Bundesligarechte: Skys teurer Pyrrhussieg

Der Showdown ist entschieden: Die Vergabe der Bundesliga-TV-Rechte geht an Sky. Damit endet eine monatelange Zitterpartie für den Pay-TV-Sender, der ohne die Exklusivrechte um seine Existenzberechtigung hätte bangen müssen. Doch der Sieg könnte extrem teuer erkauft worden sein: 1,9 Milliarden Euro zahlt Sky für die vier Spielzeiten ab 2013 – fast die Hälfte mehr als bisher. Analysten werfen die Frage auf, wie das refinanziert werden soll – die Aktie gibt die Gewinne wieder ab.

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Der Showdown ist entschieden: Die Vergabe der Bundesliga-TV-Rechte geht an Sky. Damit endet eine monatelange Zitterpartie für den Pay-TV-Sender, der ohne die Exklusivrechte um seine Existenzberechtigung hätte bangen müssen. Doch der Sieg könnte extrem teuer erkauft worden sein: 1,9 Milliarden Euro zahlt Sky für die vier Spielzeiten ab 2013 – fast die Hälfte mehr als bisher. Analysten werfen die Frage auf, wie das refinanziert werden soll – die Aktie gibt die Gewinne wieder ab. 

Es war der ganz große Showdown-Dienstag rund um das runde Leder: Bayern Münchens Last Minute-Sieg gegen Real Madrid – größere Leckerbissen im europäischen Vereinsfußball gibt es nicht. Zu besichtigen war ser beim Pay-TV-Anbieter Sky, dessen Butter- und Brot-Geschäft allerdings eher die 306 Bundesliga-Spiele sind, die seit 2000 allesamt live gezeigt werden.  

Nicht auszudenken, was der Entzug der Exklusivrechte für Sky bedeutet hätte – der Absturz in die Bedeutungslosigkeit wäre vorprogrammiert gewesen. Er schien möglich, schließlich hatte der notorisch defizitäre MDax-Konzern mit der Deutschen Telekom einen extrem solventen Mitbewerber aus einer Aktienliga höher. Der Ex-Staatsmonopolist wollte es wissen und "in neue Geschäftsfelder vorstoßen und die stetige Umsatzerosion im angestammten Telefongeschäft wettmachen", wie Reuters zur Abgabe des Telekom-Gebots zu berichten wusste.

Teurer Quantensprung – Sky bezahlt die Rechung
Ein echter Showdown also nicht nur auf dem grünen Rasen – sondern auch am grünen Tisch. Und es wurde das erwartet harte Bietergefecht, das vor allem einen klaren Gewinner hatte – die Liga selbst. Zwischen 628 (2013) und 673 Millionen Euro (2017) fließen der Deutschen Fußball Liga (DFL) nun in die Kassen – ein echter "Quantensprung", wie DFL-Präsident Reinhard Rauball und Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummennige den Coup bezeichneten.

Zum Großteil – nämlich mit genau 485,7 Millionen Euro – wird der von Sky bezahlt. Der Münchner Pay-TV-Sender setzte sich in allen Bereichen durch: Neben den herkömmlichen Pay-TV-Live-Rechten per Kabel und Satellit, sowie denen im Web und mobil hat sich das Unternehmen auch die IPTV-Rechte gesichert und damit die Deutsche Telekom vorerst aus der Bundesliga gekickt. Nach sechs Jahren muss sich der Ex-Staatsmonopolist vom Experiment Bundesliga also zumindest der Exklusivität nach wieder verabschieden – die Telekom ist der klare Verlierer der Rechtevergabe.

Sky-Aktie fährt Achterbahn
Aber ist Sky damit auch der Gewinner? Die Börse gibt eine zweideutige Antwort: Zunächst einmal explodierte der Aktienkurs am Morgen um mehr als 20 Prozent, als von der Bild-Zeitung durchgesickert war, dass Sky den Zuschlag bekommen wurde.

Als dann jedoch in der Pressekonferenz um 13 Uhr das tatsächliche Volumen des Deals bekannt wurde, zückten die Aktionäre die gelbe Karte – die Sky-Aktie gab fast alle Gewinne wieder ab und stürzte binnen weniger Minuten von 2,50 auf 2,20 Euro. Am Ende des Tages notierte das Papier im Frankfurter Parketthandel bei 2,15 Euro fast unverändert auf Vortagesniveau. 

Analysten skeptisch: "Schwierigkeiten bekommen, die Kosten wieder zu erwirtschaften"
"Die verlängerten und
 erweiterten Rechte geben uns Sicherheit für die nächsten fünf Jahre und eröffnen uns großartige neue 
Möglichkeiten für Wachstum und Innovation", bemühte sich Konzernchef Brian Sullivan, Aufbruchsstimmung zu verbreiten. Doch Zweifel bleiben. Der scharfe Abschwung an der Börse fand in den ersten Einordnungen von Finanzexperten seinen Widerhall.

"Der Preis ist zu hoch, und der Bezahlsender wird Schwierigkeiten bekommen, diese Kosten wieder zu erwirtschaften", erklärte etwa der Aktienhändler Jörg Heineke von TAO Capital. Auch die Analysten der Nord LB reagierten eher unterkühlt auf den teuren Rechte-Gewinn und bestätigen lediglich die Halteempfehlung mit einem Kursziel von 2,10 Euro.

Teuere TV-Rechte: Mehrkosten von 210 Millionen Euro
Auch der Unternehmensberater Alexander Henschel hat seine Bedenken. Gegenüber Spiegel Online erklärte der Geschäftsführer von Goetzpartners, dass es "angesichts des hohen Preises schwer vorstellbar ist, dass Sky in nächster Zeit in die schwarzen Zahlen kommt". Zumal Konzernchef Sullivan Kunden gleich zu beruhigen gedachte: "Wir haben keine Pläne, die Preise zu erhöhen", erklärte der Sky-CEO gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Doch irgendwie müssen die Mehraufwendungen schließlich gedeckt werden. In der nächsten Spielzeit überweist bestreitet Sky 275 der 440 Millionen Euro der gesamten Bundesliga-TV-Rechte – künftig werden es 485 Millionen Euro sein. In der Summe sind das 210 Millionen höhere Ausgaben!

Kann Sky "beim Wachstum den Turbo einschalten"?

Dabei sucht das frühere Kirch-Tochterunternehmen seit Jahren nach einem Weg zur Rentabilität. Im vergangenen Jahr fuhr Sky ein Minus von happigen 277 Millionen Euro ein, 2010 waren es sogar 408 Millionen Euro. Nun noch mehr als 200 Millionen höhere Aufwendungen? Die Herkulesaufgabe für ist Konzernchef Sullivan ist damit nicht leichter geworden.

Doch im Sport machen solche Herausforderungen bekanntlich erst den Reiz und die Quote aus. UBS-Analyst Polo Tang sieht dann auch ein erhebliches Potenzial: "Wir glauben, dass Sky Deutschland auf dieser Basis beim Wachstum den Turbo einschalten könnte", erklärt der UBS-Mann gegenüber Reuters. Solche Steilvorlagen kann die Sky-Aktie, die weiterhin rund 93 Prozent unter ihren Allzeithochs notiert, gut gebrauchen. 

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