der deutschen Fernsehunterhaltung "irgendwie dämlich" findet, der muss mit einem lauten Echo rechnen. Genau das widerfährt gerade Til Schweiger, der im September die Nachfolge von Mehmet Kurtulus im Hamburger “Tatort” antreten soll, und sich Ende März für einen neuen, frischeren Vorspann aussprach. Seit Wochen wächst die Kritik an seinen Äußerungen. Seine Krimi-Kollegen sehen darin ein Sakrileg. Jetzt meldet sich sogar die “echte” Polizei zu Wort.

Werbeanzeige

André Schulz ist Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter und lässt in der Hamburger Morgenpost kein gutes Haar an Schweiger: “Es zeugt schon ein wenig von Arroganz, wenn der Möchtegern-Ermittler Til Schweiger bereits vor der allerersten Klappe das unverwechselbare Markenzeichen des ,Tatorts’, den Vorspann, abschaffen will, weil er ihn outdated findet.“ Die Sendung sei schließlich Kult.

Schulz ist so etwas wie das Real-Life-Pendant zu Schweigers “Tatort”-Rolle. Schließlich ermittelt er als Kriminalhauptkommissar in der Hansestadt. Für Schweiger soll es eine Ehre sein, einen Kriminalbeamten zu spielen, meint der hochrangige Ermittler.

Mit seiner Kritik steht er nicht allein. Auch Ulrike Folkerts, die am 13. Mai wieder im Ersten mit dem Lena-Odenthal-Tatort “Der Wald steht schwarz und schweiget” zu sehen ist, hält am Trailer fest: “Ich finde den Vorspann, gerade weil er so alt und dadurch Kult ist, wunderbar. Der soll bleiben!” Ihre österreichische Kollegin Adele Neuhauser pflichtet ihr bei. Der Vorspann sei nicht wegzudenken, “auch wenn er "vielleicht" nicht mehr zeitgemäß sein sollte”, zitiert Closer die Kommissarin im Wiener “Tatort”.

Der Leipziger Ex-Kommissar Peter Sodann wird noch deutlicher: “Dann lieber den Kommissar auswechseln. Das wäre klüger.”Dominic Raacke, der als Till Ritter in Berlin ermittelt, sieht im Vorspann gar ein “Heiligtum”. Ähnlich formuliert es der Wiesbadener “Tatort”-Kommissar Ulrich Tukur: “Der ‘Tatort’ ist eine Kirche mit einer großen, gläubigen Gemeinde. Am Wochenende ist Gottesdienst. Eine Kirche erneuert man spirituell und von innen heraus und nicht, indem man den Glockenturm abreißt”, zitiert ihn Closer.
Bei der Preisverleihung des „Jupiter Award“, dem Film- und Fernsehpreis von Cinema und TV Spielfilm, hatte Schweiger Ende März erklärt, sich für die Abschaffung des Vorspanns einzusetzen. "Den würde ich gerne ändern. Also das finde ich irgendwie dämlich. Den Vorspann, der ist jetzt wirklich outdated", hatte der 48-Jährige erklärt.
Ob Schweiger die Auswirkungen seiner Aussage hätte erahnen können? Auch ihm dürfte klar sein, dass der “Tatort” in deutschen Wohnzimmern einen besonderen Status genießt. Ein gelungener PR-Griff war es allemal. Immerhin ist der Schauspieler schon Monate vor dem eigentlichen Drehbeginn in aller Munde.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige