Der seltsame Kultreflex auf Sixt-Werbung

Marketing Die Abläufe scheinen stets gleich: Sixt startet eine Kampagne, und schon findet sich das aktuelle Motiv in reihenweise Artikeln der Mediendienste wieder, meist gelobt als besonders frech und kultig. Als Jung von Matt vor acht Jahren Kanzlerin Angela Merkel eine neue Frisur verpasste, war das wirklich hip. Doch mittlerweile produzieren die (inzwischen unterschiedlichen) Werber im schnelllebigen Agenturjob für den Autoverleiher leider mehr kryptischen Quatsch als originelle Ideen.

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Grob gesprochen ist es das Konzept der Werbeflights, der Sau, die ohnehin gerade schon durchs Dorf getrieben wird, per Sixt-Kampagne noch einen mitzugeben und damit die Lacher (und bestenfalls auch Mietwagen-Bucher) auf Seite des Kunden zu haben. So schafften es mit Ex-Familienministerin Ulla Schmidt (Dienstwagenaffäre), Ex-Präsident Christian Wulff (Schnäppchenaffäre), Finanzminister Schäuble (Schuldenkrise) oder FDP-Chef Philipp Rösler (Wählerschwund) auch immer wieder Politiker aufs orange-schwarze Plakat – was bei einigen Mediendiensten quasi reflexhaft Artikel Headlines hervorruft, die nach Schema F gestrickt sind: Sixt veralbert x, Sixt watscht y ab, z kriegt’s von Sixt ab usw.

Schon zuletzt bei der Rösler-Kampagne fragte man sich, wer um Himmels wilen das Fettgedruckte zusammengerumpelt hatte: "Mit viel Drive direkt am Ziel vorbei. (Der Chef der FDP). Mit ConnectedDrive direkt ans Ziel. (Der Auskunftsdienst von BMW ConnectedDrive: Knopf drücken, Problem wie z.B. Hotelsuche besprechen, Antwort aufs Display)" – häh?

War das kaum verständlich, so ist die aktuelle Kampagne mit "Latzhosen-Pirat" (Bild.de) Gerwald Claus-Brunne, 39 und neuerdings Abgeordneter der Piraten in Berlin, immerhin etwas eingängiger: "Total beliebt. Und keiner weiß warum. (Die Piraten: Günstige Brise). Total beliebt. Und jeder weiß warum. (Sixt Cabrios: Günstige Preise)". Frage aber: Ist das auch lustig? Nee, nicht wirklich.

Die Kampagne hat bessere Zeiten und weit bessere Motive gehabt, und es scheint – vielleicht ähnlich wie vor einiger Zeit bei der Media Markt-Werbung – als hätte das Konstrukt des ungleichen Pärchens auf den Sixt-Plakaten einen gewissen Reifegrad erreicht, sprich: als wäre es an der Zeit für grundlegend neue Ideen bei der Kundenansprache. Klassiker wie das Motiv mit Heino und Roberto Blanco bei der Cabrio-Werbung ("Vorher" – "Nachher") oder eben das mit der Kanzlerin lassen sich eben nicht beliebig in vergleichbarer Qualität wiederholen.

Die Kampagnen zu Rösler und dem Piraten stammen übrigens vom Hamburger Werber und Ex-JvM-Kreativchef Oliver Voss, der im Wechsel mit anderen Kreativen auf Wunsch des Autovermieters neben der Leadagentur Jung von Matt Kampagnen-Projekte für Sixt realisieren darf.

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